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Last-Minute-Wahnsinn in Chorzow: Torsten Kraft schreibt Geschichte

Wenn 43.500 Zuschauer gleichzeitig aufspringen, dann weiß man: In Chorzow ist gerade etwas Unglaubliches passiert. Rush Chorzow drehte am Dienstagabend in der Champions League ein schon verloren geglaubtes Spiel gegen Santa Eulalia - und das mit einer Portion Drama, die selbst Netflix neidisch machen würde. 2:1 hieß es am Ende für die Hausherren, die dank Doppeltorschütze Torsten Kraft das Stadion in ein Tollhaus verwandelten.

Dabei hatte es lange nicht so ausgesehen, als würde die Offensive von Trainer Herth Ussia den Weg durch die spanische Betonmauer finden. Santa Eulalia - vom stets gestenreichen Dede Dedede betreut - kam mit klarer Marschroute: tief stehen, kontern, und wenn’s sein muss, foulen. Dass der Plan funktionierte, bewies die 26. Minute: Javi Galan, der quirlige Mittelfeldmotor, zog nach Pass von Joseba Aznar ab - und der Ball schlug unhaltbar im linken Eck ein. 1:0 für die Gäste, und im Stadion machte sich dieses unangenehme Geräusch des ungläubigen Raunens breit.

"Wir waren in der ersten Halbzeit zu brav", knurrte Ussia später. "Santa Eulalia hat uns den Spaß am Kombinieren genommen - und das lasse ich mir persönlich nicht bieten." Es war die Art von Wut, die man bei ihm selten sieht, aber offenbar ansteckend wirkte: Denn nach der Pause brannte Rush Chorzow ein Offensivfeuerwerk ab.

Statistisch war der Unterschied da schon sichtbar. 13 Torschüsse zu 8, 47 Prozent Ballbesitz, aber mehr gewonnene Zweikämpfe - Chorzow kämpfte sich zurück, während die Spanier zunehmend auf Zeit spielten. Als Torsten Kraft in der 69. Minute für Leandro Couto eingewechselt wurde, raunte ein älterer Herr auf der Tribüne: "Wenn der Kraft jetzt nicht trifft, dann weiß ich auch nicht." Er sollte doppelt recht behalten.

Denn in der 83. Minute kam die Erlösung. Adrian Dreszer behauptete den Ball im Strafraum, legte quer - und Kraft drosch das Leder humorlos ins Netz. 1:1, und plötzlich vibrierte die Arena wie ein überdimensioniertes Schlagzeug. "Ich dachte, der Pfosten springt mit", lachte Kraft später, während er sich noch den Schweiß von der Stirn wischte.

Santa Eulalia hingegen verlor die Nerven. Erst sah Tomas Zabavnik Gelb, dann Alexander Penksa - und Trainer Dedede schimpfte an der Seitenlinie wie ein Vulkan kurz vor Ausbruch. "Das war kein Fußball mehr, das war Chaos", wetterte er nach Abpfiff. "Wir hatten das Spiel in der Hand, und dann… puff!"

Doch das "puff" war eher ein "peng" - nämlich der Schlusspunkt. 94. Minute, die Uhr tickt, und Chorzow wirft alles nach vorne. Dawid Gorawski, bis dahin eher unauffällig, hebt den Kopf, spielt einen butterweichen Pass auf - natürlich - Torsten Kraft. Der nimmt den Ball mit der Brust an, zieht ab, Tor. 2:1. Die pure Ekstase. Selbst im Presseraum brach kurz Applaus aus, was normalerweise streng verboten ist.

"Ich hab einfach draufgehalten", grinste Kraft. "Wenn man so spät trifft, denkt man nicht mehr - man hofft nur, dass die Latte sich duckt." Trainer Ussia fiel ihm danach in die Arme, der Rest der Mannschaft bildete spontan einen Freudentanz, irgendwo zwischen Samba und Polka.

Santa Eulalia dagegen schlich vom Platz, während ihr Ersatztorwart Diego Simao - in der 75. Minute eingewechselt - ungläubig den Ball aus dem Netz fischte. "Wir haben zu tief gestanden", murmelte Kapitän Javi Galan. "Und Kraft war einfach… na ja, zu kraftvoll."

Was bleibt, ist ein Abend, der in Chorzow wohl noch lange erzählt wird. Einer dieser Abende, an denen man sich erinnert, wo man saß, als der Ball in der 94. Minute einschlug. Die Fans sangen, die Spieler tanzten, und Trainer Ussia verschwand kurz in der Kabine - angeblich, um die Emotionen zu ordnen. Als er zurückkam, sagte er nur: "Ich hab’s gewusst. Irgendwann platzt der Knoten."

Und wie er platzte. Rush Chorzow ist damit wieder voll im Rennen um den Gruppensieg, Santa Eulalia hingegen muss sich fragen, wie man ein fast perfektes Defensivspiel so spektakulär verlieren kann.

Fazit dieses Abends: Fußball ist manchmal grausam - und genau deshalb so schön.

12.02.643994 02:26
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