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55.601 Zuschauer im UniEstadio von Guadalajara sahen am Freitagabend ein Spiel, das eher an ein Schachduell mit Stollenschuhen erinnerte als an das sonst so wilde mexikanische Fußballtheater. Am Ende jubelte CD Cruz Azul über einen knappen, aber abgeklärten 2:1-Auswärtssieg gegen die offensiv bemühten, aber glücklosen Leones Negros. Schon nach neun Minuten hatte es im Strafraum der Gastgeber gebrannt. Kayahan Üzülmez, der rechte Wirbelwind der Gäste, zog nach feinem Doppelpass mit Adam Matusiak ab - und traf eiskalt zum frühen 0:1. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Üzülmez nach Abpfiff, als hätte er gerade den Ball in den Himmel von Guadalajara geschossen. "Aber ehrlich, Adam hat den Pass so perfekt serviert, ich konnte gar nicht anders." Die Leones Negros, gecoacht vom leidenschaftlichen Joe Pass, wirkten zunächst konsterniert. Statt des gefürchteten Löwenbrüllens hörte man nur das Rascheln der Notizzettel auf der Trainerbank. Pass gestikulierte, rief, schob seine Spieler nach vorn - doch Cruz Azul stand tief, sicher und mit 58 Prozent Ballbesitz erstaunlich souverän. "Wir wollten den Ball, nicht das Risiko", erklärte Gäste-Trainer Chucky Mandu später mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Ironie und Selbstlob pendelte. Die erste Halbzeit verlief dann, freundlich gesagt, taktisch. Leones Negros kamen kaum durch. Joan Almeida versuchte es zweimal (12. und 28. Minute), doch Gästekeeper Alkinoos Katranas hielt, als wäre er in Granit gemeißelt. Dazwischen gab’s zwei Gelbe Karten für die Gastgeber - Charlie Beglin und Ingo Viejo durften die Farbe der Verwarnungen genauer studieren. "Wir wollten zeigen, dass wir da sind", meinte Beglin trocken, "vielleicht waren wir ein bisschen zu sehr da." Nach dem Seitenwechsel wurde es dann endlich lebendiger. Joe Pass brachte Oliver Kenny, und der Joker stach sofort: In der 49. Minute setzte sich Kenny nach Zuspiel von Gai Spiegler auf rechts durch und schloss flach ins lange Eck ab - 1:1, das Stadion bebte. "Ich war keine Minute auf dem Platz und dachte: Wenn nicht jetzt, wann dann?", sagte Kenny später, während er noch ein Eispack auf dem Knie balancierte. Doch die Freude währte kurz. Nur elf Minuten später zeigte Cruz Azul, warum sie in dieser Saison zu den cleversten Teams der Liga zählen. Linksverteidiger Emanuele Jacurso flankte butterweich in den Strafraum, wo Andrew Hunt lauerte - und per Kopf zum 1:2 traf (60.). "Ich hab nur den Wind gerochen", witzelte Hunt. "Und der kam von Jacursos linker Klebe." Leones Negros warfen danach alles nach vorn. 41 Prozent Ballbesitz, aber gefühlt 90 Prozent Herzblut. Acht Torschüsse, doch keiner wollte mehr rein. Almeida verzog aus spitzem Winkel (52.), Boyer scheiterte per Kopf (69.), und Onderdonk prüfte Katranas in der 68. Minute mit einem Schuss, der wohl noch immer durchs Gedächtnis des Torwarts pfeift. "Wenn dieser Ball reingeht, reden wir hier über ein ganz anderes Spiel", knurrte Trainer Pass nach der Partie. "Aber so? So reden wir über Effizienz. Und die lag heute in Blau." In der Schlussphase wechselte Mandu noch einmal, nahm Torschütze Hunt raus und brachte Rene Simard, der prompt in der Nachspielzeit fast das 1:3 erzielte. Stattdessen verlegte sich Cruz Azul aufs Zeitschinden in höchster Kunstform - inklusive eines Freistoßes, der fast länger dauerte als die mexikanische Hymne. Ein paar Pfiffe begleiteten den Schlusspfiff, aber auch Applaus. Die Leones hatten gekämpft, gerannt und gebrüllt - nur das Siegen blieb ihnen verwehrt. "Wir sind keine Katzen, wir sind Löwen", rief Joe Pass in Richtung seiner Fans, die daraufhin tatsächlich noch einmal sangen. Doch selbst der lauteste Brüller konnte die nüchterne Wahrheit nicht übertönen: 1:2, verloren, und wieder einmal mit mehr Moral als Punkten. Die Statistik untermalt das Ganze: 10:8 Torschüsse für Cruz Azul, 58 Prozent Ballbesitz - ein Arbeitssieg des Pragmatismus über den Enthusiasmus. Mandu fasste es später treffend zusammen: "Manchmal ist Fußball kein Kunstwerk. Heute war er eher ein Betonrelief." Fazit des Abends? Leones Negros spielten mit Herz, Cruz Azul mit Kopf - und das Ergebnis kennt jeder Fußballgott. Vielleicht sollte Joe Pass beim nächsten Training weniger Taktiktafeln und mehr Zielwasser ausgeben. 07.10.643993 18:27 |
Sprücheklopfer
Ja, erst Eckball und dann Tor.
Oliver Kahn auf die Frage: 'Herr Kahn, wie haben Sie die Situation gesehen, als jemand, der unmittelbar dabei war?' zu Manchesters 2:1 im CL-Finale