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Kottingbrunns frühes Feuerwerk schickt Baumgarten aus dem Pokal

Ein Pokalabend, wie er für den FC Baumgarten kaum schlimmer hätte beginnen können: Noch ehe die meisten der 9000 Zuschauer ihren Platz auf den Tribünen gefunden hatten, zappelte der Ball bereits im Netz. Ganze 60 Sekunden waren gespielt, als Kottingbrunns Linksverteidiger Philip Steffens mit einem wuchtigen Schuss aus gut 25 Metern das 0:1 markierte. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Steffens nach dem Spiel, "aber gut, manchmal hört der Ball einfach auf mich." Baumgartens Torwart Polikarp Chomutow sah dabei aus, als hätte er selbst nicht geglaubt, dass Steffens so etwas vorhat.

Von diesem Schock erholte sich die junge Baumgartener Mannschaft den ganzen Abend über nicht. Kottingbrunn, angeführt von Trainer Michael Goldfinger - dessen Name an diesem Abend Programm war - dominierte nach Belieben. 23 Torschüsse gaben seine Spieler ab, während Baumgarten sich mit einem einzigen Versuch begnügte. "Das war kein Klassenunterschied, das war ein Universum", murmelte ein frustrierter Baumgarten-Fan in der Halbzeitpause und biss in seine kalte Käsekrainer.

Nach dem frühen Rückstand versuchte Baumgarten, sich irgendwie ins Spiel zu kämpfen. Helmut Rieger, der einzige, der im ersten Durchgang wenigstens einmal aufs Tor schoss (in der 11. Minute), sorgte kurz für ein Raunen im Stadion - dann war wieder Ruhe, und zwar für lange Zeit. Kottingbrunn spielte derweil wie im Training: kurz, präzise, unaufgeregt. Die Ballbesitzstatistik sprach Bände - 59,5 Prozent für die Gäste, gefühlt eher 80.

In der 34. Minute folgte der zweite Stich ins Baumgartener Herz: Georgi Berbatow, der bullige Linksaußen, vollendete nach feinem Zuspiel des erst 19-jährigen Maximilian Merkel zum 0:2. "Maxi hat das Auge, ich habe den Fuß - perfekte Arbeitsteilung", lachte Berbatow später in der Mixed Zone. Trainer Goldfinger nickte zufrieden: "Wir wollten ruhig bleiben, das zweite Tor erzwingen - das war genau der Moment, in dem sich die Mannschaft belohnt hat."

Baumgartens Trainer - der nach dem Spiel lieber anonym bleiben wollte, "weil’s sonst wieder heißt, ich hätte keine Ahnung" - gestand offen ein: "Wir waren in allen Belangen unterlegen. Nur beim Laufen vielleicht nicht - aber das halt ohne Ball."

Die zweite Halbzeit verlief, man muss es so sagen, eher gemütlich. Kottingbrunn schaltete zwei Gänge zurück, Baumgarten fand trotzdem keinen Weg nach vorn. Chomutow im Tor des Heimteams wurde zum besten Mann auf dem Platz, weil er gleich mehrfach gegen Coluna, Hennig und Berbatow rettete. Einmal, in der 69. Minute, raunte er nach einer Parade sogar seinem Verteidiger zu: "Wenn ihr wollt, dass ich alles allein mache - sagt’s gleich!" Der Verteidiger nickte nur müde.

Als die Nachspielzeit bereits lief, setzte Kottingbrunn den Schlusspunkt: Florian Schmitt traf nach Vorarbeit von Routinier Carlos Coluna zum 0:3-Endstand. Goldfinger wollte da schon gar nicht mehr jubeln. "Wir wollten nur noch gesund heimkommen", sagte er, "aber wenn’s läuft, dann läuft’s."

Die Statistik unterstreicht die Einseitigkeit des Abends: 23:1 Torschüsse, knapp 60 Prozent Ballbesitz für Kottingbrunn, eine Zweikampfquote von fast 59 Prozent. Baumgarten versuchte es mit einem "ausgewogenen" taktischen Konzept, wie es im Trainerjargon heißt - sprich: man tat nichts Verrücktes, aber leider auch nichts Wirksames. Kottingbrunn hielt sich ebenfalls an den Plan, wirkte aber in jeder Aktion selbstbewusster, reifer, abgeklärter.

Nach dem Abpfiff summte das Stadion leise vor Enttäuschung. Ein älterer Baumgarten-Anhänger winkte ab: "Früher hatten wir wenigstens noch einen Plan B - jetzt haben wir Polikarp." Der Torwart lächelte gequält, als man ihn darauf ansprach: "Ich geb mein Bestes. Nur schade, dass das heute nicht gereicht hat."

Kottingbrunn zieht damit verdient in die dritte Pokalrunde ein und darf weiter vom großen Coup träumen. Baumgarten hingegen wird sich an diesen Februarabend noch lange erinnern - als jenen, an dem der Pokaltraum nach 90 Minuten und einem Tor in der ersten Spielminute in Rauch aufging.

"Wir lernen draus", versprach Kapitän Jesper Ohlsson beim Rausgehen. "Nächstes Jahr kommen wir weiter - oder wenigstens bis zur zweiten Minute, bevor’s klingelt."

Und so ging ein Pokalabend zu Ende, der für die einen ein rauschendes Fest, für die anderen eine lange Nacht der Erkenntnis war. Wer’s positiv sehen will: Die Rasenpflege des FC Baumgarten hatte an diesem Abend kaum etwas zu tun - der Ball war ja fast nie auf ihrer Hälfte.

13.10.643990 13:25
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Man darf das Spiel doch nicht so schlecht reden wie es wirklich war.
Olaf Thon
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