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Ein lauer Februarabend auf Lanzarote, 33.433 Zuschauer im Estadio Insular, und der heimische Lanzarote CF hatte Lust auf Fußball - und zwar auf den schönen, schnellen, gnadenlosen. Am 21. Spieltag der 1. Liga Spanien zerlegte die Mannschaft von Trainer Meister Leverkusen den Gast aus Lugo mit 3:1 (2:0). Schon nach vier Minuten lag der Ball im Netz. Und, man glaubt es kaum: Es war nicht der Mittelstürmer, sondern der rechte Verteidiger Miroslav Despotovic, der die Inselbewohner früh jubeln ließ. "Ich hab einfach mal draufgehalten", grinste Despotovic später. "Georg (Heller) meinte, ich soll die Linie halten - ich hab lieber das Tornetz getroffen." Das war keine Floskel: Heller hatte den Treffer mit einem wuchtigen Pass eingeleitet, der so scharf kam, dass ein Balljunge an der Seitenlinie unwillkürlich in Deckung ging. Lugo CF, trainiert vom stets stoisch wirkenden Jordè Prado, wirkte überrascht, fast überrumpelt von der Angriffslust der Gastgeber. Zwar wollte Prado’s Team offensiv spielen - die taktischen Daten bestätigen ein mutiges "OFFENSIVE"-Schema - doch was nützt das, wenn die Defensive im Halbschlaf ist? Lanzarote kombinierte sich mit 52 Prozent Ballbesitz und 16 Torschüssen locker durch die Reihen. Lugo kam auf magere sechs Abschlüsse - da hilft auch kein "sicheres Schießen" aus der Taktiktafel. In der 29. Minute war es wieder Despotovic, der als Rechtsverteidiger plötzlich im Sturmzentrum auftauchte und nach feiner Vorarbeit von Ulf Berg das 2:0 markierte. "Ich hab kurz gedacht, wir hätten die Trikots vertauscht", witzelte Trainer Leverkusen nach dem Spiel. "Aber wenn ein Außenverteidiger zweimal trifft, macht man als Trainer offenbar etwas richtig." Zur Halbzeit war das Spiel praktisch entschieden. Lugo brachte zwar nach der Pause etwas mehr Energie mit, doch Lanzarote blieb dominant. Der bullige Mittelstürmer Srdan Vuk, frisch aus der Kabine und offenbar noch voller Adrenalin, machte in der 58. Minute mit dem 3:0 endgültig den Deckel drauf - nach Vorarbeit des quirlig agierenden Alfred Detari. Der Jubel war entsprechend ausgelassen, ein paar Fans zündeten bengalische Fackeln, während Vuk mit den Armen wedelte, als wolle er den Vulkan Teide aufwecken. Einziger Wermutstropfen aus Sicht der Gastgeber: In der 64. Minute verletzte sich der junge Linksverteidiger Klaus Müller nach einem unglücklichen Zweikampf. Er musste gestützt vom Platz, winkte aber tapfer noch ins Publikum. "Er hat sich wohl nur vertreten", meinte Leverkusen, "vielleicht war’s auch der Schock, dass Despotovic ihm die Torgefahr geklaut hat." Lugo kam spät noch zu einem Ehrentreffer: In der 84. Minute schlenzte der 20-jährige Matti Warzycha den Ball nach Zuspiel von Lorenzo Deconinck ins lange Eck - ein wirklich feiner Abschluss, der das 3:1 besiegelte. "Wir wollten wenigstens zeigen, dass wir auch noch da sind", sagte Warzycha hinterher. "Aber ehrlich, Lanzarote war heute eine Nummer zu heiß für uns." Die letzten Minuten wurden ruppiger: Gelb für Jaime Farinos (88.) und Pol Cercas (92.) - sinnbildlich für Lugos Frust und Lanzarotes Selbstbewusstsein. Die Inselkicker ließen den Ball noch lässig laufen, während Coach Leverkusen an der Seitenlinie mit verschränkten Armen grinste, als hätte er gerade das Rezept für ewigen Erfolg gefunden. Statistisch war’s ein klarer Fall: 16:6 Torschüsse, eine Zweikampfquote von 54 Prozent zugunsten der Hausherren, und eine Mannschaft, die nach vorne einfach mehr Ideen hatte. Lugo blieb bemüht, aber ungefährlich - selbst in der Nachspielzeit, als Righi und Romero zwei letzte Schüsse abgaben, die Lanzarotes Keeper Xabier Xuarez locker abfing. "Das war Lanzarote-Fußball, wie ich ihn liebe", resümierte Leverkusen. "Sonne, Sand und drei Punkte." Kollege Prado dagegen wirkte resigniert: "Wir haben offensiv gedacht, aber defensiv vergessen." So verließ ein gut gelauntes Publikum das Stadion, während die Wellen draußen am Atlantik rauschten. Lanzarote bleibt auf Kurs obere Tabellenhälfte, und Miroslav Despotovic dürfte sich spätestens jetzt über eine neue Rolle freuen - als Verteidiger mit Torinstinkt. Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen rief: "Wenn der weiter so trifft, stellen wir ihn bald ins Sturmzentrum!" Ein Satz, den Meister Leverkusen sicher mit einem Augenzwinkern notiert hat. 27.01.643991 23:58 |
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