Diarios de Futbol
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Leones Negros stolpern über einen Stern

47538 Zuschauer im prall gefüllten Estadio Universitario de Guadalajara sahen an diesem Dienstagabend ein Stück Fußball, das man wahlweise als taktische Lehrstunde oder als Geduldsprobe bezeichnen könnte. Am Ende jedenfalls stand ein schmales 0:1 aus Sicht der Leones Negros gegen die cleveren North York Stars - und eine Menge fragender Gesichter auf den Rängen.

Trainer Joe Pass hatte seine Leones gewohnt offensiv eingestellt, das verrieten schon die ersten Minuten: Ballbesitz, Druck, Chancen. Ingo Viejo prüfte den gegnerischen Keeper Alexander Badham bereits in der sechsten Minute, und Oliver Kenny setzte kurz darauf noch einen drauf - leider nur auf die Werbebande. "Wir wollten früh Zeichen setzen", erklärte Pass später mit jenem gequälten Lächeln, das Trainer zeigen, wenn sie wissen, dass es nichts gebracht hat.

Denn die Stars aus Kanada - pardon, "Nordamerika", wie Coach Axel Foley betonte ("Wir sind mehr als nur Ahornsirup") - konterten eiskalt. In der 18. Minute passte Leo Lansbury scharf in die Mitte, und Raul Meira versenkte den Ball mit chirurgischer Präzision ins rechte Eck. 1:0 für die Gäste, und plötzlich wirkte das Stadion so still, dass man das Scharren der Stollenschuhe hörte.

Die Leones reagierten wütend, aber unpräzise. Agemar Fernandes rannte, flankte, schoss, verzog. In der 38. Minute donnerte er den Ball knapp über die Latte, und sein Blick danach sprach Bände: "Das war’s dann wohl für heute." Ingo Viejo versuchte es kurz darauf von rechts, wieder ohne Erfolg. "Wir hätten bis Mitternacht spielen können", seufzte er später, "und der Ball wäre trotzdem nicht reingegangen."

Zur Pause hatte Joe Pass noch keinen Grund zur Panik. 52 Prozent Ballbesitz, mehr Torschüsse (10 zu 5), eine ordentliche Zweikampfquote - das sah auf dem Papier gut aus. Nur das kleine Detail namens Ergebnis wollte nicht mitspielen. "Wir machen alles richtig, außer Tore", knurrte Pass beim Gang in die Kabine.

In Halbzeit zwei änderte sich zunächst wenig. Die Leones drückten, die Stars verteidigten, und das Publikum übte sich in Geduldsspielen. In der 55. Minute tauchte Brandon Edwards einmal gefährlich vor Keeper Davib La Barre auf, der jedoch glänzend parierte. Kurz darauf wechselte Foley munter durch: Oliveira kam, Couto ging, Helmut Frank ersetzte Edwards, später kam Christian Smith für Meira. "Frische Beine, alter Plan", grinste Foley.

Joe Pass setzte ab der 76. Minute ebenfalls auf Veränderung - allerdings etwas chaotisch. Er brachte Andre Boyer für den linken Verteidiger Noe Jorge, was die Fans mit einem kollektiven "Was?" quittierten. Kurz darauf folgte die kurioseste Szene des Abends: Torwartwechsel bei den Leones, Quentin Decaluwe für La Barre. "Ich wollte ein Signal setzen", erklärte Pass später. "Welches?", fragte ein Reporter. "Dass wir noch leben."

Kurz darauf kassierte Innenverteidiger Essi Litmanen Gelb - und wurde zwei Minuten später ausgewechselt. "Ich dachte, er wollte mich schonen", grinste Litmanen, "aber vielleicht war’s auch Selbstschutz."

Die Schlussphase wurde ein einziger Sturmlauf der Leones. Louis Arnaud schoss in der 84. Minute aus 16 Metern, Badham fischte den Ball aus dem Winkel. Fernandes probierte es in der 90. Minute noch einmal - drüber. Es passte ins Bild.

Statistisch war das Spiel ein Paradoxon: Mehr Ballbesitz, mehr Chancen, mehr Zweikämpfe - und doch keine Punkte. Die Stars dagegen spielten nüchtern, fast britisch: ein Tor, fünf Schüsse, null Schnickschnack. "Effizienz ist auch eine Kunstform", sagte Foley mit einem Zwinkern.

Während die Stars ausgelassen vor dem Gästeblock feierten, stapften die Leones bedröppelt vom Platz. Joe Pass blieb noch einen Moment am Spielfeldrand stehen, sah den jubelnden Gegnern nach und murmelte: "Manchmal ist Fußball wie ein schlechter Witz - nur lacht keiner."

Vielleicht lacht er ja am nächsten Spieltag wieder. Aber bis dahin wird er wohl den Satz hören, den man in Guadalajara nun schon zum geflügelten Wort machen kann: "Gut gespielt, aber verloren."

Und wer weiß - vielleicht war das 0:1 ja der Anfang einer legendären Aufholjagd. Oder einfach nur ein Dienstagabend, an dem Sterne heller leuchteten als Löwen brüllten.

22.09.643990 19:59
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