// Startseite
| Football Today |
| +++ Sportzeitung für England +++ |
|
|
|
Wenn die "Reds" das Flutlicht an der Anfield Road einschalten, riecht es nach Spektakel. Und genau das gab es am Montagabend zum Auftakt der neuen Saison in der 1. Liga England: Liverpool besiegte den FC Southampton mit 4:2 (3:0) und schickte die Gäste mit einem Koffer voller Gegentore, aber immerhin zwei Ehrentreffern, nach Hause. Schon nach sieben Minuten hatte Callum Hawn, ausgerechnet der linke Außenverteidiger, den Ball im Netz versenkt - ein Schuss aus der Kategorie "Warum-nicht-mal-probieren". "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Hawn später, "aber der Ball hat wohl eigene Pläne gehabt." Im Stadion jubelten 42.546 Zuschauer, viele schauten sich dabei ungläubig an: Der erste Schuss, das erste Tor - das nenne man Effizienz. Danach ging es Schlag auf Schlag. In der 23. Minute erhöhte Lucas Ward nach Vorarbeit von Innenverteidiger Aaron Simpson - ja, richtig gelesen: Innenverteidiger! - auf 2:0. Eine Minute später legte Bo Kristensen mit einem präzisen Distanzschuss das 3:0 nach. Southampton-Trainer Michael Böning stand schon da mit jener Körperhaltung, die Trainer nur annehmen, wenn sie sich fragen, warum sie den Job eigentlich machen. "Wir haben die erste Halbzeit komplett verschlafen", knurrte Böning nach dem Spiel. "Da war Liverpool in jeder Hinsicht besser - schneller, härter, wacher. Selbst unser Busfahrer hätte mehr Zweikämpfe gewonnen." Seine Mannschaft hatte bis zur Pause kaum etwas zu bieten. Erst nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild. In der 60. Minute kam Hoffnung auf, als Owen Hartshorn nach Pass von Nicolaas Derrick das 3:1 erzielte. Der Treffer war schön herausgespielt, vielleicht zu schön für das, was Southampton bis dahin gezeigt hatte. Trainer Kurt Kaiser an der Liverpooler Seitenlinie reagierte prompt: "Ich hab die Jungs erinnert, dass das hier kein Freundschaftsspiel ist", erzählte er lachend. "Und dass ich ihre Fitnesswerte kenne." Liverpool blieb überlegen, doch die Partie wurde ruppiger. Erst sah Southamptons Kai Peter Gelb (72.), dann Liverpools Filipe Arias (75.). Peter schaffte später sogar das seltene Kunststück, sich in der 91. Minute noch eine Gelb-Rote Karte abzuholen - als späte Pointe eines gebrauchten Abends. In der 80. Minute hatte Giulio Lorusso mit einem eiskalten Abschluss das 4:1 gemacht. Der 34-jährige Stürmer, gerade erst eingewechselt, zeigte den jungen Kollegen, wie man Tore schießt. "Ich hab’s noch im Fuß, keine Sorge", sagte er nach dem Spiel mit einem Augenzwinkern. Zwei Minuten später traf Southamptons eingewechselter Meir Pizanti noch zum 4:2, aber das war nur Kosmetik. Statistisch untermauerte Liverpool seine Dominanz: 14 Torschüsse standen acht der Gäste gegenüber, dazu fast 58 Prozent Ballbesitz. Es war kein perfektes Spiel, aber ein Statement. "Wir haben offensiv gespielt, wie wir es uns vorgenommen hatten - und defensiv… nun ja, da ist noch Luft nach oben", kommentierte Trainer Kaiser gewohnt trocken. Die Zuschauer freute das allemal. In den letzten Minuten skandierten sie fröhlich, während Southampton mit zehn Mann den Schaden begrenzte. Youngster Freddie Madigan, der zur Halbzeit eingewechselt wurde, erzählte später: "Ich hatte Angst, dass mich Lorusso anschreit, wenn ich ihm den Ball nicht gebe. Also hab ich’s einfach gemacht - und er trifft. Läuft." So startet Liverpool mit einem souveränen Sieg in die Saison, während Southampton sich fragen muss, ob man wirklich jedes Spiel mit Vollgas-Pressing beginnen sollte. Ein Reporter fragte Böning, ob er mit der Aggressivität seines Teams zufrieden sei. "Aggressiv? Eher suizidal", antwortete der Coach und lächelte gequält. Am Ende war es ein Abend, an dem alte Routiniers und junge Wilde gemeinsam für Unterhaltung sorgten. Das Publikum ging zufrieden heim - nicht, weil alles perfekt war, sondern weil es einfach Spaß gemacht hatte. Und irgendwo im Norden Englands wird jetzt wieder diskutiert, ob Liverpool dieses Jahr endlich das schafft, was seit Jahren auf dem Wunschzettel steht: Titel, Ruhm und vielleicht ein bisschen weniger Drama. Doch ehrlich gesagt - ohne Drama wäre es ja nicht Liverpool. 11.11.643993 12:27 |
Sprücheklopfer
Kopfball war für mich immer so etwas ähnliches wie Handspiel.
Günter Netzer