La Razon
+++ Sportzeitung für Argentinien +++

La Plata trotzt Huracán - Acht-Tore-Wahnsinn im Estadio del Sol

Wenn man an einem lauen Sommerabend in La Plata Fußball sehen will, rechnet man vielleicht mit Leidenschaft, vielleicht mit Chaos - aber sicher nicht mit einem 4:4-Fest der Extreme. Doch genau das lieferten CD La Plata und Huracán am 11. Spieltag der 1. Liga Argentiniens vor 46.890 begeisterten (und leicht erschöpften) Zuschauern ab. Acht Tore, eine Gelbe Karte, zwei aufgeschriebene Herzinfarkte bei den Betreuern - und ein Spiel, das keiner so schnell vergessen wird.

Schon die Anfangsminuten deuteten an, dass Huracán hier nicht zum Blumenpflücken angereist war. Bereits in der 11. Minute zimmerte Pedro Pelaez den Ball aus spitzem Winkel ins Netz - 0:1. "Ich habe einfach draufgehalten, weil keiner ’nein’ gesagt hat", grinste der 30-jährige Rechtsaußen später. La Plata schien überrascht, fast beleidigt. Und kaum hatte man sich sortiert, folgte schon der nächste Schlag: Freddie Broderick erhöhte nach 37 Minuten artistisch, bedient von Richard Kraft, auf 0:2. Zwei Minuten später setzte Peter Kohut noch einen drauf - 0:3. Huracán spielte in dieser Phase wie eine Maschine, präzise, schnörkellos, und mit der Kälte eines Schachcomputers.

Trainer Diego Simeone, an der Seitenlinie gewohnt expressiv, brüllte etwas, das entfernt nach "weiter, weiter!" klang, während sein Kollege Leni Malou auf der anderen Bank stumm an einer Wasserflasche kaute. Doch dann, kurz vor der Pause, ein Lebenszeichen: Julio Ferreira, der bullige Mittelstürmer La Platas, traf nach einer Ecke von Jordi Caneira zum 1:3 (43.). Ein Tor, das das Stadion elektrisierte - und offenbar auch die Kabine.

"Ich habe ihnen in der Halbzeit gesagt, dass wir immerhin schon ein Tor mehr haben als letzte Woche zu diesem Zeitpunkt", verriet Malou später mit einem trockenen Lächeln. Offenbar wirkte die Ansprache. Denn kaum war der zweite Durchgang angepfiffen, entschied sich La Plata, auch mal mitzuspielen. In der 56. Minute schlenzte der 19-jährige Mario Ramallo den Ball wundervoll ins linke Eck - 2:3. Der Junge hatte Mut und, wie er selbst sagte, "einfach zu viel Koffein im Blut".

Huracán versuchte, den Rhythmus wiederzufinden, doch das Spiel kippte. In der 68. Minute war es erneut Ferreira, der nach starker Vorarbeit von Juan Pablo Perales das 3:3 erzielte. Das Stadion tobte. Simeone lief rot an, Malou tanzte eine Art argentinischen Freudentango an der Linie.

Doch Huracán wäre nicht Huracán, wenn sie das Drama nicht lieben würden. In der 82. Minute brachte der eingewechselte 19-jährige Christiano de Freitas die Gäste wieder in Front - 3:4. Ein typisches Simeone-Tor: eiskalt, effizient, und mit dieser "wir-zerstören-euch"-Attitüde. "Ich wollte einfach zeigen, dass ich nicht nur den Namen habe", meinte der Youngster mit einem Augenzwinkern.

Doch wer glaubte, damit sei der Abend entschieden, kennt La Plata schlecht. In der 89. Minute kam der Moment, der dieses Spiel unsterblich machte: Mario Ramallo, erneut dieser furchtlose Teenager, zog aus 20 Metern ab - der Ball zischte wie ein Komet in den Winkel. 4:4! "Ich dachte, der Ball fliegt über das Stadion hinaus", lachte Ramallo später, "aber anscheinend hatte er Lust auf Ruhm."

Danach wackelten beide Teams zwischen Wahnsinn und Erschöpfung, ein letzter Schuss von Huracán in der Nachspielzeit verfehlte knapp das Ziel. Als Schiedsrichter Ortega endlich abpfiff, fiel halb La Plata auf die Knie - die andere Hälfte umarmte sich einfach.

Statistisch war das Spiel ein Paradoxon: Huracán mit 14 Torschüssen und leicht weniger Ballbesitz (49,8 %) dominierte lange, während La Plata mit nur acht Abschlüssen maximale Effizienz bewies. Zwei Gelbe Karten bei den Gastgebern (Solana, Caneira) passten ins Bild eines Teams, das sich erst wehrte, als es fast zu spät war.

"Wir haben gelernt, dass man 90 Minuten spielen muss", sagte Trainerin Leni Malou. Simeone sah das etwas anders: "Wir haben 89 Minuten dominiert - aber leider dauert Fußball 90."

Ein 4:4, das keiner wollte, aber alle liebten. Und irgendwo zwischen Verzweiflung und Begeisterung schwebte dieser ganz eigene argentinische Fußballwahnsinn - laut, unberechenbar, und am Ende irgendwie gerecht.

Oder, wie ein alter Fan beim Verlassen des Stadions murmelte: "Wenn das so weitergeht, bring ich beim nächsten Mal Baldrian mit."

14.05.643987 19:09
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Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
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