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Wenn der Wind über das Estadio de los Volcanes weht, dann weiß man nie, ob der Ball oder der Gegner zuerst ins Wanken gerät. Am 11. Spieltag der spanischen Primera División nutzte Lanzarote CF diesen heimischen Vorteil gnadenlos: 2:0 gegen Atletic Barcelona, und das schon zur Pause. Danach wurde es ein 45-minütiger Sonnentanz der Roten - und eine Lehrstunde für die Gäste, wie man mit 45 Prozent Ballbesitz und einer einzigen echten Torchance so gar nichts anfangen kann. Trainer Meister Leverkusen strahlte nach dem Abpfiff, als hätte er gerade das Meer neu erfunden. "Wir wollten offensiv spielen, und das haben wir getan. Es war fast zu schön, um wahr zu sein - na ja, bis auf den Wind." Der Wind hatte tatsächlich einen Gastauftritt im Spiel: Schon in der achten Minute rauschte ein Schuss von Marcio Galisteo knapp am Pfosten vorbei, weil eine Böe den Ball noch ein bisschen zu sehr liebkoste. Doch dann kam Minute 25: Georg Heller, der Mann mit der Ruhe eines Uhrwerks, nahm einen Abpraller direkt und versenkte ihn präzise. Keine Chance für Barcelonas Torhüter Franck Masse, der den Ball nur noch vorbeirauschen sah. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Heller später, "weil ich dachte, sonst macht’s der Marcio." Und Marcio machte - nur eine Minute später. Galisteo verwertete Hellers Steilpass eiskalt zum 2:0. Zwei Treffer in zwei Minuten, Lanzarote tobte, Barcelona taumelte. Von da an war es ein Spiel auf ein Tor. 23 Torschüsse für die Hausherren, die Gäste brachten es auf... sagenhafte einen. Ein einziger Versuch, in Minute 72, durch den jungen Guillermo Minambres, der immerhin dafür sorgte, dass Lanzarotes Keeper Vincent Maurice nicht völlig einrostete. "Ich war kurz davor, mich auf eine Liege zu legen", witzelte Maurice nach dem Spiel, "aber dann kam dieser Schuss. Hat mich wachgerüttelt." Atletic-Trainer Al Bundy - schon vor Anpfiff mit verschränkten Armen und skeptischem Blick - sah sich früh gezwungen, umzubauen. Drei Wechsel zur Halbzeit, einer davon, weil Pinchas Hasson verletzt raus musste. "So viele Namen kann ich mir gar nicht merken, um sie alle gleichzeitig zu wechseln", murmelte Bundy genervt. Seine Mannschaft blieb trotz der Rotation defensiv, spielte lange Bälle, hoffte auf Konter - und fand keine. Lanzarote dagegen kombinierte, als ginge es um Kunstpreise. Heller und Mendivil zogen im Mittelfeld die Fäden, Ulf Berg rechts außen war ein Dauerläufer auf Speed, und James Young auf der anderen Seite schoss, was das Zeug hielt - mal in die Wolken, mal knapp daneben, aber immer mit Stil. "Wenn ich das Tor endlich treffe, gibt’s eine Strandparty", versprach Young augenzwinkernd. Nach der Pause wurde das Spiel etwas zäher. Lanzarote verwaltete den Vorsprung, ohne in Passivität zu verfallen. Trainer Leverkusen brachte frische Beine: Barnier, Despotovic und Vuk kamen, als die Sonne gerade hinter den Tribünen verschwand. Atletic Barcelona blieb harmlos - das Pressing blieb aus, der Mut auch. Einziger Aufreger der zweiten Hälfte: Gelb für Billy Yeates nach einem rustikalen Einsteigen. "Ich wollte nur den Ball treffen", beteuerte er, "der Ball wollte halt nicht." Schiedsrichter Ortega sah das anders. Statistisch war es eine klare Sache: 58 Prozent Ballbesitz für Lanzarote, 23 Schüsse auf das gegnerische Tor - gegen einen einzigen Versuch der Gäste. Tacklingquote 59 zu 41, also auch in den Zweikämpfen lag die Heimmannschaft vorne. Am Ende stand ein 2:0, das so eindeutig war, dass selbst die Vulkane ringsum zufrieden zu grummeln schienen. "Wir haben heute gezeigt, dass wir nicht nur Sonne und Strand können", sagte Leverkusen, bevor er in der Kabine verschwand. Und Atletic Barcelona? Trainer Bundy versuchte es mit Galgenhumor: "Ich hab mal in einem Schuhladen gearbeitet - da hatten wir wenigstens Trefferquoten von 100 Prozent, wenn’s um Schuhgrößen ging." Das Publikum - 33.588 euphorische Zuschauer - verabschiedete ihre Elf mit Standing Ovations. Lanzarote bleibt damit in der oberen Tabellenhälfte und darf weiter vom internationalen Geschäft träumen. Schlusswort? Vielleicht dieses: Wenn Lanzarote so weiterspielt, wird aus der Urlaubsinsel bald ein Fußball-Märchenland. Und wer Atletic Barcelona gesehen hat, weiß: Manchmal ist Defensive eben nur ein anderes Wort für Dauerurlaub. 22.09.643990 17:22 |
Sprücheklopfer
Das Positive war, dass wir hinten zu Null gespielt haben. Das Negative war, dass wir auch vorne zu Null gespielt haben.
Felix Magath