// Startseite
| Tuttosport |
| +++ Sportzeitung für Italien +++ |
|
|
|
Es war ein Abend, wie ihn die 57.749 Zuschauer im Stadio Alberto Picco so schnell nicht vergessen werden: ein Spektakel aus Tempo, Technik, Taktik - und gelegentlicher Tollkühnheit. AS La Spezia zerlegte Gela mit 4:1, und das, obwohl die Gäste eigentlich mehr Ballbesitz hatten (52 zu 48 Prozent). Aber was nützt das runde Leder, wenn man damit nur den Rasen streichelt? Dabei hatte alles so gut für Gela begonnen. In der 35. Minute war Lucas Cochran zur Stelle, als Marcel Marcel - ja, der Mann heißt wirklich so - ihn mit einem Pass in die Tiefe bediente. Cochran blieb cool, schob den Ball ins lange Eck, und Gästecoach Michael Müller ballte kurz die Faust. "Da dachte ich: Heute läuft’s", sagte er danach mit einem bitteren Lächeln. Doch kaum hatte Müller den Satz zu Ende gedacht, war’s schon vorbei mit der Herrlichkeit. Zwei Minuten später schlug AS La Spezia zurück. Arnau Manu, der bullige Mittelstürmer, verwertete eine butterweiche Flanke von Harry Henderson zum Ausgleich - 1:1. "Wir hatten kaum Zeit, den Jubel der Gäste zu verdauen", grinste Heimtrainer Helly Steiner später. Dann kam Minute 44. Joseba Valente, der Mann mit dem feinen Fuß, zog aus gut 20 Metern ab, nachdem Enrico Terranova ihm den Ball elegant serviert hatte. Der Schuss schlug ein wie ein Silvesterböller - 2:1. Und weil’s so schön war, legte Rauf Ayhan keine 60 Sekunden später gleich nach. Wieder war Henderson der Vorbereiter, wieder sah Gelas Abwehr aus wie auf dem Pausenhof. 3:1 zur Halbzeit - eine Lehrstunde in Effizienz. "In der Kabine haben wir uns angeschaut und wussten: Entweder wir drehen das, oder wir werden Teil eines Lehrfilms über Abwehrfehler", seufzte Gela-Kapitän Serhat Aydemir, der sich später auch noch Gelb abholte (69.). Doch statt einer Aufholjagd folgte der endgültige Knockout. In der 54. Minute war es erneut Ayhan, der - man ahnt es - wieder nach Vorarbeit von Harry Henderson - das 4:1 erzielte. Doppeltorschütze, Doppelpass, Doppelfrust bei den Gästen. Hendersons drittes Assist des Abends brachte ihm den inoffiziellen Titel des "Maestro di Spezia". Danach spielte La Spezia die Partie mit einer Nonchalance herunter, die fast schon provozierend wirkte. Taktisch blieb Steiner seiner offensiven Linie treu, während Müller die Schrauben anzog, um wenigstens Schadensbegrenzung zu betreiben. Seine Wechsel - Martins raus, Brun rein (61.), später Bedard für Marcel und Tarrega für Garcia - brachten zwar frische Beine, aber keine Ideen. "Wir haben gedrückt, aber eher wie ein kaputtes Bügeleisen", murrte Müller trocken. La Spezia dagegen zeigte Spielfreude: insgesamt 16 Torschüsse, davon viele sehenswert. Hendersons Weitschuss in der 74. Minute zischte nur Zentimeter vorbei, und auch Arnau Manu hätte fast noch sein zweites Tor erzielt, scheiterte aber mehrfach an Gelas Keeper Razvan Iorgulescu. Das Publikum feierte jeden gelungenen Pass, als ginge es um den Scudetto. Und als Helly Steiner in der 82. Minute Harry Henderson unter Applaus vom Feld nahm, kommentierte der Trainer grinsend: "Ich wollte ihn nur vor sich selbst schützen - er hätte sonst noch das fünfte vorbereitet." Ein kleines Kuriosum am Rande: Trotz klarer Führung blieb La Spezia taktisch auf "offensiv" eingestellt, während Gela gegen Ende verzweifelt auf Pressing umstellte - zu spät und zu unkoordiniert. Das Ergebnis: ein paar hektische Minuten, ein paar Fouls, aber keine Wende. Nach dem Abpfiff standen sich die Trainer kurz an der Seitenlinie gegenüber. Steiner klopfte Müller auf die Schulter und sagte: "Kopf hoch - die Statistik war ja auf eurer Seite." Müller grinste schief: "Ja, aber leider nicht das Torverhältnis." Fazit: La Spezia siegt mit Stil, Humor und Effizienz. Gela verliert mit mehr Ballbesitz, aber weniger Biss. Und irgendwo zwischen den Tribünen summte einer der Fans: "Vier Tore, drei Assists - Henderson ist unser Held." Ein Abend also, an dem Zahlen Geschichten erzählen - und La Spezia die schöneren schrieb. 17.03.643987 23:17 |
Sprücheklopfer
Je länger ich darüber nachdenke, desto definitiver stehe ich nicht zur Verfügung.
Franz Beckenbauer