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Wenn die Sonne über dem Stadion von Mallorca versinkt, erwartet man eigentlich Strandfeeling und sangríagefärbte Romantik. Doch am Montagabend bekamen die 27.156 Zuschauer auf der Insel etwas anderes serviert: ein hitziges, temporeiches 2:3, das Lanzarote CF zum Auftakt der Primera División einen Traumstart und RSO Mallorca einen handfesten Kater bescherte. Beide Teams spielten von Beginn an offensiv - Trainer Ciriaco Sforza ließ seine Mallorquiner mutig anlaufen, während Meister Leverkusen, der Coach von Lanzarote CF, demonstrativ den gepflegten Ballbesitz predigte. Am Ende hatte Lanzarote tatsächlich mehr vom Spiel (54 Prozent Ballbesitz, 15 Torschüsse), Mallorca aber mehr Nervenflattern. Die Partie begann mit einem wilden Hin und Her. Bereits in der 13. Minute sah Lanzarotes Abwehrchef Elmo Van Keuren Gelb, nachdem er Mallorcas Stürmer Diego Navarro in höchster Not legte. "Ich habe nur den Ball gespielt - der Ball war halt gerade im Fuß von Navarro", grinste Van Keuren nach der Partie und verschwand lachend im Kabinengang. Das Lachen sollte ihm bald vergehen, denn in der 22. Minute sorgte Marcio Galisteo für die erste Explosion auf den Rängen - allerdings auf der Gästeseite. Der 30-jährige Linksaußen drückte einen Pass von Georg Heller eiskalt ins Netz. Nur sieben Minuten später antwortete Mallorca: Mathias Herbst schickte Diego Navarro steil, und der traf trocken zum 1:1. "Ich hab nur gedacht: Nicht wieder drüber!", gestand Navarro hinterher mit einem Augenzwinkern. Nach der Pause legte Lanzarote los wie ein Vulkanausbruch auf der eigenen Insel. Binnen 120 Sekunden drehte sich das Spiel komplett: Erst traf Heller selbst in der 51. Minute nach herrlicher Vorarbeit von Pierre Bisson, dann legte derselbe Heller nur eine Minute später noch einen drauf - diesmal nach Zuspiel von Ignacio Mendivil. 1:3, ein Doppelschlag, von dem sich Mallorca kaum erholte. "In diesen zwei Minuten sahen wir aus, als hätten wir vergessen, dass Tore das Ziel des Spiels sind", grantelte Sforza später. Seine Abwehr wirkte in dieser Phase tatsächlich wie im Kurzurlaub - die Hintermannschaft ließ Heller zweimal unbedrängt abschließen. Doch Mallorca wäre nicht Mallorca, wenn es nicht wenigstens versucht hätte, das Drama noch in ein Happy End zu verwandeln. In der 60. Minute brachte Sforza den jungen Antonio Exposito und den 18-jährigen Sladan Asanovic. Und tatsächlich: Die frischen Beine belebten das Spiel. In der 67. Minute flankte Exposito mustergültig auf Julio Salinas, der zum 2:3 einnickte. Das Stadion tobte - zumindest kurz. Die letzten 20 Minuten waren ein wilder Schlagabtausch. Lanzarote zog sich nicht zurück, sondern spielte weiter nach vorne, fast schon übermütig. James Young schoss in der 68. und 69. Minute gleich zweimal gefährlich, ehe er in der 76. Minute Gelb sah - vermutlich aus Langeweile, weil er nicht schon wieder schießen durfte. Trainer Leverkusen nutzte die Gelegenheit zu einer kuriosen Dreifachwechslung: Er brachte gleichzeitig einen neuen Torwart, einen Innenverteidiger und einen Rechtsmittelfeldspieler. "Ich wollte einfach mal sehen, wie das aussieht", witzelte der Coach später. Mallorca drückte in der Schlussphase, hatte durch Navarro (82.) und Salinas (89.) noch zwei gute Chancen, aber Lanzarotes Ersatzkeeper Xabier Xuarez, der in der 76. Minute für Maurice gekommen war, hielt, als hätte er nie etwas anderes getan. "Wir haben Charakter gezeigt", sagte Heller, der Doppeltorschütze des Abends, nach dem Spiel - und fügte mit einem Grinsen hinzu: "Und ein bisschen Glück. Aber das gehört dazu, wenn man auf Mallorca spielt - da ist immer Sonne, aber nie Schatten." Für Lanzarote CF war es ein Auftakt nach Maß, für RSO Mallorca ein bitteres Erwachen. Die Statistik sprach am Ende eine klare Sprache: 15:8 Torschüsse für die Gäste, mehr Ballbesitz, mehr Effizienz - und ein Heller, der seinem Namen alle Ehre machte. Ciriaco Sforza nahm’s sportlich: "Wir haben viel investiert, aber Lanzarote hatte heute einfach den längeren Atem. Vielleicht liegt’s am Meerwind." Ein Spieltag, der Lust auf mehr macht - zumindest für Lanzarote. Mallorca dagegen sollte lieber schnell den Sand aus den Schuhen klopfen, bevor der nächste Gegner kommt. Und wer weiß: Vielleicht wird das Rückspiel auf Lanzarote ja der Moment, in dem Sforza seine Revanche bekommt - mit weniger Sonne, aber mehr Punkten. Bis dahin bleibt nur festzuhalten: Ein Vulkan hat auch auf Mallorca Feuer gespuckt - und hieß diesmal Georg Heller. 11.11.643993 12:31 |
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