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Ein Abend auf den Kanaren, 20:30 Uhr Ortszeit, 35.311 Zuschauer, ein Vulkan im Hintergrund und zwei Teams, die offenbar beschlossen hatten, dass Verteidigung eher was für die Statistik ist. Lanzarote CF und Valencia CF trennten sich am 7. Spieltag der 1. Liga Spanien mit einem wilden 2:2 - ein Ergebnis, das beiden Trainern graue Haare, aber den Fans ein Lächeln bescherte. "Ich habe das Gefühl, wir haben zwei Spiele in einem gesehen", meinte Lanzarotes Coach Meister Leverkusen nach dem Abpfiff, während er sich mit einem Handtuch den Schweiß von der Stirn wischte. "Erst ein Albtraum, dann ein Traum - und am Ende ein gerechtes Remis." Tatsächlich begann die Partie so, als hätte sich Valencia vorgenommen, die Inselbewohner gleich zu verschlingen. In der 33. Minute donnerte Rutger Haswell den Ball nach feiner Vorarbeit von Esteban Ibano ins Netz. Zwei Minuten später legte George Leech nach - diesmal nach einem präzisen Zuspiel von Ediz Güven. 0:2, und die Fans im Estadio de Arrecife rieben sich die Augen: Sollte das der Urlaubsfluch sein, den man sonst nur von Touristen kennt, die zu lange in der Sonne liegen? Doch Lanzarote wäre nicht Lanzarote, wenn sie nicht wenigstens ein bisschen glühen würden. Kurz vor der Pause, in der 44. Minute, setzte Marcio Galisteo ein Zeichen. Nach Pass von Ignacio Mendivil traf er per Linksschuss zum 1:2-Anschluss - und plötzlich war Feuer im Spiel. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Galisteo später, "und gehofft, dass der Ball nicht im Atlantik landet." Zur Halbzeit reagierte Leverkusen gleich dreifach - vermutlich mehr aus Not als aus taktischer Raffinesse. O’Shea, Penas und Oklestek kamen neu, das System blieb irgendwie "balanciert", wie die Taktiktafel behauptete, aber das Herz schlug jetzt lauter. Valencia-Coach Sascha Schmidt beließ es bei kosmetischen Korrekturen und einer Prise Selbstzufriedenheit: "Wir hatten alles im Griff. Dachte ich zumindest." Die zweite Hälfte begann zäh, aber Lanzarote übernahm schleichend die Kontrolle. 54 Prozent Ballbesitz, acht Torschüsse, und das Publikum trommelte, als ginge es um den Klassenerhalt - oder um freien Eintritt in die Strandbar. Valencia lauerte auf Konter, doch die Präzision ließ nach. In der 70. Minute dann die Erlösung: Alfred Detari, bis dahin kaum aufgefallen, zog nach einem Doppelpass mit Georg Heller ab - und traf zum 2:2. Das Stadion kochte. "Ich hab gar nicht gesehen, dass er schießt", meinte Heller lachend. "Ich wollte eigentlich den Ball zurückhaben." Die Schlussphase war ein einziges Nervenflattern. Valencia, plötzlich wieder offensiv, brachte Christiano Pinto für den müden Leech und drückte aufs Gaspedal. Pinto scheiterte in der 75. Minute und noch einmal tief in der Nachspielzeit - beide Male an Lanzarotes jungem Keeper Vincent Maurice, der sich mit 22 Jahren zum Helden des Abends aufschwang. "Ich hab einfach den Arm hochgerissen", sagte Maurice bescheiden. "Wenn du drüber nachdenkst, ist es schon zu spät." Die Statistik spricht am Ende Bände: Lanzarote mit leichtem Ballbesitzvorteil (54,4 zu 45,6 Prozent), Valencia mit einem Torschuss mehr (9:8). Beide Teams liefen viel, kämpften fair, und wenn Aggressivität in den letzten Minuten ein Getränk gewesen wäre, hätte jeder Spieler mindestens zwei Gläser davon gekippt. Trainer Schmidt war nach dem Abpfiff nicht unzufrieden, aber auch nicht glücklich. "Wir haben zwei Gesichter gezeigt - das erste war schön, das zweite weniger. Aber wenigstens hat keiner das dritte Gesicht gesehen: meins in der Kabine." Lanzarote-Coach Leverkusen dagegen klang fast poetisch: "Ein Punkt gegen Valencia - das ist wie ein Sonnenuntergang nach einem Sturm. Man weiß, es hätte schlimmer kommen können." Als die Zuschauer das Stadion verließen, lief irgendwo über die Lautsprecher eine beschwingte Melodie, Möwen kreisten über den Flutlichtmasten, und auf der Tribüne rief ein Fan: "Wenn wir so weitermachen, holen wir die Champions League - oder wenigstens das nächste Bier!" Ein 2:2 also, das keiner so schnell vergessen wird. Valencia bleibt ein Rätsel zwischen Genie und Leichtsinn, Lanzarote ein Team, das auch aus der Asche noch Punkte macht. Und irgendwo auf der Trainerbank saß Meister Leverkusen, grinste in den Nachthimmel und murmelte: "Manchmal ist ein Unentschieden das schönste aller Ergebnisse." So endete ein Abend, der nach Meer, Schweiß und einer Prise Fußballromantik roch - und nach dem man sich fragt, warum man nicht öfter Spiele auf Vulkaninseln austragen sollte. 07.08.643990 10:20 |
Sprücheklopfer
Weisweiler und Happel sind tot, Hitzfeld ist bei den Bayern. RWO hat den besten Trainer, den man kriegen kann.
Aleksandar Ristic zur Trainerdiskussion in Oberhausen.