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Ein nasskalter Dienstagabend im Februar, 5000 Zuschauer im "Catdome" - und am Ende ein 2:2, das keiner so recht einordnen konnte. Die Sunderland Cats und die West Hammers lieferten sich am 33. Spieltag der 3. Liga England (2. Div) eine Partie, die zwischen Slapstick, Leidenschaft und spät erlöster Euphorie pendelte. Die Cats begannen forsch, mit 55 Prozent Ballbesitz und sichtbarer Spielfreude - vielleicht auch, weil Trainer und Katzenflüsterer Graham Hensley (der laut Vereinsangaben "aus Krankheitsgründen" durch Co-Trainer Patrick Muir vertreten wurde) vor dem Spiel "mehr Biss im letzten Drittel" gefordert hatte. Und tatsächlich: Bereits in der 14. Minute biss Max Wenzel zu. Nach feiner Vorarbeit von Louis Mohr zirkelte der 34-Jährige den Ball ins lange Eck - ein Tor, wie man es in Sunderland zuletzt in VHS-Qualität gesehen hatte. "Ich hab den Ball einfach perfekt getroffen", schnurrte Wenzel später mit einem Grinsen. "So was passiert mir sonst nur im Training, wenn keiner zuschaut." Doch wer dachte, die Cats würden den Hammers den Abend versalzen, irrte gewaltig. Die Gäste aus West London - unter der lauten Leitung von Coach Toni Mückfeld, dessen Stimme man bis in die Pressetribüne hörte - antworteten mit zwei Treffern, die an Effizienz kaum zu überbieten waren. Zunächst war es Gabriel Gage (24.), der nach einem Steilpass von Toto Pines-Paz eiskalt vollendete. Acht Minuten später legte Innenverteidiger Lewis Ross nach - ja, Innenverteidiger! - nach einem Eckball, den Gage clever verlängerte. "Ich hab einfach da gestanden, wo der Ball runterkam", sagte Ross nach dem Spiel bescheiden. "Das war kein Zufall - das war Physik." Mit 2:1 für die Hammers ging es in die Pause, und von den Cats war bis dahin wenig zu sehen außer viel Ballbesitz und einigen verheißungsvollen, aber folgenlosen Schüssen (7 insgesamt). "Wir spielen schön, aber die anderen machen die Tore", murmelte ein älterer Fan auf der Tribüne in seinen Tee. Nach der Pause wogte das Spiel hin und her - Sunderland suchte verzweifelt den Ausgleich, West Hammers lauerte auf Konter. Gage und Ross blieben gefährlich, während Cats-Keeper Callum Devaney zweimal glänzend parierte. In Minute 84 versuchte sich Innenverteidiger Max Roades mit einem Kopfball, doch Hammers-Torhüter Jay Patton, gerade einmal 19 Jahre alt, pflückte den Ball aus dem Winkel wie ein erfahrener Profi. Dann kam die Nachspielzeit - und mit ihr die Dramatik, die nur der Fußball liefert, wenn man schon glaubt, alles sei entschieden. In der 90. Minute flankte Linksverteidiger Jasper Deroeck noch einmal verzweifelt in den Strafraum. Der Ball segelte über Freund und Feind hinweg, und Xavier Ze Castro, ebenfalls schon 33, nahm ihn volley. Der Ball knallte an die Unterkante der Latte, sprang hinter die Linie - 2:2! Das Stadion explodierte. Ze Castro riss die Arme hoch, Muir an der Seitenlinie jubelte, als hätte er gerade den Aufstieg klargemacht. "Ich wusste, dass Jasper flanken kann", grinste Ze Castro später. "Aber dass er das ausgerechnet da macht, war göttliche Eingebung." Für die West Hammers wurde der Abend noch bitterer: In der 94. Minute sah Samuel Linney erst Gelb, dann Gelb-Rot - ein doppeltes Geschenkband um einen sicher geglaubten Sieg. Trainer Mückfeld schüttelte danach nur den Kopf: "Wir haben zweimal geführt, müssen das Ding nach Hause bringen. Stattdessen verlieren wir am Ende einen Spieler und zwei Punkte. Das ist wie ein Sandwich ohne Brot." Statistisch betrachtet war’s ein Duell auf Augenhöhe mit leichtem Vorteil für die Cats: 55 Prozent Ballbesitz, 7:9 Schüsse aufs Tor, viele Pässe, wenig Klarheit. Die Hammers spielten offensiv, aber mit angezogener Handbremse - kein Pressing, dafür Nerven wie Stahl bis zur 90. Minute. Unterm Strich bleibt ein Remis, das beiden Teams ein bisschen hilft und keinem wirklich nützt. Sunderland zeigte Moral, West Hammers Effizienz - und das Publikum bekam einen Abend, über den es noch beim Frühstück reden wird. Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen sagte: "Wenn wir schon nicht gewinnen, dann wenigstens dramatisch unentschieden." Ein typisch englisches Drittligaspiel also - mit allem, was dazugehört: Regen, Chaos, Leidenschaft und einem Hauch von Katzenjammer. 13.04.643990 22:56 |
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