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Wenn in Asturien der Himmel dicht macht, wird selten schöner Fußball gespielt - aber was Real Oviedo und Lanzarote CF am Montagabend boten, war ein meteorologisch getränktes Drama, das den 30. Spieltag der 1. Liga Spanien würdig krönte. 34.451 Zuschauer sahen ein Spiel, das in der ersten Halbzeit noch wie ein gemütlicher Heimabend daherkam und in der zweiten zu einem tropischen Gewitter mutierte. Real Oviedo legte los, als wolle man den Atlantik vor der Haustür beeindrucken: Ballbesitz 52 Prozent, kontrolliertes Passspiel, geduldiges Aufbauen. In der 30. Minute dann die Belohnung: Rechtsverteidiger Theodor Krejci, sonst eher der Typ "Zuverlässigkeit in Person", fasste sich ein Herz, zog nach einem Doppelpass mit Marc Blanchett ab - und der Ball zappelte im Netz. 1:0, das Stadion bebte. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", lachte Krejci später, "aber offenbar hatte er andere Pläne." Mit dieser Führung ging es in die Pause. Oviedo schien alles im Griff zu haben. Lanzarote hatte zwar mehr Torschüsse (schon da stand es 9:5 für die Gäste), aber wenig Zählbares. "Wir wussten, dass wir Chancen kriegen", knurrte Lanzarotes Trainer Meister Leverkusen später in der Pressekonferenz, "die Frage war nur: Wann trifft endlich jemand, der nicht nur auf Postkarten gut aussieht?" Die Antwort kam sofort nach Wiederanpfiff - und wie: Nur zwei Minuten nach der Pause drehte Pierre Bisson auf. Der 21-jährige Mittelstürmer, frisch aus der Nachwuchsabteilung hochgezogen, traf in der 47. Minute nach Vorlage von Ignacio Mendivil zum Ausgleich. Fünf Minuten später legte der Jungspund nach, diesmal mit freundlicher Unterstützung von Alfred Detari. Zwei Tore in fünf Minuten - Bisson verwandelte das Stadion in eine Mischung aus Schockstarre und Fassungslosigkeit. Und als die Oviedo-Fans noch die erste Cola austranken, machte Lanzarote weiter: In der 55. Minute schlenzte Marcio Galisteo den Ball zum 1:3 in die lange Ecke. Ulf Berg hatte mit einem butterweichen Pass vorbereitet. Man konnte fast hören, wie die Regenschirme applaudierten. Oviedo taumelte, aber gab sich nicht auf. In der 61. Minute sorgte Mateo Rueda nach Vorlage von Blanchett für das 2:3. Hoffnung blitzte auf, die Fans standen wieder. Kurz darauf sah Lanzarotes Linksverteidiger Klaus Müller Gelb - ein Zeichen, dass es jetzt rustikaler werden würde. "Ich wollte nur den Ball treffen", beteuerte Müller später mit einem Grinsen, "aber der Ball war schneller." Das Spiel blieb turbulent. Oviedo drückte, Lanzarote konterte. In der 71. Minute sah Youngster Xavi Barreda Gelb, als er einen Konter unterband - mit 17 Jahren darf man das wohl noch als jugendliche Ungestümheit verbuchen. Trainer von Oviedo, der nach dem Spiel nur lakonisch meinte: "Wenn Mut Punkte gäbe, wäre er heute Man of the Match." Statistisch gesehen hatte Oviedo mehr vom Ball (52,3 Prozent), Lanzarote aber die eindeutig gefährlichere Klinge: 20 Torschüsse zu 11. Das sagt alles über die Effizienz des Gastes. Bisson war der Mann des Abends - zwei Tore, drei weitere Schüsse, unermüdlich im Pressing. "Ich wollte einfach Spaß haben", sagte er nach dem Spiel. "Und wenn man trifft, macht Fußball doppelt so viel Spaß." Die letzten Minuten gehörten dann wieder dem Chaos: Oviedo rannte an, Lanzarote wechselte in der 94. Minute noch schnell den Torwart - wohl mehr Zeitmanagement als sportliche Notwendigkeit. Xabier Xuarez kam für Vincent Maurice, der sich bei einem Abstoß leicht vertreten hatte. Trainer Leverkusen grinste: "Wir wollten einfach zeigen, dass wir auch zwei gute Keeper haben." Als der Schlusspfiff ertönte, war es mehr ein kollektives Aufatmen als Jubel oder Enttäuschung. Real Oviedo hatte alles gegeben, Lanzarote war einfach zielstrebiger - und am Ende steht ein verdienter 3:2-Auswärtssieg. "Das war kein Fußballspiel, das war eine Achterbahnfahrt ohne Sicherheitsbügel", sagte ein Fan beim Hinausgehen, während der Regen weiter auf die Tribüne prasselte. Fazit: Oviedo verliert trotz kämpferischer Leistung, Lanzarote jubelt über jugendliche Frische und kaltschnäuzige Präzision. Und irgendwo zwischen Minute 47 und 55 dürfte der Wetterbericht endgültig den Ball übernommen haben. Vielleicht war es sinnbildlich, dass die Sonne erst nach dem Schlusspfiff kurz durch die Wolken brach - als wollte sie sagen: Ja, Lanzarote, du darfst heute scheinen. 22.08.643993 13:02 |
Sprücheklopfer
Die Schweden sind keine Holländer - das hat man ganz genau gesehen.
Franz Beckenbauer