Außenseiter
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Kornwestheim verliert den Faden - Pirmasens dreht das Spiel in 15 Minuten

Ein Flutlichtabend in Kornwestheim, 3.994 Zuschauer, Bratwurstduft und die Ahnung, dass dieser 10. Spieltag der Oberliga C kein gewöhnlicher werden würde. Am Ende stand ein 1:2 auf der Anzeigetafel - und ein SV Kornwestheim, der sich fragte, wie ihm das passieren konnte.

Dabei hatte alles so verheißungsvoll begonnen. Schon in der 16. Minute brachte Hanns Hafner die Hausherren in Führung. Ein Treffer aus der Kategorie "einfach, aber effektiv" - halblinks durch, kurzer Haken, Abschluss ins lange Eck. "Ich hab einfach mal draufgehalten", grinste Hafner später, "manchmal muss man den Ball eben davon überzeugen, dass er rein will."

Bis zur Pause kontrollierte Kornwestheim das Geschehen. 53 Prozent Ballbesitz, dazu mehr Ruhe im Aufbauspiel als in den Wochen zuvor. FK Pirmasens dagegen ackerte, biss, rannte - und schien sich vor allem auf den Pausentee zu freuen. Trainerin Gudrun Schweitzer stapfte mit verschränkten Armen Richtung Kabine, murmelte etwas von "kurzen Pässen, langen Gesichtern" und verschwand im Tunnel.

Was auch immer sie dort sagte - es wirkte. Denn ab der 46. Minute spielte nur noch Pirmasens. Erst war da eine Reihe von Schüssen, die Kornwestheims Keeper Sascha Holz zu allerlei akrobatischen Verrenkungen zwangen. Dann fiel in der 68. Minute der Ausgleich: Innenverteidiger Tiago Gomes (!) schlich sich bei einer Ecke nach vorne, nahm die Vorlage von Archie MacAlister volley und versetzte das Stadion in kollektives Schweigen.

"Ich hab gar nicht gesehen, dass der Ball reingeht", sagte Gomes später, "ich hab nur die Jubeltraube gespürt - und plötzlich lag ich ganz unten."

Fünf Minuten später dann der Stich ins Kornwestheimer Herz: Dani Tabenkin, schon zuvor auffällig, traf nach feinem Zuspiel von Marcel Fuhl zum 1:2. Ein Angriff über den rechten Flügel, wie aus dem Lehrbuch: schnell, präzise, kaltblütig. Trainerin Schweitzer sprang an der Seitenlinie auf, schrie etwas Unverständliches - vermutlich "weiter so", aber Lippenleser werden es nie genau wissen.

Der SV Kornwestheim versuchte danach, wieder Struktur zu finden. Doch statt Chancen gab’s Gelb: Innenverteidiger Johannes Stahl sah in der 79. Minute die Karte, nachdem er Tabenkin etwas zu deutlich zeigte, wo die Grenze des Spielfelds verläuft. "Reine Ballabsicht", beteuerte Stahl, "nur war der Ball halt nicht mehr da."

In der Schlussphase rannte Kornwestheim an, aber ohne Plan, ohne Ziel, ohne Fortune. Die letzten Minuten gehörten Pirmasens, die mit insgesamt 12 Torschüssen das aktivere Team stellten. Kornwestheim kam auf fünf - statistisch betrachtet also ein klarer Fall. "Wir hatten das Spiel eigentlich im Griff", meinte Kornwestheims Trainer (der ungenannt bleiben wollte, vielleicht aus Selbstschutz), "aber dann drehte Pirmasens auf, und wir standen da wie Touristen am Bahnhof - der Zug war weg."

Pirmasens’ Coach Schweitzer gab sich nach Abpfiff pragmatisch: "Wir haben in der Halbzeit umgestellt, weniger durch die Mitte, mehr über die Flügel. Und siehe da - plötzlich haben sie gemerkt, dass wir auch Fußball spielen können."

Die Taktikwerte geben ihr recht: offensiv zu Beginn, defensiv stabilisierend nach der Pause, am Ende mit aktivem Pressing. Kornwestheim dagegen blieb seinem ausgeglichenen Stil treu - fast schon zu treu. Kein Pressing, kein Risiko, kein Punkt.

Als der Schiedsrichter abpfiff, standen die Gäste jubelnd im Mittelkreis, während die Kornwestheimer Spieler in die Nacht starrten. Ein Fan rief von der Tribüne: "Wir sehen uns im Rückspiel!" - was als Drohung oder Hoffnung gemeint war, blieb offen.

Fazit: Ein Spiel, das zeigte, dass Ballbesitz keine Tore schießt, und dass ein Innenverteidiger namens Gomes manchmal mehr Offensivdrang hat als eine ganze Stürmerreihe. Pirmasens belohnt sich für Mut und Geduld, Kornwestheim bleibt ratlos zurück.

Oder wie es Hanns Hafner mit einem bitteren Lächeln sagte: "Wir haben 1:0 geführt, aber irgendwie nie wirklich gewonnen."

Und so ging ein kalter Februarabend zu Ende - mit einem heißen Spiel, zwei Toren für die Gäste und der Erkenntnis, dass Fußball eben keine Wissenschaft ist, sondern das schönste Chaos der Welt.

11.09.643990 03:30
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