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Das Karibikstadion von Limón bebte am Samstagabend, als 20.000 Zuschauer ein 2:2 sahen, das alles hatte, was den Fußball so herrlich unberechenbar macht: frühe Tore, Verletzungspech, Torwartchaos und einen Stürmer, der einfach nicht aufhören wollte zu schießen. CF Limonense und CD Alajuela trennten sich am 13. Spieltag der 1. Liga Costa Rica nach intensiven 90 Minuten leistungsgerecht - wenn auch nicht ganz ohne Drama. Schon nach fünf Minuten lag der Ball das erste Mal im Netz. Inigo Veloso, gerade einmal 22, nutzte eine blitzsaubere Vorlage von Sefa Akagündüz und schob lässig zum 1:0 ein. "Ich hab den Ball einfach laufen lassen - und Inigo läuft halt schneller als meine Gedanken", grinste Akagündüz später. Die Gäste aus Alajuela schauten sich kurz verdutzt an, dann begannen sie, ihrerseits Druck aufzubauen. Doch bevor sie richtig ins Spiel fanden, musste Limonense-Trainer (dessen Name man in Limón derzeit wie einen Heiligen flüstert) gleich reagieren: Innenverteidiger Alex Henrique verletzte sich in der 19. Minute bei einem unschönen Zweikampf. Bailey Donovan kam neu, und der Defensivverbund sortierte sich hektisch neu. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", sagte Donovan über seine erste Aktion - ein unkontrollierter Befreiungsschlag Richtung Strand. Nur wenige Minuten später schlug Alajuela zurück. Yuval Naot, der an diesem Abend offenbar mit einem Magneten für Flankenbälle ausgestattet war, traf in der 25. Minute nach Vorarbeit des 18-jährigen Innenverteidigers Pablo Beltrán zum Ausgleich. "Ich wollte eigentlich flanken, aber der Ball hat sich anders entschieden", gab Naot mit einem Augenzwinkern zu. Das Spiel blieb wild. Limonense antwortete mit Schwung - und mit einem Mann, den man dort eher selten in der Torschützenliste findet: Linksverteidiger Nael Lupus. In der 36. Minute zog er einfach mal ab, Akagündüz hatte wieder clever vorbereitet, und plötzlich stand es 2:1. Die Fans tobten, die Trommeln ratterten, und Trainer Fritz Brause an der Seitenlinie von Alajuela kaute nervös am Kappenrand. "Wir wollten vorne draufgehen, aber dann kam dieser Lupus aus dem Nichts", erklärte Brause nach dem Spiel. Der Deutsche, bekannt für seine trockenen Sprüche, ergänzte: "So ein Tor trifft man sonst nur im Videospiel - wenn man versehentlich die falsche Taste drückt." Zur Pause führte Limonense nach Ballbesitz (53 %) und Schüssen (7:13) zwar nicht statistisch, aber auf der Anzeigetafel. Nach dem Seitenwechsel drehte Alajuela jedoch richtig auf. Fritz Brause brachte Vicente Arredondo zur zweiten Halbzeit, und die Gäste wurden noch offensiver. In der 55. Minute war es wieder Naot, der nach schöner Kombination mit Arredondo den Ball trocken zum 2:2 einschob. Zwei Tore, ein Lächeln, und ein stiller Fluch beim Heimtorwart William Finnan, der sich lautstark über seine Vorderleute beschwerte. Danach wurde es ruppiger. Henri Krämer von Limonense sah in der 80. Minute Gelb, nachdem er den Ball - und seinen Gegner - gleichzeitig treffen wollte. "Der Ball war da irgendwo, glaube ich", sagte Krämer mit unschuldigem Blick. Alajuela drückte in der Schlussphase aufs Gaspedal, hatte durch Amaury Galindo gleich mehrfach die Chance auf den Sieg (Schüsse in der 60., 64., 85. und 90. Minute!), doch Finnan hielt, was zu halten war. Die Gäste beendeten das Spiel mit 13 Torschüssen - fast doppelt so vielen wie Limonense - und einem klaren Willen, den Sieg zu erzwingen. "Ich bin stolz auf meine Jungs. Wir haben nicht aufgegeben, auch wenn die Sonne hier in Limón heißer brennt als meine Mannschaftssitzungen", kommentierte Fritz Brause nach dem Abpfiff. Sein Gegenüber nickte nur und meinte trocken: "2:2 - das Ergebnis, das man liebt, wenn man es nicht hasst." Am Ende blieb es beim 2:2, das beiden Teams weder weh tat noch wirklich half. Limonense verteidigte mit etwas Glück und viel Herz, Alajuela zeigte Moral und einen Naot in Galaform. Die Fans verabschiedeten ihre Helden mit Applaus - und einem Gefühl, dass dieser Punkt vielleicht doch mehr wert war als er aussieht. Ein Zuschauer brachte es beim Hinausgehen auf den Punkt: "Wenn jedes Unentschieden so unterhaltsam wäre, würde ich freiwillig Dauerkarten kaufen." Und wer weiß - vielleicht treffen sich diese beiden Mannschaften bald wieder. Dann hoffentlich mit weniger Verletzten, aber mit genauso viel Leidenschaft. Denn eines steht fest: In Limón war an diesem Abend niemand wirklich unzufrieden - außer vielleicht die Statistikfreunde. 06.06.643987 23:00 |
Sprücheklopfer
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