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Ein lauer Abend auf den Kanaren, 35.144 Zuschauer im Estadio de los Volcanes, und alles roch zunächst nach einem perfekten Heimspiel für Lanzarote CF. Doch am Ende jubelte der SC Villarreal - und das trotz einer späten Roten Karte. Ein Spiel, das begann wie ein Inselmärchen und endete wie ein iberisches Lehrstück über Effizienz. Schon in der 10. Minute bebte die Tribüne, als Henry Winston, der flinke Rechtsaußen, nach einem Pass von Innenverteidiger Elmo Van Keuren den Ball ins Netz zimmerte. "Ich hab’ einfach draufgehalten, und plötzlich war’s drin", grinste Winston später. Trainer Meister Leverkusen, mit Sonnenbrand und verschränkten Armen an der Seitenlinie, schnaufte zufrieden: "So stellt man sich das vor - früh draufgehen, Gegner überraschen." Und tatsächlich: Lanzarote dominierte die erste Halbzeit mit leichtem Ballbesitzvorteil (51,7 Prozent) und einer Spur mehr Spielfreude. Alberto Fagnano und Enrique Penas prüften mehrfach den gegnerischen Torhüter Thomas Christensen, der allerdings einen Sahnetag erwischte. "Ich hab mir einfach vorgestellt, jeder Ball sei ein Kokosnusswurf am Strand - da bleibt man wach", witzelte der Keeper nach dem Spiel. Villarreal schien in dieser Phase im Urlaubsmodus: viele Pässe, wenig Ertrag, aber immerhin Sonne im Gesicht. Doch nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild schlagartig. Heung-Min Son, Villarreals Trainer mit dem charmantesten Lächeln der Liga, muss in der Kabine den richtigen Ton getroffen haben. "Ich hab nur gesagt: Wenn wir schon hier sind, dann wenigstens mit Punkten zurückfliegen", verriet er hinterher augenzwinkernd. Kaum hatte die zweite Hälfte begonnen, schlug der SC Villarreal doppelt zu - und das binnen 60 Sekunden. In der 49. Minute war es Agustin Munoz, der nach feinem Zuspiel von Pal Kubala eiskalt vollstreckte. Lanzarotes Keeper Vincent Maurice streckte sich vergeblich, und noch ehe die Heimfans Luft holen konnten, legte Agustin Rueda nach. Der 25-Jährige drosch den Ball nach Pass von Joao Makukula in der 50. Minute humorlos unter die Latte - 1:2. "Da haben wir uns kurz selbst hypnotisiert", gestand Lanzarotes Mittelfeldmotor Freddie O’Shea später. "Wir standen noch beim Anstoß, da hatten die schon wieder getroffen." Der Rest des Spiels war ein offener Schlagabtausch - 10 zu 13 Torschüsse, leichte Vorteile für die Gäste, aber genug Gelegenheiten für den Ausgleich. Besonders Pierre Bisson, der junge Mittelstürmer, vergab in der 61. Minute freistehend vor Christensen. "Ich dachte, der Ball würde sich noch drehen. Hat er aber nicht", sagte er kleinlaut. Dann wurde es hitzig. In der 74. Minute sah Pal Kubala Gelb, nachdem er Ulf Berg etwas zu temperamentvoll den Ball abnahm. Zwölf Minuten später folgte Dedrick Comstock mit Rot nach einem rustikalen Einsteigen gegen Fagnano. Villarreal also in Unterzahl - doch Lanzarote schaffte es nicht, Kapital daraus zu schlagen. Stattdessen kassierte der junge Klaus Müller noch Gelb für ein taktisches Foul. Trainer Leverkusen schüttelte den Kopf: "Wir haben alles versucht, aber manchmal ist Fußball wie Vulkanasche - heiß, aber nutzlos." Die Schlussphase war ein einziger Sturmlauf der Hausherren. Winston rannte, Penas schoss, Bisson stolperte - und die Fans schrien sich die Stimmbänder wund. Doch der Ball wollte einfach nicht mehr hinein. Als Schiedsrichter Delgado in der 94. Minute abpfiff, fielen die Gäste jubelnd aufeinander, während Lanzarote erschöpft in die warme Nacht blickte. Statistisch war’s ein Duell auf Augenhöhe - Ballbesitz fast ausgeglichen, Zweikampfquote 49 zu 51, Chancen hüben wie drüben. Aber die Effizienz, diese gnadenlose Tugend der großen Teams, sprach klar für Villarreal. "Wir haben wie ein Team gespielt, das weiß, wann’s Zeit ist, ernst zu werden", grinste Son nach dem Abpfiff. Und tatsächlich: Zwei Minuten reichten, um ein Spiel zu drehen. Meister Leverkusen nahm’s sportlich: "Wir verlieren lieber so als 0:0 zu schlafen. Aber nächste Woche wird wieder gegessen, was wir uns selbst kochen." Ein Satz, der so klingt, als würde man auf Lanzarote bald wieder mit Feuer spielen - vielleicht diesmal mit einem besseren Rezept. 26.05.643987 14:00 |
Sprücheklopfer
Wir spielen am Besten, wenn der Gegner nicht da ist.
Otto Rehhagel