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Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob Fußballgötter nicht doch gelegentlich Humor haben. 18.381 Zuschauer im Stadion von Čakovec sahen am 11. Spieltag der 1. Liga Kroatien ein Duell, das mehr Krampf als Kunst versprach - und dann doch zum leisen Heldenepos eines Teenagers wurde. Medimurje Čakovec bezwang den NK Zagreb mit 1:0, ein Ergebnis so knapp wie verdient, und der Name des Abends: Ronald Lindemann, 18 Jahre jung, Stürmer und plötzlich Volksheld. Trainer Rocky Pet, sonst eher für seine wortkargen Pressekonferenzen bekannt, grinste nach dem Schlusspfiff wie ein Lottogewinner: "Ich hab ihm gesagt: Lauf einfach, Ronald. Und wenn du den Ball triffst, dann bitte ins Tor." Der junge Lindemann nickte, lief - und traf. In der 61. Minute, nach einem feinen Steckpass des umsichtigen Luke Giles, tauchte der Blondschopf frei vor Zagrebs Torwart Babic auf und schob den Ball so ruhig ein, als wäre er auf dem Trainingsplatz. Bis dahin hatte das Spiel alles, was man in der Provinzliga Kroatiens liebt: Herz, Hektik, und ein paar gelbe Karten zum Würzen. Sven Heinz, der Innenverteidiger mit der Körpersprache eines Türstehers, holte sich in der 69. Minute die obligatorische Verwarnung ab. "Ich wollte nur zeigen, dass wir hier zu Hause sind", erklärte er später mit einem Schulterzucken. Zagreb dagegen zeigte sich bemüht, aber zahnlos. 50,5 Prozent Ballbesitz klingen gut auf dem Statistikzettel, doch auf dem Rasen wirkte das Ganze eher nach gepflegtem Ballkreisen. Andrej Bazina versuchte es gleich zweimal in der ersten Halbzeit - einmal in Minute 5, einmal in der 75. - doch beide Male war Cakovecs Torwart Tibor Buzanszky hellwach. Der Keeper, von den Fans liebevoll "Tibi" gerufen, hielt, was zu halten war, und ließ sich auch von den neun Zagreber Torschüssen nicht aus der Ruhe bringen. In der Halbzeitpause soll Pet seinem Team zugerufen haben: "Wenn ihr schon nicht schön spielt, dann wenigstens clever!" Gesagt, getan: Die Gastgeber blieben defensiv geordnet, ließen Zagreb anlaufen und warteten auf ihren Moment. Als der kam, war Lindemann zur Stelle - und die Tribüne explodierte. Zagrebs Trainer - sichtlich genervt - suchte nach Erklärungen: "Wir hatten genug Chancen. Aber der Ball wollte heute einfach nicht rein." Vielleicht lag’s auch daran, dass sein Team zwar balanciert, aber ohne Biss agierte. Selbst der erfahrene Marcel Bedard, 34 Jahre alt und normalerweise Garant für Torgefahr, fand keine Lücke. Ein Schuss in der 56. Minute verpasste das Ziel knapp, ein anderer in der 41. wurde von Heinz geblockt, der danach triumphierend die Faust ballte. Tragisch wurde es für Zagreb in Minute 78: Alen Balaban verletzte sich am Oberschenkel, humpelte vom Platz und wurde durch Jurica Buljat ersetzt. "Ich hab’ nur kurz gezuckt und wusste, das war’s", sagte Balaban später mit verbissener Miene. Die Szene passte zum Abend: Zagreb kämpfte, aber das Glück blieb auf der anderen Seite. Cakovec hatte insgesamt zehn Torschüsse, Zagreb neun - ein Spiel also auf Augenhöhe, zumindest statistisch. Doch das eine Tor machte den Unterschied, und der Rest war purer Wille. Als der Schlusspfiff ertönte, lagen sich die Spieler in den Armen, Rocky Pet klatschte sogar mit einem Balljungen ab, und Lindemann stand etwas ungläubig da, als wolle er fragen: "War das wirklich ich?" "Ich hab’ einfach nur gespürt, dass es Zeit war", sagte der Jungstürmer in die Kameras, die ihm plötzlich alle ins Gesicht leuchteten. "Luke hat mir den Ball perfekt gespielt. Und dann - keine Ahnung - war’s drin." Ein Satz, der so schlicht war, wie das ganze Spiel ehrlich war. Zum Schluss noch ein Detail, das viele übersehen haben dürften: Die taktische Ausrichtung von Cakovec blieb über 90 Minuten "defensiv-balanciert". Kein Pressing, keine wilden Vorstöße - einfach disziplinierte Geduld. Und die wurde belohnt. Vielleicht ist das die neue Fußballweisheit aus Čakovec: Lieber einmal treffen als zehnmal schön aussehen. Oder, wie Trainer Pet es trocken formulierte: "Manchmal ist ein 1:0 schöner als jedes 4:3 - weil’s ruhiger schläft." Und wer weiß - vielleicht erzählen sie in Čakovec in ein paar Jahren noch von jenem Januarabend, als ein 18-jähriger Lindemann den großen Zagreb ins Stolpern brachte. Ein bisschen Märchen, ein bisschen Mauerfußball - und das ganz ohne Zauberstab. 26.05.643987 02:23 |
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