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Wer am Freitagabend auf Lanzarote ein gemütliches Fußballspiel erwartet hatte, wurde früh eines Besseren belehrt. Nach gerade einmal zehn Minuten zappelte der Ball zum ersten Mal im Netz von Espanyol Madrid, und das Stadion "Estadio de los Vientos" bebte wie bei einem Vulkanausbruch. 36.570 Zuschauer sahen, wie Marcio Galisteo nach Vorlage von Ulf Berg den Torreigen eröffnete - und das war erst der Anfang eines Abends, den Trainer Meister Leverkusen so schnell nicht vergessen dürfte. "Wir wollten offensiv spielen - und das haben die Jungs etwas zu wörtlich genommen", grinste Leverkusen nach dem Spiel. Tatsächlich war Lanzarote von der ersten Minute an auf Angriff gepolt. Die Statistik zeigt es: 13 Torschüsse, 4 Tore. Ballbesitz? Fast ausgeglichen, 50 zu 50. Aber was zählen Prozente, wenn die Kugel viermal im Netz landet? In der 20. Minute legte der junge Pierre Bisson nach. Der 20-Jährige schob nach feinem Zuspiel von Enrique Penas eiskalt ein. "Ich hab einfach nur die Augen zugemacht und gehofft, dass er reingeht", flachste Bisson später, als er mit einem riesigen Lächeln vor der Fantribüne stand. Espanyol wirkte zu diesem Zeitpunkt wie ein Tourist, der ohne Sonnencreme in der Mittagsglut steht - orientierungslos und verbrannt. Zwar hatten die Katalanen nominell etwas mehr Ballbesitz, doch ihre vier Torschüsse waren eher harmlose Grüße in Richtung von Lanzarotes Torhüter Vincent Maurice. Das 3:0 fiel in der 35. Minute, als Enrique Penas, diesmal selbst der Vollstrecker, eine Kombination über Ignacio Mendivil vollendete. Espanyols Trainer Doc Zab stand an der Seitenlinie, die Hände tief in den Taschen, und murmelte etwas, das wohl nicht für die Mikrofone bestimmt war. Später erklärte er: "Unsere Defensive war heute wie ein Schweizer Käse - nur ohne Geschmack." Nach der Pause wechselte Leverkusen gleich dreifach - Miroslav Despotovic, Alfred Detari und Henry Winston kamen, um das Spiel zu kontrollieren. "Ich wollte keine Müdigkeit riskieren", sagte der Coach. "Und ehrlich gesagt: Ich wollte sehen, ob Henry überhaupt noch laufen kann." Winston lachte, als er das hörte: "Ich kann laufen - aber nach dem Training mit Meister will man es manchmal nicht mehr." Espanyol versuchte in der zweiten Halbzeit, das Ruder herumzureißen. Junger Stürmer Nestor Roi hatte zwei Möglichkeiten, doch Maurice im Lanzarote-Tor blieb unbezwingbar. Und als Mihai Iorgulescu in der 65. Minute seinen Mut zusammennahm und einfach mal aus 30 Metern abzog, klatschte der Ball spektakulär gegen den Zaun hinter dem Tor - immerhin ein präziser Treffer, wenn man das Ziel großzügig definiert. Lanzarote zeigte sich dagegen effizient bis zum Schluss. In der 89. Minute setzte Enrique Penas mit seinem zweiten Treffer den Schlusspunkt - nach Vorlage von Freddie O’Shea, der sich mit einem schlitzohrigen Pass in die Statistik eintrug. "Ich wollte eigentlich schießen", gestand O’Shea später. "Aber Enrique stand im Weg. Zum Glück hat er’s besser gemacht." Espanyol kassierte drei Gelbe Karten, Lanzarote zwei - ein Beweis dafür, dass die Partie trotz des klaren Ergebnisses mit Leidenschaft geführt wurde. Besonders auffällig: Mihai Iorgulescu, der nach seiner Verwarnung in der 70. Minute noch immer wild gestikulierte und sich von einem Mitspieler beruhigen lassen musste. Trainer Zab winkte nur ab: "Wenn er so viel Energie auf dem Platz hätte wie beim Reklamieren, hätten wir vielleicht ein Tor geschossen." Am Ende blieb es beim 4:0. Lanzarote feierte, Espanyol suchte nach Erklärungen. Die Fans der Inselmannschaft sangen noch lange nach Abpfiff, während Trainer Leverkusen bereits in Richtung Pressekonferenz ging - mit einem breiten Grinsen und einem Satz, der wohl in die Vereinschronik eingehen wird: "Wenn du 4:0 gewinnst und trotzdem weniger Ballbesitz hast, dann hast du alles richtig gemacht." Doc Zab hingegen zog den Hut - wortwörtlich: "Ich hab’s versucht, aber Lanzarote war heute wie ein Sandsturm. Da kannst du nur die Augen schließen." Ein Abend voller Sonne, Tore und Ironie - Lanzarote CF bleibt auf Kurs in der 1. Liga Spanien, während Espanyol Madrid wohl noch ein paar Tage brauchen wird, um den Sand aus den Schuhen zu klopfen. 30.09.643987 18:19 |
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Ob rechts oder links, wo ich auftauchte, war ich schlecht.
Mario Basler