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Lanzarote dreht das Spiel: Später Doppelschlag schockt CD?León

Wenn 36 000 Zuschauer an einem lauen Märzabend ins Estadio León pilgern, dann hoffen sie auf Leidenschaft, Tore - und vielleicht ein kleines Fußballwunder. Was sie am 22. Spieltag der 1. Liga Spaniens geboten bekamen, war tatsächlich ein Spektakel. Nur leider aus Sicht der Gäste von Lanzarote CF. Am Ende stand es 1:2, und die Gesichter der Heimfans sahen aus, als hätte jemand die Sonne über León ausgeknipst.

Dabei begann alles so vielversprechend für die Gastgeber. CD León, gewohnt ballbesitzstark (54 Prozent), diktierte das Geschehen, ließ den Ball laufen, als wolle man ihn hypnotisieren. Amaury Doreste, der unermüdliche Linksaußen, prüfte Lanzarotes Keeper Vincent Maurice schon nach sechs Minuten - und tat es im Laufe des Abends noch sechsmal. Doch der Franzose im Tor der Kanaren hatte offenbar beschlossen, sich selbst ein kleines Heldendenkmal zu setzen.

"Ich dachte irgendwann, der Ball hat was gegen mich", grinste Doreste später, schweißnass, aber gefasst. "Ich hab alles versucht - links, rechts, mit der Innenseite. Nur das Tornetz wollte einfach nicht mitspielen."

Zur Halbzeit stand es 0:0. Ein Resultat, das Lanzarote-Trainer Meister Leverkusen sichtlich zufrieden zur Kenntnis nahm. Der Mann mit dem sprechenden Nachnamen hatte sein Team zunächst tief stehen lassen, offensiv zwar ausgerichtet, aber klug abwartend. "Wir wussten, León spielt gern schön", sagte er mit einem Schmunzeln. "Wir wollten hässlich gewinnen."

Die zweite Hälfte begann, als hätte jemand die Pausentee-Dämpfe durch Nitro ersetzt. León drückte - und wurde belohnt. In der 57. Minute setzte sich der wendige Matias Mourino auf rechts durch, flankte halbhoch in den Strafraum, wo Amaury Doreste diesmal keine Einladung ausschlug. 1:0. Das Stadion vibrierte, Bierbecher flogen - nicht alle in die richtige Richtung.

Was dann folgte, war ein Paradebeispiel für Fußball-Logik: Wer vorne nicht nachlegt, wird hinten bestraft. Lanzarote wachte auf, plötzlich war das Pressing da, die Pässe fanden ihre Zielpersonen. In der 67. Minute legte der junge Linksverteidiger Klaus Müller einen Ball auf Freddie O’Shea, der sich im Zentrum freilief und trocken einschob - 1:1. Der Ire riss die Arme hoch, als hätte er gerade die Meisterschaft entschieden.

Nur sechs Minuten später der nächste Schlag: James Young, der flinke Rechtsaußen, traf nach Vorarbeit von Georg Heller zum 1:2. Eiskalt, präzise, typisch englisch. Die 200 mitgereisten Lanzarote-Fans konnten ihr Glück kaum fassen. "Ich hab den Ball gesehen und gedacht: Das ist meiner", sagte Young hinterher und lachte. "Und wenn nicht, dann hätte ich ihn mir eben geholt."

CD León versuchte alles, warf noch einmal alles nach vorn. Doreste feuerte in der 82. Minute - knapp vorbei. Matias Mourino setzte in der 88. Minute den letzten Schuss aufs Tor, doch Maurice war wieder da. Dann kam der Abpfiff, und die Gäste jubelten, als hätten sie gerade den Atlantik überquert.

Trainer Leverkusen umarmte jeden seiner Spieler einzeln. "Wir sind eine Inselmannschaft, wir müssen kämpfen, als gäbe es kein Festland", sagte er augenzwinkernd. Sein Gegenüber - dessen Name die Statistik leider verschweigt - starrte derweil ins Leere. "Uns fehlten fünf Minuten Konzentration", murmelte er, "und vielleicht ein bisschen Glück. Oder ein Maurice im Tor."

Statistisch gesehen war es ein ausgeglichenes Spiel: 11 Torschüsse für León, 13 für Lanzarote, Zweikampfquote knapp zugunsten der Gäste (51,8 Prozent). Doch die Zahlen erzählen nicht, was auf dem Rasen passierte - dieses Kippen der Stimmung, das Knistern nach dem 1:1, das ungläubige Schweigen nach dem 1:2.

Als die Fans von CD León das Stadion verließen, summte einer leise: "Heute war nicht unser Tag." Vielleicht, so könnte man sagen, war es Lanzarotes längster Konter - einer, der auf der Fähre begonnen und im Netz von León geendet hat.

Und irgendwo in der Kabine, zwischen nassen Trikots und leeren Energydrink-Dosen, sagte James Young noch einen Satz, der das Spiel perfekt zusammenfasst: "Manchmal braucht man einfach nur zwei Chancen - und die richtige Portion Frechheit."

So also endete ein Abend, an dem die Sonne über León unterging - pünktlich mit dem Schlusspfiff.

21.05.643993 22:45
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