Anpfiff
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Linx zerlegt Berlin: Lehrstunde im Flutlicht

Wenn ein Fußballspiel nach vier Minuten praktisch entschieden ist, kann man entweder Mitleid haben - oder sich zurücklehnen und genießen, wie ein Team das andere seziert. Beim 0:5‑Debakel von Gerda GFC Berlin gegen den SV Linx taten 3659 Zuschauer beides zugleich: erst seufzen, dann staunen.

Schon der erste Angriff der Gäste saß. Der 18‑jährige Christian Stein, kaum alt genug, seinen Führerschein zu haben, drosch nach einer butterweichen Flanke von Morgan Shepherd den Ball unhaltbar ins Netz (4.). Der Jubel der Linxer Fans im Gästeblock klang wie ein ferngesteuertes Orchester - synchron, laut, ungläubig. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Stein später, die Schuhspitze noch voller Rasen. "Ich glaub, der Keeper hat den Ball erst gesehen, als er schon drin war."

Gerda GFC dagegen wirkte, als hätte jemand in der Kabine den "Schlafmodus" nicht abgeschaltet. Nur acht Minuten nach dem ersten Schock erhöhte der erfahrene Spielmacher Bernt Kühne (33) auf 0:2 - ein trockener Schuss aus 18 Metern, so präzise wie ein Steuerbescheid. Und weil Linx an diesem Abend einfach alles gelang, besorgte Johannes Urban in der 13. Minute das 0:3. Es war der Moment, in dem sich auf der Berliner Trainerbank erste resignierte Gesten zeigten - Hände in den Taschen, Köpfe gesenkt, ein Blick gen Himmel, als hoffe man auf göttliche Hilfe.

Kurz darauf musste Phillip Klaus verletzt raus, und Ersatzmann Yannik Fink kam. Der rief seinem Coach beim Einlaufen noch trotzig zu: "Ich bring frischen Wind!" - worauf ein Zuschauer von der Tribüne trocken zurückrief: "Dann fang mal mit der Abwehr an!"

Bis zur Pause war Linx in allen Belangen überlegen. 22 Torschüsse insgesamt, 50 Prozent Ballbesitz, aber gefühlt 90 Prozent Kontrolle. Berlin kam auf magere drei Abschlüsse, von denen keiner Oscar Haase im Linxer Tor ernsthaft beschäftigte. "Ich hätte fast eingefroren", witzelte der Keeper nach dem Spiel. "Zum Glück hab ich wenigstens beim Torjubel mitlaufen dürfen."

In der Kabine versuchte Berlins Trainer - dessen Name in den Unterlagen merkwürdigerweise fehlt, vielleicht wollte er nach diesem Abend auch nicht genannt werden - seine Spieler mit einem schlichten "Kämpfen!" zu motivieren. Doch der Plan ging ungefähr so gut auf wie ein Regenschirm im Orkan.

Nach der Pause schaltete Linx kurz in den Verwaltungsmodus, ohne die Kontrolle zu verlieren. Defensiv solide, offensiv lauernd, immer bereit, wenn sich Berlin mal zu weit nach vorne wagte. In der 73. Minute war es dann Innenverteidiger Bernt Prinz, der nach einer Ecke von Carsten Vollmer humorlos einnickte - das 0:4. Vollmer, eingewechselt für den verletzten Stein, hatte gleich seine Duftmarke gesetzt.

Als Mark Fritsch in der 85. Minute nach Vorarbeit von Kühne den Schlusspunkt setzte, war das Publikum gespalten: Einige pfiffen, andere applaudierten - vielleicht aus Anerkennung für die Effizienz des Gegners, vielleicht aus purer Erleichterung, dass es nicht zweistellig wurde.

"So ein Spiel ist wie ein Zahnarzttermin", meinte Gerdas Kapitän Robin Bach nach Abpfiff. "Man weiß, es wird weh tun, aber man muss durch." Trainer Michal Dickschat von Linx dagegen hatte Mühe, sein Lächeln zu verbergen: "Wir haben früh die Räume gefunden und sie gnadenlos genutzt. Aber ich sag’s ehrlich: Fünf Tore hätte ich nicht erwartet."

Einziger Wermutstropfen für Linx: Youngster Stein musste kurz vor der Pause verletzt raus. "Nichts Schlimmes", gab Dickschat Entwarnung. "Der Junge hat einfach zu viel gelaufen. Wenn man mit 18 schon das Mittelfeld der Regionalliga aufräumt, darf man auch mal müde sein."

Die Statistik sprach ohnehin Bände: 57,7 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 22 Torschüsse, fast identischer Ballbesitz, aber ein Klassenunterschied in der Konsequenz. Berlin spielte "sicher", Linx spielte entschlossen.

Als die Lichter im Berliner Stadion um kurz nach halb zehn langsam gedimmt wurden, blieb ein Gefühl zurück, das man in der Hauptstadt kennt: Es war wieder einer dieser Abende, an denen man besser früher nach Hause gegangen wäre.

Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen murmelte: "Na ja, wenigstens war das Bier kalt."

Und das, soviel Trost sei erlaubt, war an diesem Abend das Einzige, was Gerda GFC noch im Griff hatte.

07.08.643990 10:18
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Es ist schon verrückt, was der Fußball aus mir macht.
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