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Krieger krönt Lygias Geduld - später Jubel in Warschau

Warschau - Es war ein Geduldsspiel, ein Nervenkrimi, ein 90-minütiger Tanz auf dem Drahtseil zwischen "gleich platzt der Knoten" und "bitte nicht schon wieder ein 0:0". Am Ende jubelten die 32.564 Zuschauer im Stadion von Lygia Warschau doch noch, als Julian Krieger in der 85. Minute den Ball ins Netz drosch - und damit den 1:0-Sieg gegen Sokol Lomza perfekt machte.

Die Partie des ersten Spieltags der 1. Liga Polen begann mit viel Feuer, aber wenig Zielwasser. Bereits in der zweiten Minute prüfte Liam Millington den jungen Lomza-Keeper Filip Furtok mit einem satten Schuss. "Da dachte ich, das wird heute ein Festival", grinste Trainer Kamil Breer später, "aber dann war’s eher ein Kammerkonzert - mit vielen leisen Tönen."

Lygia übernahm früh die Kontrolle. 19 Torschüsse, 52 Prozent Ballbesitz - die Zahlen erzählen eine klare Geschichte. Doch wie so oft im Fußball: Statistik gewinnt keine Spiele. Sokol Lomza, vom niederländischen Trainer Roy Mak auf "balancierte Defensive" getrimmt, hielt mit jugendlicher Unbekümmertheit dagegen. Die Gäste, im Schnitt kaum älter als 21, verteidigten mit Herz, Bein und gelegentlich auch etwas zu viel Ellenbogen. In der 31. Minute sah Rechtsverteidiger Severin Gorski Gelb, nachdem er Tiago Peyroteo an der Seitenlinie eher umgepflügt als gestoppt hatte.

Breer, an der Seitenlinie gewohnt unaufgeregt, wechselte zur Pause doppelt: Christiano Quaresma und Julian Krieger kamen. "Ich sagte Julian, er soll einfach Spaß haben", verriet der Coach danach. "Vielleicht war das der entscheidende Tipp."

Denn der zweite Durchgang gehörte fast ausschließlich den Gastgebern. Millington schoss in der 61. Minute knapp vorbei, Duarte Assis vergab in der 70. eine Doppelchance, und selbst Innenverteidiger Antonio Machado versuchte sich aus 20 Metern - es roch förmlich nach dem Tor, aber der Ball wollte nicht rein. Auf der anderen Seite beschränkte sich Sokol auf vereinzelte Konter. Hugo Antunes hatte in der 72. Minute die einzige echte Gelegenheit der Gäste, doch Lygia-Torwart William Nolan parierte sicher.

Dann kam die 85. Minute. Quaresma, ein 19-jähriger Wirbelwind auf der linken Seite, setzte sich im Dribbling durch, legte quer - und Krieger stand genau da, wo ein rechter Mittelfeldspieler stehen muss, wenn er Geschichte schreiben will. Ein Schuss, ein Strahl, ein Tor. Das Stadion explodierte. "Ich hab den Ball gar nicht richtig gesehen, nur das Netz zappeln", lachte Krieger nach dem Spiel. "Und dann war plötzlich alles laut."

Sokol Lomza wirkte geschockt, versuchte aber noch einmal, die Offensive zu suchen. Trainer Roy Mak brüllte von der Seitenlinie: "Alles nach vorne!", doch seine Jungs hatten schlicht keine Körner mehr. Nach 90 Minuten stand das 1:0, und Warschau feierte einen späten, aber verdienten Auftakt-Dreier.

"Wir haben viel investiert, manchmal zu viel nachgedacht", analysierte Breer. "Aber das Tor war die Belohnung für unsere Geduld." Kollege Mak sah es ähnlich, nur mit anderer Betonung: "Wenn du 85 Minuten verteidigst und dann so ein Ding kriegst, willst du eigentlich den Rasen essen. Aber meine Jungs haben Charakter gezeigt."

Auch die Fans zeigten Humor. "Ich hab schon gedacht, wir müssten den Ball hypnotisieren", rief ein Zuschauer beim Abpfiff. Ein anderer meinte trocken: "Wenn das so weitergeht, ist Krieger bald Volksheld - oder unser einziger Torschütze."

Fakt ist: Lygia Warschau spielt offensiv, mutig, mit jugendlicher Frische - aber es fehlt noch an Kaltschnäuzigkeit. 19 Torschüsse, ein Treffer: Das kann man als Chancenwucher bezeichnen oder als "Anlaufzeit". Breer wählte Letzteres: "Lieber 19-mal schießen als gar nicht. Irgendwann geht einer rein - heute war’s der 19."

Für Sokol Lomza bleibt der Trost, einem Favoriten lange Paroli geboten zu haben. "Unsere Jungs sind jung, sie lernen", sagte Mak. "Und wenn sie sich merken, dass das Spiel 90 Minuten dauert, wird das noch spannend."

Warschau dagegen darf träumen. Ein später Sieg, ein junger Held, ein euphorisches Publikum - Fußballherz, was willst du mehr? Vielleicht nur, dass das nächste Tor etwas früher fällt.

Denn eines ist sicher: Wenn Lygia weiter so spielt, wird’s für die Fans nie langweilig - auch wenn sie sich ab und zu wünschen, der Schlusspfiff käme schon nach dem ersten Tor.

11.11.643993 13:30
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