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Ein eisiger Januarabend, Flutlicht über Bystrc, und 27.388 Zuschauer, die sich fragten, ob ihr FC Bystrc-Kninicky an diesem 13. Spieltag der 1. Liga Tschechien mehr als warme Luft produzieren würde. Am Ende gab es tatsächlich Feuer - zumindest in der Nachspielzeit. 2:2 hieß es schließlich gegen SK Opava, ein Ergebnis, das sich wie ein Sieg anfühlte und doch keiner war. Die Partie begann furios: Schon in der 12. Minute zeigte der junge Karel Dostalek, warum man ihn "den Wirbelwind von Brünn" nennt. Nach einem feinen Zuspiel von Linksverteidiger Filippos Mitroglou drosch er den Ball unhaltbar ins rechte Eck - 1:0. Trainer Carsten Achenbach riss die Arme hoch, als wolle er gleich den Mond begrüßen. "In dem Moment dachte ich: Das läuft heute von allein", grinste er später - eine Fehleinschätzung, wie sich herausstellen sollte. Denn Opava antwortete schnell. Nur sieben Minuten später zirkelte Lionel Bischoff, 33 und mit der Erfahrung eines halben Lebens auf dem rechten Flügel, einen Schuss ins lange Eck. Der Ball küsste die Latte und sprang ins Tor. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Bischoff danach trocken. "Wenn man so alt ist wie ich, hat man keine Zeit mehr für Umwege." Bystrc wankte, und Opava witterte Morgenluft. In der 32. Minute war es Luke Cascarino, der nach Pass von Bradley Barrymore (nein, kein Hollywood-Verwandter) zur Führung traf. Die Defensive der Hausherren stand in diesem Moment so offen wie ein Sonntagsmarkt. "Da standen wir rum wie Touristen in Prag - alle gucken, keiner bewegt sich", knurrte Achenbach in der Pause. Noch vor der Halbzeit musste Opava allerdings einen Dämpfer hinnehmen: Samuel Yeates verletzte sich ohne Fremdeinwirkung und wurde durch Aaron Townsend ersetzt. "Ich hab nur einen Ziehen gespürt und dann war’s vorbei", murmelte Yeates später, während er mit Eisbeutel am Oberschenkel in die Kabine humpelte. In der zweiten Halbzeit spielte fast nur noch Bystrc. 16 Torschüsse insgesamt, 54 Prozent Ballbesitz, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe - die Statistiken sprachen eine klare Sprache, das Ergebnis aber lange nicht. Rolando Maiera versuchte es aus allen Lagen, Dostalek scheiterte mehrfach am glänzend aufgelegten Torwart Radek Hable, und Rechtsverteidiger Benjamin Marley sah Gelb, als er aus Frust einen Gegenspieler ummähte, "weil der Ball einfach nicht hören wollte", wie er später lachend meinte. Achenbach reagierte, brachte zur Pause Adam Davonport für Maiera und den jungen Rafael Götz für den schwankenden Jarolim. Das Spiel kippte - zumindest optisch. Opava verteidigte mit allem, was Beine hatte, und der sonst so zurückhaltende Trainer wirkte plötzlich wie ein Dirigent im Dauerstress. "Ich hab irgendwann vergessen, wer auf welcher Position spielt", gab er später zu. Dann die Nachspielzeit. Minute 93: Gianmarco Morabito zieht aus 20 Metern ab, Hable wehrt grandios ab. Die Fans stöhnen, einige drehen schon ab Richtung Ausgang. Minute 94: Wieder Morabito, diesmal ein flacher Pass in den Strafraum, und Davonport rauscht heran wie ein verspäteter Zug - 2:2! Das Stadion explodiert. "Ich hab einfach gehofft, dass der Ball mich findet", grinste Davonport mit Grasflecken im Gesicht. "Hat er." Während die Zuschauer jubelten, stand Opavas Trainer im regengetränkten Mantel regungslos an der Seitenlinie. "Das war nicht unverdient, aber es tut weh", meinte er später knapp. Seine Jungs hatten aus vier Torschüssen zwei Treffer gemacht - Effizienz pur, aber eben nicht genug für drei Punkte. Bystrc dagegen feierte das Remis wie einen Sieg. "Unsere Moral war heute überragend", sagte Achenbach. "Wenn wir so weitermachen, holen wir irgendwann auch mal alle Punkte, die wir verdienen." Und man muss ihm wohl zustimmen: Wer ein Spiel so spät noch dreht, hat Charakter. Die Fans sangen, als wäre der Abstieg schon abgewendet, und irgendwo in der Kabine soll ein Spieler gerufen haben: "Wenn wir jedes Mal so spielen, brauchen wir kein Fitnessstudio mehr!" Ein 2:2 also, das keiner so richtig wollte, aber beide verdient haben. Opava clever, Bystrc leidenschaftlich - und die Zuschauer um ein paar Herzschläge ärmer. Fußball kann grausam sein, aber manchmal ist er einfach nur schön - besonders, wenn der letzte Schuss endlich drin ist. 07.06.643987 00:30 |
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Die Breite an der Spitze ist dichter geworden.
Berti Vogts