Tuttosport
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Lecce verliert den Faden - Gela tanzt durch den Süden

37.240 Zuschauer im Stadio Via del Mare hatten sich auf einen heißen Fußballabend gefreut - sie bekamen ihn, nur leider aus Sicht der Gastgeber in den falschen Farben. UD Lecce unterlag am 32. Spieltag der 1. Liga Italien dem frech aufspielenden Außenseiter Gela mit 0:3 (0:1). Drei Tore, ein Platzverweis, ein ratloser Trainer und ein Gegner, der aussah, als hätte er sich heimlich vom Zauberstab des Heimcoachs "The Wizard" eine Portion Magie ausgeliehen.

Schon nach sechs Minuten war die Luft raus aus Lecsces Offensive. Pablo Tarrega, Gela-Stürmer mit der Eleganz eines Toreros, nahm einen Pass von Charlie Smith auf, drehte sich um die eigene Achse und schob den Ball so trocken ins Netz, dass selbst der Rasen kurz seufzte. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Tarrega später, "aber der Ball hat sich entschieden, selbst Karriere zu machen."

Lecce reagierte wütend, und das durchaus mit Stil. 56 Prozent Ballbesitz, ein sicheres Kurzpassspiel, drei zaghafte Torschüsse - das sah ordentlich aus, brachte aber ungefähr so viel Gefahr wie ein lauwarmer Espresso. Giorgio Alberti versuchte es in der 12. Minute mit einem Schuss auf halber Höhe, Gianmarco Leone in der 14. mit einem Fernschuss, und Franco Argentano prüfte den Gela-Keeper Willem Veeder in der 29. Minute. Danach herrschte Flaute. "Wir hatten den Ball, aber irgendwie keine Idee, was man damit so machen kann", seufzte Trainer The Wizard später und starrte ins Nirgendwo, als würde er dort den verlorenen Zauberspruch suchen.

Gela hingegen marschierte, als gäbe es kein Morgen. 16 Torschüsse, konsequente Offensive und eine Mischung aus Pressingwut und Spielfreude, die Lecce förmlich in den eigenen Strafraum drückte. Smith, Matthieu, Vazques - sie schossen aus allen Lagen. Dass Lecce zur Pause nur 0:1 hinten lag, war eher ein Wunder als das Werk des Wizards.

Nach dem Seitenwechsel versuchte Lecce, den Druck zu erhöhen - zumindest bis zur 64. Minute, als Rechtsverteidiger Andreas Laursen die Gelbe Karte sah. Neun Minuten später ließ er sich zu einem taktischen Foul hinreißen, das so unnötig war, dass selbst der Ball kurz das Weite suchte. Gelb-Rot, ab Marsch. "Ich hab nur leicht gezupft", verteidigte sich Laursen, "aber der Schiri hat wohl an meinem Trikotgeschmack Anstoß genommen."

Mit einem Mann weniger kippte das Spiel endgültig. Gela roch Blut, Coach Michael Müller schickte frische Beine - Filipe Meira kam für Staunton, später Veloso und Martins für Perlman und Malfoy. Und dann kam die 83. Minute: Innenverteidiger Tahsin Caliskan, sonst eher für rustikale Grätschen bekannt, stieg nach einem Eckball hoch und köpfte so wuchtig ein, dass Lecce-Keeper Capriotti nur noch die Mütze lüften konnte. 0:2 - und das Publikum begann, seine Sitze zu studieren.

Doch Gela war noch nicht fertig. In der Nachspielzeit setzte Julian Martins zu einem feinen Dribbling über links an, legte quer, und Charlie Smith verwandelte eiskalt zum 0:3-Endstand. Der Engländer riss die Arme hoch, grinste verschmitzt und sagte später in die Mikrofone: "Ich hab’s Tahsin versprochen - wenn er trifft, mach ich auch eins. Man hält ja Wort."

Die Statistik sprach eine klare Sprache: Lecce mehr Ballbesitz, Gela mehr Herz. 57,5 Prozent gewonnene Zweikämpfe für die Gäste, 16 zu 3 Torschüsse - das war kein Zufall, das war Überlegenheit in Reinform.

Nach dem Abpfiff stapfte Trainer The Wizard mit einem leicht ironischen "Abrakadabra, und plötzlich stand’s 0:3" in die Kabine, während Gela-Coach Müller breit grinste: "Wir haben einfach Fußball gespielt. Vielleicht ist das manchmal der beste Zaubertrick."

Und so bleibt Lecce nichts anderes übrig, als die Besen zu schwingen und die Scherben zusammenzufegen. Gela dagegen darf sich über drei Punkte, drei Torschützen und eine ordentliche Portion Selbstvertrauen freuen.

Vielleicht, so munkelten ein paar Fans beim Verlassen des Stadions, sollte The Wizard beim nächsten Mal weniger zaubern und mehr coachen. Aber wer weiß - vielleicht war das ja alles Teil eines größeren Plans. Nur: Den hat bisher keiner gesehen.

14.09.643993 16:55
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Wenn ich heute Kapitän bin und das Schiff sinkt, alle müssen helfen, dann kann doch der Koch nicht kommen und sagen: 'Ich kann nur die Bratpfanne halten.'
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