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Am 26. Spieltag der spanischen Segunda División erlebten die 16.000 Zuschauer im Estadio Municipal de Málaga ein kleines Drama in drei Akten - mit einem Schluss, den keiner so recht glauben wollte. Am Ende stand ein 2:2 zwischen dem FC Malagueño und Atletic Barcelona, das sich für die Gastgeber wie eine Niederlage anfühlte und für die Gäste wie ein kleiner Raubzug unter Flutlicht. Kaum hatte Schiedsrichter Ortega die Partie um 20:30 Uhr angepfiffen, da brannte es schon im Strafraum der Katalanen. Der 18-jährige Xavi Fontàs - offenbar mit Espresso statt Blut in den Adern - brauchte nur vier Minuten, um nach feiner Vorarbeit von Raffaello Villa das 1:0 zu erzielen. "Ich hab einfach den Ball gesehen und gedacht: warum nicht?", grinste Fontàs später, noch halb ungläubig über sein frühes Glück. Doch Atletic Barcelona, trainiert von dem unerschütterlich ironischen Al Bundy, brauchte nicht lange, um zu antworten. In der 11. Minute schickte Martin Flores mit einem feinen Steilpass seinen Sturmkollegen Guillermo Minambres in Szene. Der 18-Jährige blieb eiskalt und schob zum 1:1 ein. "Wir haben gesagt, wir spielen unser Spiel - und das war’s", erklärte Bundy trocken. "Natürlich war das nicht unser Plan, gleich wieder zurückzuliegen. Aber immerhin hatten wir dann etwas, worüber ich in der Halbzeit meckern konnte." Malagueño ließ sich vom Ausgleich nicht beirren. Im Gegenteil: Die Hausherren kontrollierten das Spiel mit 54 Prozent Ballbesitz, schnürten Barcelona phasenweise in deren Hälfte ein und feuerten stolze 22 Torschüsse ab - doppelt so viele wie der Gegner. Besonders auffällig: der 17-jährige Albert Varela, der mit jugendlicher Unbekümmertheit das Mittelfeld beherrschte. In der 40. Minute belohnte er sich selbst: Nach einer energischen Vorarbeit von Jose Enrique Gallardo donnerte Varela den Ball aus 20 Metern in den Winkel - 2:1. Das Stadion tobte. Trainerteam, Ersatzbank, Balljungen - alle standen. Nur einer blieb sitzen: Barcelonas Coach Bundy, der sich demonstrativ einen Kaugummi in den Mund schob. Kurz vor der Pause sah Jamie Demers von Malagueño noch Gelb, nachdem er offenbar vergessen hatte, dass Trikotziehen in Spanien keine olympische Disziplin ist. "Ich wollte ihn nur kurz halten", verteidigte er sich später mit einem Grinsen. Die zweite Halbzeit begann, wie die erste geendet hatte: Malagueño drückte, spielte, kombinierte - aber traf nicht mehr. Xavi Fontàs wirbelte, Gallardo prüfte Torhüter Niels Nolte mehrfach, doch der Routinier im Barça-Tor zeigte, warum Erfahrung manchmal besser ist als Jugend. "Ich hab’ die Jungs einfach machen lassen", sagte Nolte. "Die schießen ja gern, aber nicht immer aufs Tor." Atletic Barcelona blieb lange harmlos, schoss kaum gefährlich aufs Tor. Doch wer alte Fußballweisheiten kennt, weiß: Wenn du vorne die Dinger nicht machst, bekommst du hinten irgendwann die Quittung. Und so kam’s. In der 93. Minute, als die Zuschauer schon ihre Autoschlüssel zückten, schlug Martin Flores zu. Nach einem Pass des unermüdlichen Diego Mascarenhas tunnelte der 18-Jährige den Keeper Tyler Gage und traf zum 2:2 - der Schockmoment des Abends. Sekunden später war Schluss. "Das fühlt sich an wie ein Schlag in die Magengrube", seufzte Malagueños Trainer (der sich, laut Zeugenaussagen, lieber nicht äußern wollte). "Wir haben das Spiel kontrolliert und am Ende zwei Punkte verschenkt." Auf der anderen Seite grinste Al Bundy in die Kameras: "Ich liebe Fußball. Man kann 93 Minuten schlecht spielen und trotzdem der Held sein. Das ist doch schön!" Statistisch gesehen war Malagueño das klar bessere Team - mehr Ballbesitz, mehr Torschüsse, bessere Zweikampfquote. Doch das hilft wenig, wenn der Fußballgott seine eigene Dramaturgie schreibt. Lucas Jansen sah in der 90. Minute noch Gelb, wohl aus Frust über die Zeitspielversuche der Gäste. Ironischerweise brachte das Malagueño noch aus dem Tritt, just bevor Flores das 2:2 markierte. Als die Flutlichter erloschen, blieb von diesem Abend vor allem ein Gefühl: bitterer Beigeschmack statt süßer Sieg. Die jungen Wilden des FC Malagueño hatten alles gegeben - aber Atletic Barcelona hatte das letzte Wort. Oder, wie es ein enttäuschter Fan beim Hinausgehen murmelte: "Schön gespielt, aber Fußball ist halt kein Schönheitswettbewerb." Ein Satz, den Trainer Bundy vermutlich sofort rahmen lassen würde. 16.11.643987 00:30 |
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Rainer Calmund