La Razon
+++ Sportzeitung für Argentinien +++

Leech trifft, Lanus leidet - Estudiantes siegt im Chancenfestival

Ein Tor machte den Unterschied, doch es war ein Abend voller verpasster Gelegenheiten, Adrenalinschübe und leiser Verzweiflung auf argentinischem Rasen. Estudiantes La Plata bezwang am 15. Spieltag der 1. Liga Argentinien vor 57.905 Zuschauern die Gäste von UD Lanus mit 1:0 - ein Ergebnis, das nüchtern klingt, aber in Wahrheit ein ganzes Drehbuch füllt.

Schon in der ersten Minute zappelte das Netz fast - Samuel Stack, der Motor im Mittelfeld, prüfte Lanus-Keeper Dimas Beltran mit einem Distanzschuss, der die Fingerkuppen des Torwarts zum Glühen brachte. Estudiantes legte los wie ein Orkan, 19 Torschüsse am Ende sind Beweis genug, dass Roman Pilgrams Mannschaft nicht auf Ballgeschiebe aus war. "Wir haben heute alles versucht, sogar unsere Innenverteidiger wollten Tore schießen", lachte Pilgram später - und man glaubte es ihm sofort.

Lanus hingegen wirkte, als habe man auf der Anreise den Mut im Mannschaftsbus vergessen. Zwei kümmerliche Schüsse auf das Tor - und beide eher höfliche Anfragen als ernsthafte Bedrohung. Trainer Alan Harper sprach es nachher trocken aus: "Wir haben viel gelitten, aber wenigstens war der Sonnenuntergang schön." Sarkasmus hilft, wenn die Statistik gnadenlos ist.

Die erste Halbzeit verlief torlos, aber keineswegs ereignislos. Lauritz Sleeper und Luca Vandervliet schossen, James Leech lauerte - und Juanito Costa kassierte in der 42. Minute die einzig farbige Karte des Abends, eine gelbe. "Ich wollte eigentlich nur freundlich grüßen", grinste Costa nach dem Spiel. Das Schiedsrichterteam sah es etwas anders.

Zur Pause reagierte Pilgram doppelt: Costa und der junge Kimon Georgiadis blieben in der Kabine, Harald Erichsen und Valborg Henriksson kamen. Eine Entscheidung, die sich wenig später als goldrichtig erweisen sollte. Nur sechs Minuten nach Wiederanpfiff war es dann soweit: Daniele Mecca, der elegante Spielmacher mit dem linken Fuß wie ein Skalpell, bediente James Leech - und der 25-Jährige drosch den Ball in der 51. Minute unhaltbar in die Maschen. 1:0, das Stadion bebte. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Leech später und grinste, "und gehofft, dass mich der Trainer nicht wieder für meine Schusstechnik anschreit."

Lanus versuchte danach, sich aufzubäumen, aber was wie Hoffnung aussah, war nur ein Strohfeuer. Jouke Tenbrook wagte in der 64. Minute den ersten echten Abschluss für die Gäste - ein Schüsschen, das Torhüter Asbjorn Aas eher als freundlichen Rückpass behandelte. In der 85. Minute folgte noch ein Versuch von Arvid Nielsen, der den Ball so weit über die Latte drosch, dass ein Zuschauer ihn als Souvenir behalten durfte.

Estudiantes dagegen spielte weiter nach vorn, als wolle man die Statistikabteilung beschäftigen: Moritz, Sleeper, Leech und der eingewechselte 17-jährige Jacinto Varela - alle feuerten sie auf Beltrans Tor. Ein zweites Tor blieb aber aus, vielleicht weil der Fußballgott an diesem Abend Humor hatte.

Taktisch blieb Estudiantes über 90 Minuten offensiv eingestellt, mit zunehmender Pressingfreude und kurzen Pässen, während Lanus sich in einer Art Dauer-Offensive befand, die niemand bemerkte. 52,8 Prozent Ballbesitz für die Gastgeber spiegelten das Geschehen treffend wider: Estudiantes hatte den Ball, Lanus hatte Probleme.

Nach dem Schlusspfiff wirkte Trainer Pilgram zufrieden, aber nicht überschwänglich: "Ein 1:0 ist gefährlich - man denkt, man war überlegen, aber man war nur effizient genug." Sein Kollege Harper nickte müde: "Wir hatten heute einfach keine Verbindung zwischen Mittelfeld und Angriff. Vielleicht auch keinen Angriff."

Im Presseraum danach scherzte Leech mit Journalisten: "Ich wollte eigentlich ein Doppelpack schnüren, aber der Ball wollte nicht mehr. Vielleicht war er beleidigt, dass ich zu fest geschossen hab." Neben ihm saß Mecca, der Vorlagengeber, und fügte trocken hinzu: "Ich sag’s ihm seit Wochen: weniger Fitnessstudio, mehr Gefühl."

Estudiantes klettert mit diesem Sieg in der Tabelle weiter nach oben, während Lanus überlegt, ob man beim nächsten Auswärtsspiel vielleicht doch mehr als zwei Schüsse abfeuern könnte. Die Fans jedenfalls feierten ihre Mannschaft - und man darf ihnen das gönnen. Schließlich war es ein Sieg, der nicht nur durch Zahlen, sondern durch Leidenschaft glänzte.

Am Ende blieb das Flutlicht noch lange an, die Spieler klopften sich gegenseitig auf die Schultern, und irgendwo auf der Tribüne sang jemand eine alte Hymne der "Pincharratas". Roman Pilgram stand am Spielfeldrand, die Hände in den Taschen, und sagte leise zu seinem Assistenten: "Ein Tor, drei Punkte - manchmal ist Fußball ganz einfach."

Und manchmal, das zeigte dieser Abend in La Plata, reicht ein einziger Treffer, um ein ganzes Stadion glücklich zu machen.

30.06.643987 02:05
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Es ist mir völlig egal, was es wird. Hauptsache, er ist gesund.
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