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Lanzarote schockt Sevilla - Inselkicker drehen das Spiel

Es war ein lauer Winterabend in Andalusien, 20:30 Uhr, Flutlicht im Estadio Ramón Sánchez Pizjuán - und 30.896 Zuschauer erwarteten einen standesgemäßen Sieg ihres Sevilla CF. Doch am Ende jubelte nicht die stolze Mannschaft aus dem Süden, sondern eine bunte Truppe von Lanzarote CF, die mit 3:2 gewann und dabei mehr Sonne ins Spiel brachte, als Sevilla verkraften konnte.

Schon früh wurde klar, dass die Gäste nicht zum Sightseeing angereist waren. Nach nur neun Minuten machte Marcio Galisteo, der bullige Linksaußen der Kanarier, ernst. Eine kurze Körpertäuschung, ein trockener Schuss - 0:1. "Ich hab einfach draufgehalten, bevor mir jemand sagt, ich soll passen", grinste der 28-Jährige später und wirkte dabei so unschuldig wie ein Tourist mit Sonnenbrand.

Sevilla brauchte gut eine halbe Stunde, um den Schock zu verdauen. Erst kurz vor der Pause kam Leben in die rot-weißen Reihen: In der 44. Minute startete der junge Ethan Cort einen beherzten Sprint über rechts, flankte halbhoch in den Strafraum - und Linksverteidiger Rhys Giles drosch das Leder humorlos unter die Latte. 1:1, ein Lebenszeichen, das das Publikum mit einem kollektiven Aufatmen quittierte.

"Da dachten wir, jetzt kippt das Spiel", erklärte Trainer Werner Lorant nach Abpfiff. "Aber Lanzarote hatte wohl andere Urlaubspläne."

Tatsächlich kam Sevilla energiegeladen aus der Kabine. Nur sechs Minuten nach Wiederanpfiff war es der 17-jährige Poyraz Caliskan, der eine feine Vorarbeit von Martin Esclapez veredelte - 2:1. Das Stadion bebte, Lorant gebärdete sich an der Seitenlinie, als habe er gerade die Champions League gewonnen.

Doch das Lächeln gefror ihm schneller, als man "¡Vamos!" rufen konnte. Lanzarote blieb ruhig, spielte weiter schnörkellos nach vorn, und wieder war Galisteo zur Stelle: In der 57. Minute traf er zum 2:2, nach einem cleveren Steckpass von Ignacio Mendivil. Nur vier Minuten später drehte der rechte Verteidiger Rafael Estevo das Spiel endgültig. Mit einem wuchtigen Schuss aus 20 Metern - so trocken, dass selbst die Linienrichter ihren Durst spürten - traf er zum 2:3.

"Ich wollte eigentlich flanken", sagte Estevo später lachend, "aber der Ball hatte wohl andere Ideen."

Danach wurde es wild. Sevilla verlor Maurizio Mair durch eine Rote Karte (62.), nachdem der Verteidiger einen beherzten, aber etwas zu enthusiastischen Tritt zeigte. Lorant raufte sich die Haare: "Das war heute kein Fußball, das war ein Selbstversuch in Geduld."

Statistisch gesehen war das Ergebnis logisch: Lanzarote hatte 55 Prozent Ballbesitz, 16 Torschüsse - Sevilla gerade einmal sechs. Der Unterschied lag in der Konsequenz. Während die Gäste zielstrebig und abgeklärt wirkten, verzettelte sich Sevilla in Schönspielerei und Missverständnissen. "Wir wollten Ballbesitzfußball spielen", meinte Lorant, "aber der Ball wollte nicht mitmachen."

In der Schlussphase drängte Sevilla noch einmal, der eingewechselte Cesar Hernan hatte in der 81. Minute eine gute Chance, doch Lanzarotes Torwart Vincent Maurice parierte spektakulär. Die Gäste verteidigten klug, ließen sich auch durch eine Gelbe Karte für Freddie O’Shea in der 71. Minute nicht beirren und brachten den Sieg clever über die Zeit.

Nach Abpfiff jubelten die Kanarier, als hätten sie gerade den Kontinent erobert. Trainer Meister Leverkusen - ein Name, der klingt wie ein Fußballwitz, aber keiner ist - strahlte über beide Ohren: "Wir haben heute gezeigt, dass Leidenschaft keine Frage der Postleitzahl ist. Und dass Sonne offenbar auch bei Nacht hilft."

Sevilla dagegen schlich bedröppelt vom Platz. Die Fans pfiffen, aber eher aus Frust als aus Bosheit. "Solche Spiele tun weh", gab Kapitän Lukas Gorawski zu. "Man denkt, man hat alles im Griff - und dann kommt Lanzarote."

Manche sagten später, Sevilla habe schlichtweg zu spät begriffen, dass Lanzarote kein Urlaubsziel, sondern ein Gegner war. Lorant versprach Besserung: "Ab morgen gibt’s Inselverbot im Training."

Ein bitterer, aber unterhaltsamer Abend für die Andalusier - und ein sonniger Triumph für Lanzarote CF, die mit ihrer mutigen, offensiven Spielweise bewiesen, dass man auch mit frischer Meeresbrise im Rücken in der 1. Liga bestehen kann.

Oder, wie Galisteo es zum Schluss formulierte: "Wenn du aus Lanzarote kommst, bist du an Hitze gewöhnt - und Sevilla war heute einfach zu heiß für Sevilla."

27.11.643987 22:43
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