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Es war einer dieser Abende, an denen man schon beim Anpfiff ahnte, dass hier niemand zimperlich sein würde. 31.815 Zuschauer im Estadio Generalena sahen ein Spiel, das alles bot: Tore, eine rote Karte, ein junger Held und einen Trainer, der nach Abpfiff lieber tief durchatmete, als zu jubilieren. Am Ende stand ein verdienter 3:1-Sieg der Lions Generalena gegen CD Alajuela - und ein Michel Tortosa, der mit seinen 21 Jahren aussah wie der Chef im Ring. Kaum hatte der Schiedsrichter die Pfeife zum Mund geführt, da zappelte der Ball schon im Netz. Die erste Minute war noch nicht vorbei, als Tortosa nach mustergültiger Vorarbeit von Iker Barreda den Ball humorlos ins lange Eck drosch. "Ich wollte eigentlich nur flanken", grinste Barreda später, "aber Michel hat wohl andere Pläne gehabt." 1:0 - das Stadion bebte, die Lions schnurrten. Doch wer dachte, Alajuela würde sich ergeben, täuschte sich. Nur 13 Minuten später schlug Martin Fukal zurück. Nach einem blitzsauberen Pass von Ivan Lupus zog er rechts durch und traf aus spitzem Winkel - 1:1. In der Coaching-Zone schüttelte Gerd Hauser den Kopf und murmelte laut genug, dass selbst die Ersatzbank es hörte: "So viel zur defensiven Ordnung." Sein Gegenüber Fritz Brause grinste verhalten - da lief’s ja noch rund für die Gäste. Die Partie blieb auch danach intensiv. Alajuela suchte sein Glück in der Offensive, verzeichnete immerhin sieben Abschlüsse, doch Generalena hatte mehr vom Spiel - 15 Torschüsse und 51 Prozent Ballbesitz sprechen eine klare Sprache. Es war ein Duell auf Augenhöhe, bis Vicente Arredondo in der 55. Minute die Nerven verlor. Nach einem rustikalen Einsteigen gegen Barreda zückte der Schiedsrichter Rot. "Ich hab’ nur den Ball getroffen", protestierte Arredondo - der Ball lag da allerdings schon fünf Meter entfernt. Ab da war das Spiel ein anderes. Die Lions rochen Blut. Hauser brachte den jungen Morgan Robinson, um frischen Wind über rechts zu bringen - und der 21-Jährige zahlte das Vertrauen prompt zurück. In der 75. Minute flanke Robinson butterweich auf den zweiten Pfosten, wo Tortosa lauerte und per Kopf seinen zweiten Treffer erzielte. 2:1. "Ich hab’ einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass er den trifft", lachte Robinson später. Hoffnung erfüllt. CD Alajuela versuchte, sich aufzubäumen, aber die Unterzahl zermürbte sie. Coach Brause brachte mit Naot und Ze Castro noch zwei frische Leute, doch die Lions blieben bissig. In der 88. Minute machte Pal Szabo den Sack zu: Nach einem energischen Antritt über links legte erneut Barreda quer, Szabo schob cool ein - 3:1. Das Stadion jubelte, Hauser ballte die Faust, und Brause starrte stoisch auf den Rasen, als könnte er dort das verlorene Glück finden. "Wir haben uns selbst geschlagen", sagte Brause nach dem Spiel. "Die rote Karte war ein Genickbruch. Aber wenn man ehrlich ist: Generalena war heute einfach cleverer." Hauser dagegen gab sich gewohnt trocken: "Wir haben gemacht, was wir können - Fußball spielen. Und Michel hat heute wohl beschlossen, erwachsen zu werden." Statistisch passte alles ins Bild: Die Lions mit leichtem Ballbesitzvorteil (51 zu 49 Prozent), besserer Zweikampfquote (53 Prozent) und vor allem mehr Zug zum Tor. Alajuela hielt kämpferisch dagegen, doch die rote Karte verschob das Kräfteverhältnis. Dass sich der 18-jährige Luís Melendez am Ende noch über ein paar Einsatzminuten freuen durfte, war das Sahnehäubchen auf einem Abend, der für Generalena kaum besser hätte laufen können. Als die Flutlichter erloschen und die Fans die Hymne der Lions sangen, klopfte sich Tortosa auf die Brust und grinste in Richtung Tribüne. "Zwei Tore, drei Punkte - das ist mein Job." Hauser indes schob hinterher: "Wenn er so weitermacht, muss ich bald Eintritt zahlen, um ihn spielen zu sehen." Ein Spiel, das mit einem Paukenschlag begann und mit einem Löwengebrüll endete - Generalena bleibt zu Hause eine Macht. Und Alajuela? Die reisen mit Wut im Bauch ab, aber vielleicht auch mit der Erkenntnis: Gegen junge Löwen sollte man besser kein rotes Tuch schwenken. 19.11.643990 13:00 |
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