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Es war einer dieser Abende an der Anfield Road, an denen man spürt, dass Fußball manchmal einfach Geduld verlangt - und ein wenig italienisches Temperament. 39.898 Zuschauer sahen ein 1:0 (0:0) der Liverpool Reds über die Manchester Blues, das erst in der 89. Minute entschieden wurde. Alessandro Marcedusa, der bis dahin eher unauffällige Linksaußen, wurde zum Helden wider Willen - oder, wie er später lachend meinte: "Ich wollte eigentlich nur flanken, aber vielleicht hat der Ball einfach einen besseren Plan gehabt." Trainer Kurt Kaiser hatte vor dem Spiel angekündigt, "offensiv, aber nicht leichtsinnig" auftreten zu wollen. Seine Spieler hielten sich an die Anweisung - zumindest an den ersten Teil. Von Beginn an rollte Welle um Welle auf das Tor der Blues zu. Schon in der ersten Minute prüfte Rechtsverteidiger Janos Zele den Gästekeeper Bernt Schaller mit einem wuchtigen Schuss. Danach war es ein einziges Belagerungsspiel: 21 Torschüsse für die Reds, ganze drei für Manchester. Und trotzdem stand es lange 0:0 - eine dieser Partien, bei denen man langsam das Gefühl bekommt, die Tore seien nur Dekoration. "Ich dachte irgendwann, wir könnten bis morgen spielen, ohne dass einer reingeht", gab Stürmer Lucas Ward nach dem Spiel zu. Der 21-Jährige hatte allein fünf gute Chancen - einmal klatschte der Ball an den Pfosten, ein anderes Mal hielt Schaller spektakulär. Ward schüttelte nach Abpfiff nur den Kopf: "Ich hätte wohl den rechten Schuh nehmen sollen." Die Blues hingegen wirkten, als hätten sie den Ballbesitz (50,5 Prozent) für den wichtigsten Statistikwert des Abends gehalten. Trainer Daniel Kontsch ließ offensiv beginnen, doch sein Team wirkte wie ein Motor, der nie richtig anspringt. Nach vorne ging fast nichts, und wenn doch, war spätestens bei Liverpools Innenverteidiger Henry Badham Schluss, der mit rustikaler Klarheit verteidigte. Einmal rauschte er so kompromisslos in einen Zweikampf, dass der Ball fast im Oberrang landete - und die Fans jubelten, als hätte er getroffen. In der zweiten Halbzeit wurde das Spiel ruppiger. Leon Ross sah in der 85. Minute Gelb, nachdem er Jamie Anderson energisch, um nicht zu sagen liebevoll, auf den Rasen gedrückt hatte. "Ich wollte nur den Ball", beteuerte Ross später, "aber der Ball wollte offensichtlich Jamie." Liverpool drängte, Manchester betete. Und als das Spiel schon auf ein torloses Remis zusteuerte, kam der Moment für Marcedusa. In der 89. Minute setzte Linksverteidiger Pedro Meireles zu einem energischen Lauf an, flankte halbhoch in den Strafraum - und Marcedusa nahm den Ball volley aus der Luft. Schallers Handschuh war noch dran, aber das Netz zappelte trotzdem. 1:0! Das Stadion explodierte, und Trainer Kaiser sprang mit einem Satz in die Coaching-Zone, als wolle er gleich selbst eingewechselt werden. "Ich habe Pedro gesagt, er soll mutiger werden", grinste der Coach später, "aber dass er gleich den Assist des Jahres spielt, damit habe ich nicht gerechnet." Die letzten Minuten überstanden die Reds mit Pressing und Herzklopfen. Marcedusa hätte sogar noch erhöhen können, doch diesmal landete sein Schuss in der Kurve. Egal - das Tor hatte gereicht. Nach Abpfiff lagen sich die Spieler in den Armen, während Kaiser mit einem tiefen Seufzen Richtung Himmel blickte: "Wir haben’s uns wieder unnötig spannend gemacht. Aber wenigstens wird’s nie langweilig." Manchester-Trainer Kontsch zeigte sich gefasst: "Wir hatten zu wenig Mut, zu wenig Zug. Vielleicht auch zu viel Respekt. Aber wenigstens haben wir schön gepasst." Ein Satz, der als ironisches Fazit für den Auftritt seiner Blues durchgehen könnte. Statistisch gesehen war Liverpool in fast allen Belangen überlegen - mehr Schüsse, bessere Zweikampfquote (57,8 Prozent) und am Ende auch das entscheidende Tor. Und doch bleibt der Eindruck, dass hier weniger Taktik als purer Wille den Sieg brachte. "Das war kein Fußball für Feingeister", meinte Mittelfeldmann Ioan Mutu, "aber manchmal reicht ein einziger Moment, um die ganze Woche gut zu machen." So endete ein Spiel, das für 88 Minuten nach Nullnummer roch und dann plötzlich nach Ekstase schmeckte. Liverpool bleibt mit diesem Sieg oben dran - und die Blues? Die fahren mit einem Koffer voller Ballbesitz, aber ohne Punkte nach Hause. Oder wie ein Fan beim Hinausgehen seufzte: "Manchmal ist Fußball wie das Leben - du kannst alles richtig machen und trotzdem verlieren. Außer du bist Marcedusa." 23.10.643987 21:52 |
Sprücheklopfer
Schiri, pfeif ab. I mog nimmer.
Paul Breitner nach 30 Minuten in einem Europacupspiel beim Stand von 3:0 gegen die Bayern: