// Startseite
| Sportwoche |
| +++ Sportzeitung für Österreich +++ |
|
|
|
Kottingbrunn - 44.250 Zuschauer im Stadion, Flutlicht, Pokalstimmung, und am Ende ein Ergebnis, das nüchtern betrachtet klein aussieht, aber in Wahrheit ein Statement war: Kottingbrunn schlägt Freistadt mit 1:0 und zieht in die nächste Runde ein. Wer nur das Resultat liest, denkt an ein müdes Ringen zweier Defensivkünstler. Wer das Spiel gesehen hat, weiß: Freistadt hätte sich über eine zweistellige Niederlage auch nicht beschweren dürfen. "Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft der Ball bei uns im Strafraum war", seufzte Freistadt-Keeper Patrick Beck nach dem Spiel, noch immer leicht benommen vom Dauerbeschuss. 22 Torschüsse feuerten die Hausherren ab - Freistadt hingegen schaffte es, und das ist kein Tippfehler, auf null. Kein einziger Ball fand den Weg Richtung Tor von Pol Moutinho. Der Kottingbrunner Torhüter hätte theoretisch in der zweiten Halbzeit ein Sudoku lösen können. Das einzige Tor fiel in der 33. Minute - und es war so schön, dass die Zeit kurz stillzustehen schien. Linksverteidiger Robert Nolan, 34, ein Mann, der sonst eher für rustikale Grätschen als für filigrane Kunst bekannt ist, stürmte plötzlich mutig nach vorne. Nach einem butterweichen Pass von Carlos Coluna zog Nolan aus gut 20 Metern einfach mal ab. Der Ball zischte wie eine Postkarte ins rechte obere Eck. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Nolan hinterher schmunzelnd. "Aber wenn’s so reingeht, sag ich natürlich nix." Trainer Michael Goldfinger hatte vorhergesagt, dass seine Mannschaft "nicht auf Glück hoffen" müsse. Er behielt recht. Kottingbrunn kontrollierte Ball und Gegner, hielt mit 55 Prozent Ballbesitz das Heft in der Hand - und zeigte, dass man auch ohne übertriebene Aggressivität ein Spiel dominieren kann. Die Taktik? "Ganz einfach", so Goldfinger. "Wir wollten spielen, Freistadt wollte hoffen." Freistadt-Coach, der seinen Namen aus unerfindlichen Gründen nicht nennen wollte, fasste das Geschehen mit Galgenhumor zusammen: "Wir hatten einen klaren Plan - wir wollten sie einschläfern. Hat fast geklappt." Tatsächlich wirkte seine Mannschaft phasenweise wie in Hypnose: kein Zugriff im Mittelfeld, keine Entlastung nach vorne, kein einziger Torschuss in 90 Minuten plus Nachspielzeit. Georgi Berbatow, der unermüdliche linke Flügelmann der Gastgeber, hätte allein fünf Treffer erzielen können. Zwischen Minute 35 und 93 prüfte er Freistadts Torhüter gefühlt im Fünf-Minuten-Takt. "Ich hätte mir heute gern ein Souvenir mitgenommen - zum Beispiel einen Ball, der nicht direkt auf mich zufliegt", grinste Beck, der trotz der Niederlage der beste Mann seines Teams war. Ein kleiner Schreckmoment ereignete sich in der 64. Minute: Routinier Robert Nolan musste nach einem Zweikampf verletzt vom Platz, wurde aber unter Applaus durch Philip Steffens ersetzt. Diagnose laut Teamarzt: "Nichts Dramatisches - wahrscheinlich übertrainiert vom Jubeln über das Tor." Im Publikum herrschte ausgelassene Stimmung, auch weil niemand so recht wusste, ob man diese Kottingbrunner nun als Minimalisten oder als Chancenverschwender feiern sollte. "Das war ja wie eine Dauerwerbesendung für Torhüterhandschuhe", witzelte ein Fan auf der Tribüne. Nach dem Schlusspfiff nahm Goldfinger seine Spieler in den Arm und sagte in Richtung Presse: "Wir wollten zeigen, dass wir Pokal können. Und wenn’s sein muss, auch ohne Schützenfest." Die Botschaft kam an. Freistadt verabschiedete sich höflich, aber wohl wissend, dass man an diesem Abend weit entfernt war vom eigenen Anspruch. Und so bleibt ein Resultat, das auf dem Papier knapp scheint, aber auf dem Platz eine klare Sprache sprach. Kottingbrunn dominierte, spielte mit Plan, Geduld und einem Schuss Ironie. Freistadt dagegen war nur Statist im Fußballtheater. Fazit des Abends? Wer 22 Mal aufs Tor schießt und 1:0 gewinnt, darf sich über Effizienz streiten - oder über Humor freuen. Goldfinger wählte Letzteres: "Ein Tor reicht ja - alles andere wäre doch unhöflich gewesen." In der nächsten Runde wartet nun ein Gegner, der vermutlich auch das Spiel gesehen hat - und sich denkt: Hoffentlich haben sie da vorne endlich ihr Visier verstellt. Doch eines steht fest: Wenn Kottingbrunn diesen Pokal so weiter spielt, könnte selbst ein einziger Schuss reichen, um Geschichte zu schreiben. 12.07.643987 03:27 |
Sprücheklopfer
Diese Siegermentalität wollen wir auch mental rüberbringen.
Berti Vogts