Marca
+++ Sportzeitung für Spanien +++

Lanzarotes Feuerwerk - und doch brennt am Ende Leon heller

Ein lauer Abend auf der Kanareninsel, 35.247 Zuschauer, ein volles Stadion, ein Meer aus roten Fahnen - und ein Spiel, das den Begriff "Abwehrarbeit" eher als Empfehlung denn als Verpflichtung verstand. Lanzarote CF verlor am 5. Spieltag der 1. Liga Spanien gegen CD Leon mit 2:3 (2:2), obwohl sie mehr Ballbesitz (54 Prozent) und fast doppelt so viele Torschüsse (13:6) verbuchten. Trainer Meister Leverkusen stand nach dem Abpfiff mit verschränkten Armen an der Seitenlinie und murmelte: "Wir haben das Spiel kontrolliert - nur dummerweise nicht das Ergebnis."

Dabei fing alles so schwungvoll an. Lanzarote drückte, presste nicht, aber spielte, als wäre jeder Pass ein Versprechen. Ignacio Mendivil sammelte früh eine Gelbe Karte - "Das war taktisch", grinste er später, "ich wollte zeigen, dass wir da sind." Doch kaum hatten die Gastgeber sich in Sicherheit gewiegt, schlug Leon eiskalt zu. In der 21. Minute setzte Matias Mourino nach einer butterweichen Vorlage von Bruno Simao den Ball ins Netz - 0:1. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Mourino hinterher lachend zu, "aber dann war der Ball plötzlich drin. Manchmal hat man halt Glück - oder schlechte Absichten."

Lanzarote schüttelte sich nur kurz. Pierre Bisson, der 21-jährige Mittelstürmer mit der jugendlichen Unschuld eines Straßenkickers, drehte das Spiel beinahe im Alleingang. Erst traf er in der 29. Minute nach Vorarbeit von Routinier Ulf Berg, dann legte er fünf Minuten später nach - diesmal nach Pass des Iren Freddie O’Shea. Die Fans tobten, die Sonne ging gerade über der Tribüne unter, und Trainer Leverkusen rief seinem Stürmer zu: "Pierre, bleib heiß!" - worauf dieser zurückwinkte: "Ich bin Franzose, ich bin immer heiß!"

Doch wer glaubt, Leon würde sich in die Defensive flüchten, kennt Trainer Torsten Hoppe schlecht. Der Mann, der in der Halbzeit angeblich nur sagte "Jungs, spielt einfach weiter, Lanzarote trifft schon noch ins eigene Tor", sah sich schon vor der Pause bestätigt. Denn kurz nach Bissons Doppelpack köpfte Bruno Simao nach einer Kombination mit Janos Kertesz zum 2:2 ein. Es war ein Tor, das Lanzarotes Verteidigung aussehen ließ wie Touristen am Flughafen - alle suchten etwas, keiner wusste was.

In der zweiten Halbzeit blieb Lanzarote die aktivere Mannschaft. James Young prüfte Leons Keeper Adriano Custodio mehrfach, Alfred Detari zirkelte einen Freistoß knapp vorbei, und selbst Linksverteidiger Ruben Mantecon wagte sich mit 18 Jahren mutig nach vorne. Doch es kam, wie es kommen musste: Derjenige, der vorne Chancen liegen lässt, wird hinten bestraft. In der 52. Minute startete Matias Mourino auf der rechten Seite, flankte flach in den Strafraum, und Leah Katan grätschte den Ball zum 3:2 für Leon über die Linie. Danach jubelte er, als hätte er gerade den Ozean geteilt.

"Wir hatten das Momentum", erklärte Katan später mit einem breiten Grinsen. "Und Lanzarote hatte... nun ja, die Statistik." Tatsächlich: 54 Prozent Ballbesitz, 13 Torschüsse, mehr Zweikämpfe gewonnen - und trotzdem null Punkte.

Trainer Leverkusen wechselte in der Pause gleich dreifach: Torwart Vincent Maurice musste verletzt raus, Xabier Xuarez übernahm; Ulf Berg wich dem jungen Rene Oklestek, und Klaus Müller ersetzte den wackelnden Außenverteidiger Mantecon. Doch die Wechsel brachten keinen Umschwung. Stattdessen kassierte Leon noch eine Gelbe Karte für Janos Kertesz, der nach einem rustikalen Einsteigen behauptete: "Ich wollte nur den Ball - aber der Ball wollte nicht mich."

Die letzten Minuten gehörten Lanzarote, doch Bisson humpelte in der 95. Minute verletzt vom Platz - Symbolbild für einen Abend, an dem Leidenschaft auf Effizienz traf. "Wir haben alles gegeben", sagte der junge Stürmer mit Tränen in den Augen. "Aber manchmal ist Fußball wie ein schlechter Witz - man lacht nicht, man versteht ihn nur zu spät."

Hoppe, der Siegertrainer, sah das naturgemäß entspannter: "Wir haben clever gespielt. Manchmal ist weniger Ballbesitz einfach mehr Leben." Und fügte augenzwinkernd hinzu: "Ich mag Statistiken - vor allem, wenn sie gegen den Gegner sprechen."

So blieb Lanzarote am Ende nur der warme Applaus des Publikums und der kühle Wind vom Atlantik. Leon nimmt drei hart erkämpfte Punkte mit nach Hause, Lanzarote die Erkenntnis, dass Sonne und Spielwitz allein keine Siege garantieren.

Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen seufzte: "Wir hatten den Ball, sie hatten die Tore - das ist dann wohl der Unterschied zwischen Urlaub und Arbeit."

26.07.643990 12:23
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Ich habe versucht, den Spielern das Gefühl zu geben, dass sie Fehler machen dürfen. Das haben sie bis auf wenige Ausnahmen gut gemacht.
Rudi Völler
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager