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An einem frostklaren Januarabend empfing Lich-Steinstraß vor 15.089 Zuschauern den FC Weiler im Allgäu - und wer nach 90 Minuten noch warme Hände hatte, war entweder Torwart oder Glühweinverkäufer. Das 2:3 (1:2) am 15. Spieltag der 3. Liga Deutschland bot alles, was das Herz des neutralen Zuschauers erfreut - und dem heimischen Anhang die Pulsuhr zum Explodieren brachte. Es begann mit einem leisen Murmeln auf den Tribünen: "Die Allgäuer? Die kommen hierher zum Verteidigen", hieß es. Doch schon nach 16 Minuten zappelte der Ball im Netz - allerdings im falschen. Weilers Rechtsaußen Michael Siebert rauschte nach einem Pass von Nick Scherer in den Strafraum und drosch die Kugel unter die Latte. Lichs Keeper Karl Böttcher streckte sich vergeblich, die Gäste führten 1:0. "Wir wollten mutig sein. Dass es gleich so klappt, war natürlich Wahnsinn", grinste Siebert später in die Kameras. Die Antwort der Hausherren ließ nicht lange auf sich warten. Nur drei Minuten später schickte Davib Stack einen Zuckerpass in den Lauf von Niko Beyer. Der 31-Jährige, eigentlich eher bekannt für seine Geduld als für seine Spritzigkeit, setzte sich durch und vollendete aus spitzem Winkel - 1:1. Der Jubel war laut, die Chöre auf der Stehtribüne noch lauter. Trainer Cedric Catweazle klatschte zufrieden: "So hab ich’s mir vorgestellt. Niko hat den Ball da reingezirkelt, als hätte er ihn mit WLAN-Verbindung gesteuert." Das Spiel blieb temporeich, die Statistik sprach klar für Lich-Steinstraß: 54,9 Prozent Ballbesitz, 17 Torschüsse - doch Effizienz war an diesem Abend ein Fremdwort in Rot-Weiß. Weiler, mit nur sechs Abschlüssen, zeigte, was Effektivität bedeutet. Kurz vor der Pause (39.) schlug Linus Berger nach Vorarbeit von Jannik Rothe eiskalt zu. 1:2 - und der Gästeblock tobte. "In der Kabine hab ich gesagt: Jungs, das ist noch lange nicht vorbei!", verriet Catweazle später. Und tatsächlich: Direkt nach dem Seitenwechsel (50.) traf Jacob Chevallier nach Vorarbeit von Xabi Manu zum verdienten 2:2. Die Partie stand wieder auf Messers Schneide, die Zuschauer peitschten ihr Team nach vorn. "Da hat’s richtig gebrannt auf dem Platz", schnaufte Chevallier. Doch dann schlug das Schicksal in der Nachspielzeit zu - und zwar gnadenlos. Weiler hatte kurz zuvor zweimal gewechselt, unter anderem kam der junge Jannick Fritsch für Robin Verellen. Und genau dieser Fritsch sorgte in der 92. Minute für die kalte Dusche: Ein Konter, ein Haken, ein Schuss - drin. 3:2 für die Gäste. Der Jubel der Allgäuer war ohrenbetäubend, während auf der Gegenseite Kapitän William Chevallier fassungslos die Hände über dem Kopf zusammenschlug. "So ein Ding tut weh", gestand Beyer nach dem Schlusspfiff. "Wir haben alles gegeben, aber Fußball ist eben kein Wunschkonzert." Trainer Catweazle suchte nach Worten: "Ich hab in der 90. Minute noch gedacht: Wir kriegen das. Und dann kam dieser eine Ball. Vielleicht hätte ich auch einfach den Bus vor’s Tor stellen sollen." Weilers Coach Mino Raiola hingegen zeigte sich gewohnt trocken: "Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen geduldig bleiben. Und Jannick hat das dann sehr wörtlich genommen." Statistisch bleibt festzuhalten: Lich-Steinstraß dominierte das Geschehen, hatte mehr Ballbesitz, mehr Torschüsse, mehr Zweikämpfe gewonnen - aber am Ende eben weniger Tore. Besonders bitter: Ingo Nene und William Chevallier vergaben in der Schlussphase gleich mehrere Hundertprozentige. In der 77. Minute rauschte Nenes Versuch nur Zentimeter über die Latte, da hatte manch einer im Stadion den Torjubel schon auf den Lippen. Das Publikum verabschiedete die Mannschaft trotzdem mit Applaus. Ein älterer Fan murmelte beim Hinausgehen: "Schade, aber wenigstens war’s kein langweiliges 0:0." Und so ging ein Spiel zu Ende, das Lich-Steinstraß trotz engagierter Leistung mit leeren Händen zurückließ - und Weiler im Allgäu drei Punkte schenkte, die sich anfühlen wie Weihnachten und Ostern zusammen. "Das war kein schöner Sieg, aber ein schöner Abend", resümierte Siebert mit einem Augenzwinkern. Und wer ihn lachen sah, wusste: Manchmal ist Fußball eben genau das - grausam schön. Schlusswort? Vielleicht dieses: Wenn Lich-Steinstraß das nächste Mal so spielt, aber das Glück ein kleines bisschen weniger Allgäuer Dialekt spricht, dann wird’s auch wieder was mit dem Dreier. Bis dahin bleibt nur die Erkenntnis: Ballbesitz gewinnt Spiele nur in der Theorie - Tore aber auf dem Rasen. 30.06.643987 04:06 |
Sprücheklopfer
Nevio Scala ist ein phantastischer Trainer und er hat eine tolle Mannschaft. Dortmund wird ganz sicher Weltmeister!
Giovanni Trappatoni