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Ein lauer Märzabend auf Lanzarote, 35.169 Zuschauer, das Stadion vibrierte schon, bevor der Ball überhaupt rollte. Und als er dann endlich rollte - nun ja, da rollte er meist in Richtung des Tores von CD Leon. Am Ende stand ein verdientes 2:0 für Lanzarote CF, zwei Tore in der ersten Halbzeit, zwei gute Geschichten für die Fans und ein paar Sorgenfalten bei den Gästen. Trainer Meister Leverkusen, ein Mann, der seinen Nachnamen offenbar als Verpflichtung versteht, hatte seine Elf offensiv eingestellt - und das merkte man von Beginn an. Keine Spur von Inselruhe, Lanzarote ging drauf, als wäre die Flut im Anmarsch. Bereits in der 4. Minute prüfte Alfred Detari den gegnerischen Keeper mit einem wuchtigen Schuss. "Da hab ich gedacht, der Ball macht gleich Urlaub im Netz", grinste Detari später. Fünf Minuten danach war’s dann wirklich so weit: Ulf Berg, der rechte Mittelfeldmotor mit der Ruhe eines Vulkanführers, traf nach feiner Vorarbeit von Ignacio Mendivil zum 1:0. Es war einer dieser Momente, in denen man das Klackern der Flipflops auf den Tribünen fast hörte - so entspannt jubelte das Publikum. "Ich hab einfach draufgehalten", erklärte Berg hinterher, "und gehofft, dass niemand merkt, dass ich eigentlich flanken wollte." CD Leon versuchte, das Spiel zu beruhigen, hielt sogar leicht mehr Ballbesitz - 51 Prozent laut Statistik -, doch gefährlich wurde es selten. Vier Torschüsse, die meisten so harmlos, dass Lanzarotes Torwart Vincent Maurice eher an seine abendliche Sangria dachte als an Paraden. In der 33. Minute dann der nächste Streich: Srdan Vuk, der bullige Mittelstürmer mit der Eleganz eines Betonmischers, traf nach schöner Vorarbeit von Detari zum 2:0. Leon wirkte überrascht, als hätte jemand plötzlich das Licht ausgemacht. "Wir haben den Faden verloren, und den hat Lanzarote dann behalten", murmelte Leons Spielmacher Leandro Costinha später. Zur Halbzeit reagierte Meister Leverkusen mit gleich drei Wechseln - weniger aus Not, mehr aus pädagogischem Eifer. "Manchmal will man den Jungs auf der Bank zeigen, dass Fußball kein Fernstudium ist", sagte der Trainer mit einem Schmunzeln. Alfonso Tarrega kam für Detari, Enrique Penas ersetzte James Young, und Jaime Farinos durfte in die Innenverteidigung. Die zweite Halbzeit glich dann einem gepflegten Inselspaziergang: Lanzarote verwaltete mit Stil, Leon mühte sich ohne Fortune. Der junge Cesar Beltran (18) hatte in der 63. Minute eine gute Gelegenheit, schoss aber so, dass der Ball vermutlich noch heute auf Teneriffa gesucht wird. In der 77. Minute sah Mümtaz Özcan Gelb - etwas zu spät, um das Spiel noch zu drehen, aber früh genug, um den Schiedsrichter in Erinnerung zu behalten. Lanzarote hätte das Ergebnis sogar noch ausbauen können. Alfonso Tarrega prüfte zweimal den Torwart (64. und 69. Minute), Enrique Penas gleich dreimal (74., 76. und 88.). Doch der Pfosten, das Pech und vielleicht auch ein bisschen die Bequemlichkeit verhinderten ein höheres Resultat. Nach dem Schlusspfiff war die Stimmung ausgelassen. Die Fans sangen irgendetwas, das stark nach Urlaubsplaylist klang, und Trainer Leverkusen zog sein Fazit: "Zwei Tore, kein Gegentor, keiner verletzt - was will man mehr? Vielleicht ein kaltes Bier." Sein Gegenüber, Leons Coach - der sich nach dem Spiel auf keine lange Analyse einließ - murmelte nur: "Wir hatten den Ball, sie hatten die Tore. So einfach ist Fußball manchmal." Statistisch gesehen war’s kein Klassenunterschied - 48,8 Prozent Ballbesitz für Lanzarote, 51,2 für Leon -, aber in den Momenten, die zählen, war Lanzarote einfach wacher. Elf Schüsse auf das Tor, zwei drin, das nennt man Effizienz. Und so ging ein Abend zu Ende, der mehr Sonne als Spannung bot, aber den Fans der Inselkicker ein breites Lächeln ins Gesicht zauberte. Vielleicht, weil sie wissen: Wenn Lanzarote CF so weitermacht, wird die Tabelle bald aussehen wie ein Urlaubsprospekt - ganz oben, mit Aussicht auf Meer. Oder, wie Ulf Berg beim Hinausgehen sagte: "Manchmal läuft’s einfach - selbst auf Lava." 11.02.643994 20:54 |
Sprücheklopfer
Wie immer, wenn man Koffer packt, ist das alles nicht so spaßig, Hemden zusammen legen oder Hosen. Vor allem, wenn die eigene Frau nicht dabei ist.
Rudi Völler