// Startseite
| Anpfiff |
| +++ Sportzeitung für Deutschland +++ |
|
|
|
Wer an diesem frostigen Januarabend im Linxer Stadion frierend auf den Anpfiff wartete, ahnte nicht, dass er Zeuge eines kleinen Fußball-Feuerwerks werden würde. 4127 Zuschauer sahen beim 19. Spieltag der Regionalliga A einen SV Linx, der den FC Ulm mit 5:0 (4:0) vom Platz schoss - und das so früh und entschlossen, dass Ulms Trainer Didier Damme nach Abpfiff nur trocken meinte: "Wir waren noch beim Aufwärmen, da stand’s schon 2:0." Tatsächlich dauerte es nicht einmal zwei Minuten, bis die Linxer das erste Mal jubelten. Mark Fritsch, der flinke Rechtsaußen, traf nach Vorlage des 17-jährigen Christian Stein - und setzte damit den Ton für den Rest des Abends: direkt, mutig, eiskalt. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Fritsch nach dem Spiel, "aber dann dachte ich, der Ball hat ja auch Gefühle und darf mal ins Tor." Nur fünf Minuten später legte der 18-jährige Detlev Miller nach. Nach einem Pass von Carsten Vollmer nutzte der Youngster die erste echte Chance und schob so abgeklärt ein, als spiele er seit Jahren in der Regionalliga. "Ich hab einfach gemacht, was Coach Dickschat immer sagt: nicht nachdenken, einfach treffen", erklärte Miller hinterher und grinste, während sein Trainer Michal Dickschat ihm auf die Schulter klopfte: "Wenn der mal anfängt nachzudenken, hab ich ein Problem." Ulm dagegen wirkte, als sei das Navi im Mannschaftsbus auf "Verfahren" geblieben. Zwar hielt man den Ballbesitz mit 49 Prozent fast ausgeglichen, doch die Statistik lügt nicht: 23 Torschüsse für Linx, nur 5 für Ulm. Vor allem in der Defensive der Gäste herrschte Chaos, wann immer Linx mit Tempo kam - und das war oft. In der 25. Minute erhöhte Bernt Kühne auf 3:0, nach sauberem Zuspiel von Fritsch, der an diesem Abend an fast allem beteiligt war, was gefährlich aussah. Drei Minuten später wiederholte sich das Muster: Stein steckte durch, Miller traf erneut - 4:0. Der Ulmer Torwart Alvertos Warzycha könnte in dieser Phase vermutlich eine Autogrammkarte von jedem Linxer Angreifer bekommen haben, so oft sah er sie aus nächster Nähe. "In der Kabine war es still", berichtete Ulm-Kapitän Francois Satchmore, "manche haben auf den Boden gestarrt, andere auf die Uhr. Leider zeigte die Uhr noch 45 Minuten Spielzeit." Die zweite Halbzeit verlief weniger spektakulär, vielleicht auch, weil Linx einen Gang zurückschaltete. Trainer Dickschat wechselte früh, schon in der 20. Minute kam Otto Fritsch für den gelbverwarnten Morgan Shepherd, später ersetzte Ralph Konrad den starken Vollmer. "Wir wollten Kräfte sparen", sagte Dickschat, "und ehrlich gesagt, ich wollte auch vermeiden, dass wir noch Mitleid kriegen." Das fünfte Tor fiel dann in der 72. Minute - wieder war es Bernt Kühne, wieder hatte Fritsch seine Finger im Spiel. Die Zuschauer standen, klatschten, sangen, und Ulm versuchte, den Schaden zu begrenzen. Didier Damme blieb sachlich: "Wir haben nicht schlecht trainiert, wir haben einfach schlecht gespielt." Ein kleiner Trost für Ulm: Ihre jungen Spieler, insbesondere der 17-jährige Nick Greiner, zeigten wenigstens Kampfgeist. Ein Schuss in der 63. Minute zwang Linx-Keeper Thomas Dietz zu seiner einzigen echten Parade des Abends - das Publikum honorierte es mit höflichem Applaus. Bei Linx dagegen herrschte ausgelassene Stimmung. Der sonst eher nüchterne Mittelfeldmotor Kühne gab sich nach dem Abpfiff fast philosophisch: "Manchmal läuft’s einfach. Heute war einer dieser Tage, an denen du denkst: Warum nicht immer so?" Und so ging ein Abend zu Ende, der für Linx-Fans lange in Erinnerung bleiben dürfte. Ein 5:0, das sich nicht nur in der Tabelle, sondern auch im Selbstvertrauen bemerkbar machen wird. Für Ulm bleibt die Erkenntnis: Ohne Pressing, ohne Mut und mit nur fünf Torschüssen gewinnt man in dieser Liga nichts - außer vielleicht Erfahrung. Oder, wie es ein Linxer Fan beim Verlassen des Stadions formulierte, während er sich den Schal enger zog: "Wenn’s so weitergeht, brauchen wir bald ein größeres Stadion - oder wenigstens stärkere Gegner." Ein bisschen übertrieben? Vielleicht. Aber an diesem Abend war alles ein bisschen größer in Linx: die Spielfreude, die Kälte - und das Ergebnis. 26.08.643987 23:25 |
Sprücheklopfer
Man hetzt die Leute auf mit Tatsachen, die nicht der Wahrheit entsprechen.
Toni Polster