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Kohfidisch tanzt Simmering aus - ein Lehrstück in Effizienz und Geduld

Es war ein kalter Februarsamstagabend in Wien-Simmering, an dem die 5000 Zuschauer im Stadion mehr Frust als Freude erlebten. Der Simmeringer SC verlor am 15. Spieltag der 3. Liga Österreich (1. Div) gegen Kohfidisch mit 0:2 - und das Ergebnis war, freundlich gesagt, noch schmeichelhaft. Die Gäste dominierten von Beginn an das Geschehen, während Simmering über weite Strecken so wirkte, als habe man den Ballbesitzvertrag aus Versehen an den Gegner übergeben.

Schon in der 8. Minute klingelte es zum ersten Mal: Hartmut Bergmann, der 35-jährige Routinier aus Kohfidisch, traf nach Vorlage von Dalia Ajalon trocken ins linke Eck. Der Jubel war laut, aber nicht übertrieben - als wüsste Bergmann, dass das hier noch nicht das Ende der Geschichte sein würde. "Ich hab den Ball gespürt, als wär’s ein alter Freund", grinste der Routinier nach Abpfiff. "Und alte Freunde lässt man nicht hängen."

Simmering versuchte sich an einer Reaktion, aber nach 15 Minuten kam der nächste Dämpfer: Mittelfeldmann Yannik Blume verletzte sich und musste raus. Ersatzmann Oskar Rupp kam - und brachte zumindest frischen Atem, wenn schon keine frischen Ideen. Kohfidisch indes spielte weiter, als sei das alles Teil eines Trainingsspiels. Kurzpässe, Seitenwechsel, Torschüsse. Und davon reichlich: 17 Stück standen am Ende auf dem Statistikbogen der Gäste, während Simmering gerade einmal zwei verzeichnen konnte.

In der 25. Minute dann das 0:2: Nevio Moritz, der flinke Mittelfeldmotor, verwandelte nach Vorarbeit des erst 18-jährigen Fabian Engelhardt eiskalt. "Fabian hat mich gesehen, bevor ich selbst wusste, wo ich hinlaufe", sagte Moritz später lachend. "Ich musste nur noch den Fuß hinhalten - und das war’s."

Danach war die Sache eigentlich gelaufen. Kohfidisch kontrollierte das Spiel, Simmering kämpfte gegen Wind, Ball und die eigene Unsicherheit. Trainer Micha Roost von Kohfidisch stand ruhig an der Seitenlinie, nur gelegentlich ein anerkennendes Nicken, wenn seine Mannschaft wieder einen Simmeringer Angriff locker abfing. "Wir haben einfach unseren Stil durchgezogen", sagte Roost später. "Offensiv, geduldig, und mit klaren Pässen. Ich glaube, wir hätten auch mit verbundenen Augen noch ein paar Chancen rausgespielt."

Simmerings Coach - sichtlich bemüht, die Contenance zu wahren - sah das naturgemäß anders: "Wir waren im Kopf zu langsam, im Passspiel zu ungenau, und im Abschluss… naja, eigentlich gar nicht da", murmelte er in die Mikrofone.

Die Zahlen gaben ihm recht: Kohfidisch hatte 57 % Ballbesitz, gewann die Mehrzahl der Zweikämpfe (57,8 %), und spielte die Heimmannschaft phasenweise schwindlig. Wenn der Ball doch einmal Richtung Kohfidischer Torhüter Marko Trkulja flog, war das mehr Zufall als Plan. Der junge Keeper musste nur zweimal ernsthaft eingreifen - und tat das mit der Gelassenheit eines Mannes, der im Kopf schon bei der Siegesfeier ist.

Die zweite Halbzeit verlief ohne weitere Tore, aber nicht ohne Drama. In der 81. Minute holte sich Elias Günther von Simmering eine Gelbe Karte ab - und nur eine Minute später sah Curt Fleischer Gelb-Rot, nachdem er bereits kurz vor der Pause verwarnt worden war. Es war die perfekte Metapher für diesen Abend: erst spät, dann zu spät.

Kohfidisch musste in der 69. Minute selbst eine bittere Szene verkraften, als Göran Pettersson verletzt raus musste. Doch der eingewechselte Lennard Marx fügte sich nahtlos ein und sorgte in der 74. Minute sogar fast für das 0:3.

Als der Schlusspfiff ertönte, applaudierten die Kohfidischer Spieler ihrem jungen Verteidiger Fabian Engelhardt, der bei seinem ersten Startelfeinsatz gleich eine Torvorlage geliefert hatte. "Ich hab’s meiner Oma versprochen, dass ich heute auffalle", sagte er verschmitzt. "Aber ich dachte eher an eine Grätsche als an einen Assist."

Auf den Rängen der Simmeringer herrschte Schweigen, das nur vom Rascheln der Papierbecher unterbrochen wurde. Ein älterer Fan kommentierte trocken: "Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens mit Stil - aber Stil war heute nicht im Kader."

So endete ein Abend, an dem Kohfidisch das Kunststück vollbrachte, offensiv zu glänzen, ohne in Gefahr zu geraten. Ein 0:2, das deutlicher war, als es das Ergebnis verrät - und ein Simmeringer SC, der sich fragen muss, wie man mit 43 % Ballbesitz so wenig Kontrolle haben kann.

Und irgendwo im Wind der kalten Wiener Nacht lächelte Micha Roost, als er in den Mannschaftsbus stieg. "War doch ein schöner Spaziergang", meinte er augenzwinkernd. "Nur dass wir dabei Fußball gespielt haben."

08.11.643990 00:09
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