Elfmeter
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Last-Minute-Wahnsinn in Erndtebrück - Benz trifft in der Nachspielzeit

Manchmal schreibt der Fußball Geschichten, die selbst ein Drehbuchautor mit Kaffeefleck auf dem Hemd kaum besser hinbekäme. Freitagabend, Flutlicht, 2542 frierende, aber hartnäckig hoffnungsvolle Zuschauer im Erndtebrücker Pulverwaldstadion - und ein Spiel, das bis zur 93. Minute so aussah, als würde es in Schönheit 0:0 enden. Doch dann kam Kurt Benz. 19 Jahre jung, rechts außen so flink wie ein Gedanke, der kein Ziel hat - und plötzlich der Held eines ganzen Dorfes.

TuS Erndtebrück gewann das Spiel gegen Sindelfingen mit 1:0 (0:0). Das klingt nüchtern, war aber alles andere als das. Der Treffer fiel in der 93. Minute, als die meisten schon gedanklich beim warmen Kakao waren. Luca Barthez, der quirlige Mittelfeldmotor, spielte den Ball mit einem feinen Steilpass in den Lauf von Benz - und der drosch das Leder mit jugendlicher Unbekümmertheit ins Netz. Torwart Oskar Baier von Sindelfingen streckte sich, aber es half nichts. Ein Raunen, dann ein kollektives Aufbrüllen - Erndtebrück atmete Ekstase.

"Ich hab einfach draufgehauen", grinste Benz später in der Mixed Zone, noch halb ungläubig. "Luca meinte vorher, ich soll mal nicht immer über den Ball stolpern - diesmal hab ich’s ihm gezeigt." Trainer Sigurd Stuhl, sonst ein eher wortkarger Mann, ließ sich zu einem Scherz hinreißen: "Ich wollte ihn eigentlich schon auswechseln. Zum Glück hab ich’s nicht getan - sonst müsste ich jetzt den Bus selbst tanken."

Dabei hatte Erndtebrück das Spiel über weite Strecken im Griff. 56 Prozent Ballbesitz, 13 Torschüsse - aber eben kein Tor, bis in die letzten Sekunden. Schon in den ersten Minuten prüfte Benz mehrfach den Sindelfinger Keeper, in der 5., 7., 10. und 19. Minute. Doch Baier zeigte, warum man ihn in Sindelfingen "die Wand" nennt. "Wenn der noch eine Latte höher springt, hängt er in der Flutlichtanlage", raunte ein Zuschauer begeistert.

Sindelfingen selbst versuchte, aus der kompakten Defensive heraus zu kontern, angeführt vom 35-jährigen Karol Wojcicki, der zwar die Erfahrung eines halben Lebens mitbrachte, aber auch die Sprintwerte eines Sonntagsausflugs. Dennoch: drei gefährliche Abschlüsse (9., 41., 63.), die Heimtorwart Felipe Villar ordentlich beschäftigten. In der 80. Minute kam Wojcicki noch einmal zum Schuss, kurz bevor er wegen eines Frustfouls Gelb sah - vermutlich mehr aus Langeweile denn aus Bosheit.

Ein Wermutstropfen für die Gastgeber: Innenverteidiger Ruslan Kowaltschuk musste kurz vor der Pause verletzt raus. "Er hat sich beim Klären selbst umgegrätscht", flachste Mitspieler Marc Marchand, "aber Karl Gerlach hat’s solide gemacht - wie ein Möbelstück aus Eiche."

Die zweite Halbzeit wurde zunehmend zum Geduldsspiel. Trainer Stuhl brachte Pedro Andrade für Daniel Erdmann und später Xavi Sorribas für Guillermo Carreras - frischer Wind, aber kein Volltreffer. Erst als die Nachspielzeit lief, die Zuschauer schon auf die Uhr schielten, kam der Moment, der alles veränderte.

Nach dem Spiel zeigte sich Sindelfingens Trainer (dessen Name dem Protokoll entgangen ist) gefasst, aber sichtlich bedient: "Wir haben gut verteidigt, aber Fußball ist kein Schönheitswettbewerb. Am Ende zählen Tore - und davon hatten wir keins." Wojcicki ergänzte mit einem müden Lächeln: "Ich bin 35, ich brauch keine Verlängerung mehr. 93 Minuten reichen."

Statistisch gesehen war der Sieg verdient. Erndtebrück mit mehr Schüssen, mehr Ballbesitz, mehr Mut. Sindelfingen mit weniger allem. Beide Teams spielten taktisch "ausgewogen", was in diesem Fall bedeutete: keiner wollte zu viel riskieren, bis eben dieser eine Moment kam.

Als sich die Fans auf den Heimweg machten, waren die Gesichter rot vor Kälte, aber noch röter vor Freude. Einer fasste es am Bierstand so zusammen: "Das war nix für schwache Nerven - aber besser als jeder Valentinstag."

Und irgendwo in der Kabine saß Kurt Benz, noch immer mit Grasflecken auf den Stutzen, und grinste in die Leere. "Erstes Saisontor, 93. Minute, Heimsieg - das kann man schon mal so machen."

Vielleicht war es kein großes Spiel. Aber es war ein großes Ende. Und die haben in Erndtebrück bekanntlich Tradition.

18.08.643990 23:52
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