// Startseite
| Gazeta Sportowy |
| +++ Sportzeitung für Polen +++ |
|
|
|
Es war ein kalter Märzmorgen in Posen, das Flutlicht flimmerte, die 20.907 Zuschauer stampften mit den Füßen, um sich warm zu halten - und ahnten nicht, dass sie Zeugen eines Fußballabends werden würden, der zwischen Genie und Wahnsinn pendelte. Am 9. Spieltag der 1. Liga Polen trennten sich Lesh Posen und BKS Gdansk mit 1:1. Ein Ergebnis, das sich nüchtern liest, aber auf dem Rasen alles andere als nüchtern zustande kam. Lesh Posen begann selbstbewusst, fast übermütig. Trainer Tomasz Wojciechowski hatte seine Mannschaft offensiv eingestellt, das Mittelfeld spielte kurz und präzise, als wolle man einen Lehrfilm über Ballzirkulation drehen. In der 27. Minute zahlte sich das aus: Giovanni Brambilla, der 29-jährige Spielmacher, zog nach feinem Zuspiel des 17-jährigen Jesus Corona aus der zweiten Reihe ab. Der Ball schlug unten rechts ein, Gdansks Keeper Jerzy Bak streckte sich vergeblich. 1:0, das Stadion tobte. Brambilla riss die Arme hoch, Corona grinste schüchtern - und Trainer Wojciechowski murmelte später: "Da dachte ich, heute wird’s ein ruhiger Abend." Doch ruhig wurde es nicht. Denn während Lesh nachlegte - zumindest gedanklich -, begann Gdansk, den Druck zu erhöhen. Schon vor der Pause feuerten sie aus allen Lagen, und das blieb auch so. 21 Torschüsse insgesamt - eine ganze Batterie von Versuchen, die meisten von einem 17-jährigen, der an diesem Abend zum Helden werden sollte: Jacek Nowak. Der Teenager aus Gdansk schoss in der ersten Halbzeit dreimal gefährlich aufs Tor, in der zweiten dann gefühlt jede Minute. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", witzelte Lesh-Torhüter Carlos Peretz nach dem Spiel. "Aber ich glaube, ich hab mehr Paraden gemacht als in der ganzen letzten Saison." Mit Händen, Füßen und - ja, einmal auch mit dem Rücken - hielt Peretz, was zu halten war. Die Fans feierten ihn schon als sicheren Matchwinner, als die Uhr in die Nachspielzeit sprang. Dann kam Minute 92. Ein letzter Angriff, Gdansk warf alles nach vorn. Patryk Juskowiak, gerade erst eingewechselt, setzte sich im Mittelfeld durch und schickte Nowak mit einem Steilpass in die Gasse. Der 17-Jährige blieb cool, schob den Ball an Peretz vorbei ins lange Eck. 1:1. Jubel bei Gdansk, Fassungslosigkeit in Posen. "Ich dachte, der Schiri pfeift gleich ab", stöhnte Wojciechowski. "Und dann dieser Schuss. Der war einfach zu gut." Gdansk-Trainer Mike Matt grinste nur und sagte trocken: "Wir schießen halt, bis der Arzt kommt. Und manchmal trifft man dann auch." Das war kein leeres Gerede. Seine Mannschaft hatte nicht nur mehr Ballbesitz (53 Prozent), sondern auch eine beeindruckende Zweikampfquote von 57 Prozent. Der Preis für diese Aggressivität: vier Gelbe Karten in einer halben Stunde (Ferruh Akin, Lukas Hawrylewicz, Beniamin Szamotulski und Dennis Blaszczykowski). "Die Jungs wollten zeigen, dass sie keine Angst haben", meinte Matt lachend. "Manchmal vielleicht ein bisschen zu sehr." Lesh hingegen verlor nach Brambillas Verletzung in der 76. Minute sichtbar die Kontrolle. Ersatzmann Jay Hoskins kam für den Mittelfeldmotor, aber die Ordnung ging flöten. Corona und Rafael Leao versuchten, über die Flügel Entlastung zu schaffen, doch Gdansk drückte mit aller Macht. Im Stadion hörte man die Fans schon nach Abpfiff seufzen: "Das war doch klar." Und doch: So richtig unzufrieden war keiner. "Ein Punkt ist besser als keiner", sagte Wojciechowski, "aber gefühlt haben wir zwei verloren." Brambilla, mit bandagiertem Knöchel, winkte aus der Kabine und rief den Reportern zu: "Ich treffe lieber, als dass ich Interviews gebe." Gdansk feierte den Ausgleich wie einen Sieg, und vielleicht war er das auch. Der jüngste Spieler auf dem Platz hatte den Unterschied gemacht. "Ich hab einfach den Ball gesehen und geschossen", erzählte Nowak mit breitem Grinsen. "Coach hat gesagt: ’Lauf, Jacek, lauf!’ - also bin ich gelaufen." So endete ein Spiel, das taktisch einseitig und emotional ein Feuerwerk war. Lesh Posen mit feiner Technik und 46 Prozent Ballbesitz, BKS Gdansk mit Pressing, Biss und jugendlichem Übermut. Am Ende stand ein 1:1, das keiner so richtig wollte, aber beide verdient hatten. Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen meinte: "Die einen können Fußball spielen, die anderen machen Tore - unentschieden also." Und das, liebe Leser, ist wohl die ehrlichste Zusammenfassung dieses Abends in Posen. 12.02.643994 02:40 |
Sprücheklopfer
Dazu müsste erst einmal ein Bundestrainer zum Betzenberg kommen. Der Letzte war meines Wissens Sepp Herberger.
Mario Basler über ein mögliches Comeback in der Nationalmannschaft