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Was für ein Abend auf der Vulkaninsel! 39.284 Zuschauer im Estadio de los Vientos sahen ein Spiel, das seinem Namen alle Ehre machte: ein stürmisches Hin und Her, ein Platzverweis, zwei Heimsiege in einem - den im Ergebnis und den im Herzen. Lanzarote CF bezwang Racing Santander mit 2:1 (1:1) und schrieb damit ein weiteres Kapitel seiner eigenwilligen Heimstärke, irgendwo zwischen Leidenschaft und Leichtsinn. Die Partie begann, wie der Wind über den Atlantik bläst - unberechenbar. Bereits in der 23. Minute ließ Cesc Exposito die Gäste aus Santander jubeln. Nach feinem Zuspiel von Felipe Helguera zog der Mittelfeldstratege aus 18 Metern ab und traf trocken ins rechte Eck. Torwart Vincent Maurice streckte sich, wie man sich nur strecken kann, wenn man weiß, dass es nichts nützt. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", grinste Exposito nach dem Spiel, "aber er war drin - sehr drin." Drei Minuten später antwortete Lanzarote mit der Entschlossenheit eines Teams, das zu Hause keine Fremden duldet. Alfred Detari tankte sich auf der linken Seite durch, flankte butterweich - und Marcio Galisteo machte daraus das 1:1. Ein Tor, so kunstvoll wie ein Sonnenuntergang über Arrecife. "Marcio hat den Ball gerochen, bevor er ihn gesehen hat", schwärmte Trainer Meister Leverkusen später. Danach entwickelte sich ein offenes, beinahe trotziges Spiel. 50,4 Prozent Ballbesitz für Lanzarote, 49,6 für Santander - mathematisch ausgeglichen, emotional nicht. Die Hausherren spielten offensiv, aber ohne blindes Drauflosstürmen; Racing konterte klug, manchmal zu klug für die eigene Courage. Beide Teams kamen auf fast identische Werte bei Torschüssen (11:9), was den Spannungspegel konstant hoch hielt und den Zuschauern keine Gelegenheit gab, ihre Getränke auszutrinken. Kurz vor der Pause wechselte Leverkusen gleich dreifach - ein Statement, das irgendwo zwischen Genie und Wahnsinn rangierte. Henry Winston kam für den müden Ulf Berg, der nach eigener Aussage "mehr Sand als Ball" getroffen hatte. Außerdem ersetzte Youngster Ruben Mantecon den jungen Klaus Müller, und Enrique Penas durfte den rechten Flügel beleben. "Ich wollte frischen Wind", meinte der Coach trocken. Nun, Wind bekam er. Santander reagierte in der 59. Minute mit einer Dreifach-Auswechslung, brachte unter anderem den 18-jährigen Isidoro Pascual. Der Junge wirbelte - und schoss in der 70. Minute beinahe die Führung, doch Maurice parierte spektakulär. "Ich hab einfach die Augen zugemacht", gab der Keeper zu, "und gehofft, dass er mich trifft. Hat funktioniert." Als alle schon das Unentschieden in den Notizblock kritzeln wollten, geschah in der 87. Minute das, was Fußball so unberechenbar macht: Alfred Detari, der schon das 1:1 vorbereitet hatte, zog diesmal selbst ab - nach feinem Pass von Enrique Penas. Der Ball segelte ins Netz, das Stadion explodierte, und Trainer Leverkusen riss die Arme hoch, als hätte er gerade die Lotterie gewonnen. "Ich hatte das Gefühl, dass Alfred heute noch was vorhat", sagte er mit einem Zwinkern. Weniger glücklich verlief die Schlussphase für Rafael Estevo. Der Rechtsverteidiger, schon in der 14. Minute verwarnt, sah in der 88. Minute Gelb-Rot - und trottete vom Feld, als hätte ihm jemand den letzten Sonnenstrahl des Tages gestohlen. "Ich wollte nur den Ball treffen", murmelte er später, "aber der Ball war halt schnell." Santander drängte in Überzahl noch einmal, bekam in der 91. Minute eine Gelbe für Albert Vega - sinnbildlich für einen Abend, an dem viel versucht, aber wenig belohnt wurde. "Wir haben eigentlich gut gespielt", meinte Trainer Florian Kappels, "nur leider nicht gut genug in den entscheidenden Momenten." So blieb es beim 2:1 für Lanzarote - ein Sieg, der weniger aus Dominanz als aus Hartnäckigkeit geboren wurde. Die Statistik sprach von Gleichgewicht, das Ergebnis von Entschlossenheit. "Wir haben gezeigt, dass wir nicht nur Sonne und Strand können", grinste Detari, der Held des Abends, während ihm Sand an den Schuhen klebte. Und so ging ein Abend zu Ende, der bewies, dass Fußball auf Lanzarote mehr ist als ein Spiel: Es ist ein meteorologisches Ereignis. Wenn Trainer Leverkusen das nächste Mal von "frischem Wind" spricht, sollte man besser den Ball gut festhalten. 18.07.643993 19:37 |
Sprücheklopfer
Man darf über ihn jetzt nicht das Knie brechen.
Rudi Völler