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Lanzarote CF zittert sich zum 3:2 - Sonne, Sand und spätes Glück

Ein lauer Februarabend, 38.617 Zuschauer, ein Stadion voller Trommeln, Pfeifen und Sonnenhüte - Lanzarote CF empfing CD Santa Cruz zum 16. Spieltag der 1. Liga Spanien. Wer dachte, auf der Urlaubsinsel ginge es gemütlich zu, wurde eines Besseren belehrt. Es war ein Spiel mit allem, was die Fußballgötter im Angebot haben: frühe Tore, späte Dramen, hitzige Karten und ein Trainer, der nach dem Abpfiff mit Sonnenbrille sprach, weil, wie er meinte, "die Sonne heute einfach auf unserer Seite stand".

Schon nach vier Minuten bebte das Stadion. Der 19-jährige Alfonso Tarrega, der aussieht, als habe er eben noch Mathehausaufgaben gemacht, drosch den Ball trocken ins Netz. "Ich hab einfach draufgehauen - und gehofft, dass keiner merkt, dass ich eigentlich flanken wollte", grinste der Youngster später. Der Pass kam vom Innenverteidiger Javier Moreno, der wohl selbst überrascht war, plötzlich als Torvorbereiter in den Statistiken aufzutauchen.

Lanzarote legte nach, als Freddie O’Shea (21.) aus gut 20 Metern abzog - ein Schuss wie eine Postkarte, direkt in den Winkel. Assistgeber Miroslav Despotovic rief nach dem Spiel lachend: "Ich hab ihm den Ball hingelegt, aber dass der so reingeht, war nicht im Plan!" Nach gut 20 Minuten stand es 2:0, und Trainer Meister Leverkusen sah so zufrieden aus, als hätte er den Sonnenuntergang persönlich erfunden.

Santa Cruz hingegen hatte das Spiel statistisch im Griff - 52 Prozent Ballbesitz, zehn Torschüsse, aber wenig Zählbares. Schon in der ersten Halbzeit scheiterte der junge Joseph Turcotte mehrfach an Lanzarotes Keeper Xabier Xuarez, der offenbar beschlossen hatte, sich heute zum Helden zu machen. "Ich hab einfach versucht, keine Angst zu zeigen - und ehrlich gesagt, ich hatte eine Menge davon", gab Xuarez später schelmisch zu.

Nach der Pause kam Bewegung ins Spiel - und zwar in beide Richtungen. Santa Cruz blieb offensiv, Lanzarote konterte. In der 60. Minute war es dann soweit: Alexander Leachman traf nach feinem Zuspiel von Andres Ortega zum 2:1-Anschluss. Ortega hatte zuvor schon Gelb gesehen, spielte aber, als wolle er beweisen, dass Gelb seine Lieblingsfarbe sei. "Ich wollte einfach wieder ins Spiel kommen, aber der Schiri mochte mein Timing wohl nicht", meinte er trocken.

Nur zehn Minuten später war das Spiel plötzlich wieder offen: Yves Vetter, der linke Verteidiger von Santa Cruz, schlich sich nach vorne und drückte den Ball zum 2:2 über die Linie. Santa Cruz-Coach Tobi Schleder sprang an der Seitenlinie so hoch, dass er kurzzeitig im Abseits stand.

Doch Lanzarote wäre nicht Lanzarote, wenn sie sich den Urlaub am Meer verderben ließen. In der 84. Minute kam Joker Alfred Detari über links, flankte punktgenau - und Marcos Vazques wuchtete den Ball per Kopf ins Tor. 3:2! Das Stadion explodierte, Bierduschen inklusive. "Ich hab nur die Augen zugemacht und gehofft, dass der Wind mitspielt", sagte Vazques hinterher, noch tropfend vom Jubel.

Santa Cruz rannte an, suchte das Unmögliche, fand aber nur Karten: Maurice Martineau kassierte erst Gelb (71.) und dann Gelb-Rot (89.). Lanzarote brachte das Ergebnis über die Zeit - mit viel Herz, ein bisschen Glück und einem Publikum, das in den letzten Minuten mehr Gebete als Gesänge anstimmte.

Trainer Schleder wirkte nach dem Spiel erstaunlich gefasst: "Wir haben gut gespielt, aber Lanzarote hatte heute einfach mehr Sonne im Rücken. Und vielleicht auch ein bisschen mehr Chaosglück." Meister Leverkusen hingegen strahlte: "Das war kein Spaziergang am Strand, das war ein Marathon durch die Dünen. Aber wir haben’s geschafft."

Die Statistik lügt nicht, aber sie erklärt auch nicht alles: Santa Cruz hatte den Ball, Lanzarote die Tore. 12:10 Torschüsse, 47,7 Prozent Ballbesitz für die Gastgeber - ein Beweis dafür, dass Zahlen keine Spiele gewinnen.

Als die Sonne hinter dem Atlantik verschwand und die letzten Fans noch "Vamos Lanzarote!" riefen, sagte ein alter Herr auf der Tribüne: "Früher war Fußball schwerer, aber schöner. Heute ist er nur noch schwer - und manchmal schön." Vielleicht fasst das den Abend ganz gut zusammen.

Ein bisschen Sonne, ein bisschen Drama, drei Punkte - Lanzarote CF bleibt das charmant-chaotische Herz der Liga. Santa Cruz reist mit leerem Tank, aber erhobenem Kopf ab. Und irgendwo zwischen den Palmen wird noch lange über diesen 3:2-Sieg gesprochen werden - wahrscheinlich bei einem kühlen Bier und einem breiten Grinsen.

19.11.643990 13:16
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Man darf das Spiel doch nicht so schlecht reden wie es wirklich war.
Olaf Thon
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