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Es war einer dieser nordirischen Fußballabende, an denen der Wind schneidend durch die Stadionränge pfeift und 35.574 Zuschauer sich fragen, ob sie in der Halbzeit lieber einen Tee oder gleich einen Helden brauchen. Am Ende bekam Linfield FC beides - einen heißen Auftritt und einen eiskalten Vollstrecker. Coleraine Town begann am 31. Spieltag der 1. Liga Nordirland beherzt, aggressiv, ja fast trotzig gegen den Favoriten aus Belfast. Trainer Bert Legat hatte seine Jungs auf Offensive getrimmt, und das zahlte sich früh aus: In der 21. Minute zirkelte Mariusz Matusiak die Kugel unhaltbar ins rechte Eck, nachdem Luke Graves ihm mit einem Pass wie aus dem Lehrbuch bedient hatte. "Ich hab einfach draufgehalten - der Ball hat sich den Rest selbst überlegt", grinste Matusiak später in der Mixed Zone. Doch wer Linfield kennt, weiß: Die Blau-Weißen lassen sich von Rückständen ungefähr so beeindrucken wie ein Taxifahrer vom Stau. Nur 14 Minuten später schlug der routinierte Theo Whitman zurück. Nach Vorarbeit von Benjamin Carsley drosch der bullige Mittelstürmer den Ball in die Maschen - 1:1, und plötzlich hörte man wieder deutlich den Gästeblock. "Theo war heute unser Fels", lobte Trainer Joe Brunner. "Und zwar einer mit Schussbein." Zur Pause war das Spiel offen, Coleraine hatte fast gleich viel Ballbesitz (48,5 %), aber Linfield war schlicht gefährlicher: 14 Torschüsse insgesamt, während die Gastgeber auf fünf kamen. "Da siehst du den Unterschied zwischen Ball und Ballbesitz", murmelte ein älterer Herr auf der Tribüne, während er seinen Schal neu wickelte. Nach dem Seitenwechsel versuchte Coleraine weiter, Linfield mit Pressing und Kurzpassspiel zu beeindrucken. Trainer Legat gestikulierte wild an der Seitenlinie, schrie "Höher! Noch höher!", was seine Abwehr jedoch offenbar wörtlich nahm - und prompt stand sie zu hoch. Linfield konterte immer wieder gefährlich über die Flügel. Der junge Callum Kenny, gerade erst für den verletzten Michael O’Halloran eingewechselt, zeigte mit 17 Jahren erstaunliche Nervenstärke und sogar zwei beherzte Abschlüsse. In der 64. Minute brachte Legat frische Kräfte: Laszlo Csernai ersetzte den müde wirkenden Oscar Heinemann, kurz darauf folgten Ferreira und Marano. Doch Linfield blieb die reifere Mannschaft. Whitman, Connolly und Brady prüften Torwart Alexandru Mihali fast im Minutentakt. Der Keeper hielt, was zu halten war, und manchmal auch das, was eigentlich gar nicht zu halten war. Dann kam die 84. Minute - und mit ihr der Moment, den Coleraine-Fans wohl so schnell nicht vergessen werden. Elliot Harte, gerade einmal 26 Jahre jung und erst zur zweiten Hälfte ins Spiel gekommen, nahm einen Pass von Alf Persson auf, drehte sich um die eigene Achse und schloss eiskalt ab. 2:1 Linfield. Während Harte jubelnd in den Abendhimmel zeigte, sank Coleraines Abwehrchef James Stokes mit hängenden Schultern zu Boden. "Das war ein klassischer Harte", meinte Linfield-Coach Brunner später mit einem zufriedenen Nicken. "Unspektakulär, aber tödlich." Auf der anderen Seite rang Bert Legat um Fassung: "Wir haben alles gegeben, sogar mehr als wir hatten. Aber manchmal gewinnt einfach der, der den größeren Kühlschrank im Kopf hat." In der Schlussphase versuchte Coleraine noch einmal alles. In der 91. Minute hatte der eingewechselte Edoardo Marano sogar die letzte Chance - sein Schuss rauschte knapp über die Latte. Der Ballbesitz blieb leicht auf Seiten der Gäste, das Tackling-Verhältnis fiel mit 55 zu 45 Prozent ebenfalls Linfield zu. Und so blieb es beim 1:2 (1:1) aus Sicht der Hausherren. Die Linfield-Fans sangen sich heiser, während die Spieler sich gegenseitig abklatschten, als hätten sie gerade ein Pokalfinale gewonnen - was angesichts der Tabellenlage vielleicht gar nicht so weit hergeholt ist. "Wir wollten zeigen, dass wir mental stärker sind", erklärte Torschütze Harte später mit einem breiten Grinsen. "Und dass man auch mit 14 Abschlüssen irgendwann mal treffen sollte." Coleraine dagegen bleibt das Team der schönen Ansätze und gebrochenen Herzen. Sie liefen, sie pressten, sie kämpften - aber am Ende fehlte die Kaltschnäuzigkeit. Und vielleicht auch ein bisschen Glück. Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen trocken bemerkte: "Wir waren gut. Linfield war besser. Und der Tee war immerhin heiß." Ein Abend also, der wieder einmal bewies: Fußball ist kein Spiel der Gerechtigkeit, sondern der Gelegenheiten - und davon hatte Linfield einfach mehr. 03.09.643993 03:23 |
Sprücheklopfer
Ja, erst Eckball und dann Tor.
Oliver Kahn auf die Frage: 'Herr Kahn, wie haben Sie die Situation gesehen, als jemand, der unmittelbar dabei war?' zu Manchesters 2:1 im CL-Finale