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Vor 29.638 Zuschauern im prall gefüllten Stadion von Kottingbrunn lieferten sich die Gastgeber und Tirol Innsbruck am 16. Spieltag der 1. Liga Österreich ein intensives Duell, das die Hausherren mit 2:1 (1:1) für sich entschieden. Es war kein glattes Fußballfest, sondern ein Abend, an dem Leidenschaft, Nerven und ein wenig Glück das Ergebnis bestimmten - und ein gewisser Humberto Antonio am Ende im Rampenlicht stand. Das Spiel begann, wie es sich ein Heimpublikum wünscht: mit Vollgas. Kaum war der Anpfiff verklungen, prügelte Kottingbrunns junger Stürmer Curt Schwarz in der sechsten Minute den Ball unhaltbar in die Maschen. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste der 20-Jährige später schüchtern. "Der Trainer sagt immer: Wenn du denkst, du hast Zeit, dann hast du keine." Goldfinger soll daraufhin an der Seitenlinie laut gelacht haben - was selten vorkommt. Doch wer glaubte, Tirol Innsbruck würde sich ergeben, sah sich getäuscht. Die Gäste, von Trainerin Tamara Müller taktisch diszipliniert eingestellt, fanden allmählich ins Spiel. In der 31. Minute war es der Routinier Rhys Locklear, 35 Jahre jung, der nach Vorarbeit von Timm Dubois eiskalt zum Ausgleich einschob. "So alt bin ich auch wieder nicht", brummte Locklear in der Mixed Zone, "aber wenn die Jungen schlafen, helf ich halt aus." Zur Pause stand es 1:1, und die Statistiken sagten: leichter Vorteil Kottingbrunn (Ballbesitz 51 zu 49 Prozent, Torschüsse 11 zu 4). Doch Papier ist geduldig, und Fußball wird bekanntlich nicht auf Tabellenkalkulatoren gespielt. Nach dem Seitenwechsel kam die Goldfinger-Elf mit frischem Mut zurück. Und es dauerte nur drei Minuten, bis Humberto Antonio in der 48. Minute das Tor des Abends erzielte. Nach mustergültigem Zuspiel von Manfred Sonntag zog der 29-jährige Linksaußen aus halblinker Position ab - stramm, präzise, unhaltbar. Ein Schuss wie ein Manifest. "Ich wollte den Ball eigentlich flanken", witzelte Antonio später, "aber er hat sich entschieden, ein Tor zu werden." Tirol Innsbruck versuchte zu antworten, doch Kottingbrunn ließ sich nicht mehr aus der Ruhe bringen. Die Defensive um Martin Römer und Philip Steffens stand solide, auch wenn der eine oder andere Befreiungsschlag mehr nach Not als nach Plan aussah. Innsbruck blieb gefährlich - etwa in der 75. Minute, als Locklear erneut auftauchte, diesmal aber an Keeper Mika Vuorinen scheiterte. Dann, in der 67. Minute, ein kleiner Schockmoment: Kottingbrunns Joker Joao Bermudo, gerade erst für Bogdan Ungureanu eingewechselt, musste verletzt wieder vom Platz. "Das war ein unglücklicher Zusammenprall", erklärte Trainer Goldfinger später. "Er hat gesagt, er sieht doppelt - aber das kam wohl vom Flutlicht." Typisch Goldfinger: trocken, unaufgeregt, leicht ironisch. Die Schlussphase wurde hitzig. Antonio Antunez und Marco Hoffmann kassierten in der 85. und 86. Minute Gelbe Karten - beides eher taktischer Natur, auch wenn Antunez seine Verwarnung mit einem Schulterzucken kommentierte: "Wenn man mich foult, darf ich ja wohl mal freundlich zurückgrüßen." Das Publikum feierte jedenfalls jeden Zweikampf, als ginge es um die Meisterschaft. Statistisch gesehen war Kottingbrunn das klar aktivere Team: 21 Torschüsse gegenüber nur sieben der Innsbrucker, eine Zweikampfquote von knapp 55 Prozent und der etwas größere Drang nach vorne. Taktisch blieben die Gastgeber zwar in ihrer ausgewogenen Grundordnung, doch das "SURE"-Schussverhalten - also lieber gute Chancen als wilde Ballerei - machte den Unterschied. Tirol agierte mit Kurzpassspiel, doch ohne das letzte Risiko. Als der Schlusspfiff ertönte, fiel Goldfinger seiner Betreuerbank in die Arme. "Wir haben heute Charakter gezeigt", sagte er später ins Mikrofon. "Und Humberto hat gezeigt, dass er nicht nur tanzen kann, sondern auch Tore schießt." Antonio konterte grinsend: "Ich tanze nur, wenn wir gewinnen - also morgen wieder." Trainerin Tamara Müller von Innsbruck nahm die Niederlage gelassen. "Wir haben zu brav gespielt", analysierte sie nüchtern. "Manchmal muss man das Schöne im Fußball aufgeben, um hässlich erfolgreich zu sein. Heute waren wir nur schön." So endete ein Spiel, das zwar kein taktisches Meisterwerk, aber ein ehrliches Stück Fußballunterhaltung war. Kottingbrunn klettert mit dem Sieg weiter in Richtung Tabellenmittelfeld, während Innsbruck die Heimfahrt mit gemischten Gefühlen antritt - und einem Ohrwurm vom Jubel der Heimfans. Ein Spiel, das zeigte: Wer zu Hause 21 Mal aufs Tor schießt, darf ruhig zwei Mal treffen. Und wer Humberto Antonio in dieser Form erlebt hat, weiß, warum Goldfinger lächelt - und Innsbruck flucht. 13.12.643990 01:12 |
Sprücheklopfer
Es war toll, es war klasse, es war wie ein Albtraum.
Torsten Legat nach einem hohen Heimsieg