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Kottingbrunn zerlegt Baumgarten - ein Pokalabend mit Ansage

Ein Pokalabend, wie ihn die 44.250 Fans im Stadion von Kottingbrunn so schnell nicht vergessen werden: Die Hausherren zerlegten den FC Baumgarten in seine Einzelteile, gewannen 4:0 (1:0) und hätten locker noch ein halbes Dutzend Treffer nachlegen können. Man könnte fast sagen, Baumgarten war da - aber nur physisch.

Schon nach zehn Minuten war klar, wohin die Reise geht. Curt Schwarz, 19 Jahre jung, blond, schnell und offenbar ohne Nerven, traf nach einem energischen Sprint über rechts zum 1:0. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste der Teenager später in die Mikrofone, "aber der Ball meinte wohl, er will lieber ins Netz." Trainer Michael Goldfinger lachte laut auf: "Wenn alle meine Spieler so ’versehentlich’ treffen würden, wäre ich schon dreimal Meister."

Danach spielte nur noch Kottingbrunn. 24 Torschüsse, 60 Prozent Ballbesitz, null Schüsse der Gäste - ja, richtig gelesen: null. Baumgartens Torhüter James Corey war gleichzeitig der beste und der bedauernswerteste Mann seines Teams. "Ich fühle mich wie ein Boxer, der zwölf Runden überlebt hat, aber keinen Schlag gelandet hat", sagte er nach dem Spiel.

Die Gäste versuchten es mit einer ausgewogenen Taktik, aber "ausgewogen" bedeutete in diesem Fall: defensiv überfordert und offensiv abwesend. Ihr Trainer (dessen Name die Statistikliste verschwiegen hat, vielleicht aus Selbstschutz) stand stoisch an der Seitenlinie, während seine Mannschaft um Luft rang. Ein Reporter fragte ihn nach dem Spiel, ob er einen Plan B gehabt habe. "Ja", antwortete er trocken, "aber der lag im Bus."

Kottingbrunn dagegen kombinierte, als hätten sie den Ball gemietet. Carsten Kolb, 22, zog im Mittelfeld die Fäden, verteilte Pässe wie ein Barkeeper Longdrinks und belohnte sich in der 61. Minute selbst: Schwarz legte quer, Kolb zog ab - 2:0. "Einstudiert", behauptete Kolb später. Schwarz konterte lachend: "Quatsch, ich hab ihn einfach angeschossen."

Baumgarten taumelte, aber Kottingbrunn wollte mehr. Der junge Maximilian Merkel (18) kam und brachte frischen Wind - und prompt legte er in der 81. Minute den dritten Treffer auf: Wieder Schwarz, wieder eiskalt, diesmal nach einem Pass in den Lauf. Das Publikum jubelte, als wäre der Pokalsieg schon sicher. "Wenn der Junge so weitermacht", raunte ein älterer Fan mit Wurst in der Hand, "verkaufen wir ihn bald nach England - oder wenigstens nach Wiener Neustadt."

Doch der Schlusspunkt gehörte Georgi Berbatow, dem bulligen Linksaußen, der bis dahin alles versucht hatte: Fallrückzieher, Drehschüsse, sogar ein Kopfball im Sitzen. In der 92. Minute klappte es endlich. Nach Vorarbeit von Kolb jagte er den Ball unter die Latte - 4:0, die Kirsche auf der Sahnetorte. Berbatow breitete die Arme aus wie ein Dirigent, der gerade Beethovens Neunte uraufgeführt hat. "Das war Frustabbau pur", gab er zu, "nach so vielen Chancen musste irgendwann was rein."

Bei aller Euphorie kassierte Kottingbrunn auch drei Gelbe Karten - Ackermann, Steffens und Merkel - offenbar, um zu beweisen, dass sie noch menschlich sind. Baumgartens Isaac Connolly durfte sich ebenfalls in die Statistik eintragen, allerdings nur wegen eines rustikalen Einsteigens kurz vor Schluss - ein Symbol für den Abend: zu spät, zu hart, zu wenig Wirkung.

Trainer Goldfinger zeigte sich nach dem Spiel zufrieden, aber nicht überschwänglich. "Wir haben das umgesetzt, was wir trainiert haben", sagte er mit gewohntem Understatement. Dann grinste er: "Na gut, vielleicht ein bisschen besser."

Die Fans sangen noch lange nach Abpfiff, während die Baumgartner schweigend in den Kabinengang schlichen. Einer der Ordner meinte trocken: "Wenn’s beim Rückspiel auch so läuft, brauchen wir gar kein Rückspiel."

Ein Pokalabend, der alles hatte: jugendliche Unbekümmertheit, Tore, Humor - und eine Mannschaft, die den Ball wollte, und eine, die ihn nie bekam. Kottingbrunn steht souverän in der nächsten Runde, Baumgarten hat immerhin gelernt, dass man auch ohne Torschuss 90 Minuten überstehen kann.

Und irgendwo zwischen Jubel, Pyro und Punsch dachte sich ein Fan: "Wenn das so weitergeht, brauchen wir bald ein größeres Stadion."

(≈610 Wörter)

26.05.643987 11:22
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Der Dieter Hoeneß hat die Glatze noch ganz nass gehabt. Da geht es um 30 bis 35 Millionen. Das ist Monopoly original.
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