De Standaard
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KRC Mechelen ringt Antwerpen nieder - 2:1 nach kampfbetontem Derby-Abend

Ein kalter Februarabend, Flutlicht über dem Stadion Achter de Kazerne, 20.000 Zuschauer mit Schal, Stimme und Bier bewaffnet - und mittendrin ein KRC Mechelen, der sich gegen den SC Antwerpen in einen wahren Rausch spielt. Am Ende stand ein 2:1 auf der Anzeigetafel, das ebenso verdient wie hart erarbeitet war.

Trainer Holger Thonke, sonst eher der bedächtige Typ, grinste nach dem Abpfiff wie ein Lotto-Gewinner: "Ich hab den Jungs gesagt, wenn wir heute nicht rennen, dann rennen uns die Antwerper über den Haufen. Sie haben’s wörtlich genommen - und das war gut so."

Von Beginn an war Feuer drin. Antwerpen wirkte in der Anfangsphase wacher, Zoran Rukavina prüfte schon nach zwei Minuten Mechelens Keeper Clément De Both, der den Ball spektakulär mit einer Hand aus dem Eck fischte. "Ich dachte, der Ball sei schon drin", stöhnte Rukavina später, "aber der Typ im Tor hatte was dagegen."

Nach rund zehn Minuten wachte Mechelen endgültig auf. Der quirlige Diego Domingos begann, das Mittelfeld zu beherrschen, und Dorian Prevoost versuchte es gleich mehrfach mit wuchtigen Schüssen. Die Hausherren schossen aus allen Lagen - 17 Torschüsse am Ende sprechen Bände - während Antwerpen mit mageren sechs Versuchen auskommen musste.

In der 38. Minute dann der Durchbruch: Domingos setzte sich auf links mit einem frechen Haken durch, flankte halbhoch in den Strafraum, wo Arno Wuytack lauerte. Der Stürmer nahm den Ball direkt - und drin war er. 1:0 für Mechelen, das Stadion bebte. "Ich hab nur gesehen, dass Diego den Ball reinzwirbelt. Wenn du da nicht mit der Stirn dran gehst, kriegst du später Ärger beim Teamabend", lachte Wuytack nach dem Spiel.

Zur Pause führte Mechelen verdient, doch Thonke war nicht zufrieden. "Wir hätten zwei oder drei machen können. Ich hab in der Kabine gesagt: Jungs, Tore schießen ist keine Schande." Offenbar kam die Botschaft an, denn kurz nach Wiederanpfiff erhöhte Jason Burghgraeve in der 57. Minute auf 2:0. Silvestre Diez hatte sich zuvor auf der linken Seite durchgetankt und präzise abgelegt. Burghgraeve schob trocken ins lange Eck - typisch für den Mann, der selten laut, aber oft entscheidend ist.

Antwerpen, bislang taktisch ausgewogen und kontrolliert, wankte. Doch aufgeben war keine Option. In der 67. Minute kam der alte Haudegen Tom John - 48 Jahre jung und immer noch mit mehr Übersicht als mancher Zwanziger - zum Abschluss. Nach einem cleveren Zuspiel von Luís Nene zog John aus 18 Metern ab und verkürzte zum 2:1. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste der Veteran später, "aber wenn’s so reingeht, beschwert sich keiner."

Was folgte, war eine hitzige Schlussphase. Gabriel Bouchard kassierte in der 79. Minute Gelb, Silvestre Diez folgte ihm zehn Minuten später - beide Male wegen zu viel Einsatzfreude. "Wenn man schon führt, muss man auch zeigen, dass man’s ernst meint", kommentierte Trainer Thonke trocken.

Antwerpen drückte noch einmal, doch Mechelen verteidigte mit Herz und Verstand. Keeper De Both pflückte die letzten hohen Bälle aus der Luft, während die Fans längst im Freudentaumel lagen.

Statistisch war die Sache klar: 52 Prozent Ballbesitz für Mechelen, 17:6 Torschüsse, 54 Prozent gewonnene Zweikämpfe - das sind Zahlen, mit denen sich auch der nüchternste Analyst anfreunden kann.

Nach dem Abpfiff war die Stimmung ausgelassen. Burghgraeve wurde zum Mann des Abends gekürt, während Antwerpen-Trainer (dessen Name man im Trubel kaum hörte) mit zusammengekniffenen Lippen in Richtung Kabine stapfte. "Wir haben gut gespielt, aber Mechelen war galliger", sagte er später ins Mikrofon, "und Galligkeit gewinnt manchmal Spiele."

Auf der Pressekonferenz lehnte sich Holger Thonke schließlich zurück, nahm einen Schluck Wasser und meinte süffisant: "Ich sag’s ungern, aber das war fast zu schön. Wenn wir so weitermachen, muss ich mir bald Sorgen um meinen Blutdruck machen."

In Mechelen jedenfalls dürfte der Puls noch eine Weile höher schlagen. Ein verdienter Sieg, ein aufopferungsvoll kämpfendes Team und ein Publikum, das von der ersten bis zur letzten Minute mitging - Fußballherz, was willst du mehr?

Und während draußen die letzten Fans in die kalte Nacht hinausstolperten, hörte man einen von ihnen rufen: "Wenn wir so weiter spielen, holen wir noch Europa!" - Na, wer weiß. In diesem Spiel jedenfalls hatte Mechelen schon ein kleines Stück davon gefunden.

25.07.643990 23:19
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Fußball spielt sich zwischen den Ohren ab. Da war teilweise Brachland, das neu bepflanzt werden musste.
Rainer Bonhof
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