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Ein kalter Februarabend, Flutlicht über dem Ewood Park, 36.986 Zuschauer mit klammen Fingern - und ein 19-jähriger, der plötzlich die Bühne des englischen Fußballs betritt. Corey Kober, bislang eher als "der mit dem zu großen Trikot" bekannt, wurde am 10. Spieltag zum Mann des Abends. Sein Treffer in der 17. Minute bescherte den Ewood Rovers ein 1:0 über die favorisierten Manchester Devils - eine Partie, die mehr Kampf als Kunst bot, aber genau deswegen elektrisierte. Kaum war der Anpfiff verklungen, legten die Devils los, als wollten sie das Spiel in den ersten fünf Minuten entscheiden. Mika Kuqi prüfte den Rovers-Keeper Bernard nach 60 Sekunden, Asen Christow schoss kurz darauf haarscharf vorbei. Doch die Gastgeber, taktisch ausgewogen aufgestellt und mit erstaunlicher Ruhe im Passspiel, ließen sich nicht beirren. "Wir wussten, dass sie kommen würden wie eine Dampflok - wir mussten nur die Weiche richtig stellen", grinste Rovers-Trainer Stephan Trajes später. Und dann kam die 17. Minute, die den Abend definierte: Der Finne Jyrki Hyypiä tanzte den rechten Flügel entlang, legte flach in den Rückraum - und Kober, der Teenager, drosch den Ball mit der Unbekümmertheit seiner Jugend ins rechte Eck. 1:0. Die Tribüne explodierte, und Kober selbst sah aus, als könne er nicht glauben, was gerade passiert war. "Ich wollte eigentlich passen", gab er nach dem Spiel lachend zu. "Aber dann dachte ich - ach, warum nicht?" Danach aber war die Party vorbei und der Überlebenskampf begann. Die Devils schossen aus allen Lagen - 15 Torschüsse insgesamt, doch keiner fand den Weg ins Netz. Bernard, der Rovers-Schlussmann, wuchs in der zweiten Halbzeit über sich hinaus, während seine Vorderleute aufopferungsvoll verteidigten. Lucas Lockwood, der 18-jährige Innenverteidiger, musste nach einer Verletzung in der 51. Minute raus - "eine Zerrung, nichts Schlimmes", wie Trajes beruhigte - und wurde durch den erfahrenen Finlay Haddington ersetzt, der prompt zum Abwehrchef mutierte. Manchester-Trainer Reto Klopfenstein, sonst eher stoisch, raufte sich an der Seitenlinie immer wieder die Haare. "Wir hatten alles unter Kontrolle - außer das Tor", knurrte er später. "Unsere Statistik war hervorragend, unser Ergebnis miserabel." Tatsächlich sprachen die Zahlen eine klare Sprache: 53 Prozent gewonnene Zweikämpfe, mehr Schüsse, mehr Druck - aber eben null Tore. Die Rovers ihrerseits lebten von ihrem Mut und einem Hauch jugendlicher Naivität. Ryan MacCallum vergab in der 72. Minute die Chance auf das 2:0, als er freistehend an Devils-Keeper Hanegbi scheiterte. Auf der Gegenseite setzte Logan Nolan zwei Schüsse in Folge über das Tor - sinnbildlich für den Abend der Gäste, die zwar stürmten, aber den Ball nicht ins Tor schummeln konnten. Es war ein Spiel voller kleiner Geschichten: Der junge Mason Bosworth, mit 18 Jahren eingewechselt, stolperte bei seinem ersten Ballkontakt beinahe über die Seitenlinie, grinste aber danach breit wie ein Lottery-Gewinner; der gelbverwarnten Jacinto Alvaro flog in der 28. Minute fast noch der Geduldsfaden, als er Ryan MacCallum an der Eckfahne umriss - zum Glück blieb’s bei Gelb. Als der Schlusspfiff ertönte, fiel Trainer Trajes seinem Co-Trainer um den Hals, während die Fans "Kober! Kober!" sangen. Der Held des Abends stand etwas verlegen vor der Kurve, bekam von Kapitän Dunne einen Klaps auf den Hinterkopf und sagte später in die Mikrofone: "Ich hoffe, sie drucken das nicht zu groß. Meine Mum denkt sonst, ich wäre jetzt berühmt." Für die Devils war’s ein Abend zum Vergessen - für die Rovers ein Sieg, der nach mehr schmeckte als drei Punkten. Denn es war ein Spiel, in dem Taktik auf Trotz traf, Statistik auf Schicksal. "Wir wollten mit Köpfchen spielen", meinte Trajes, "aber am Ende haben wir einfach mit Herz gespielt." Und das, so schien es, war an diesem Abend die bessere Taktik. Ein Augenzwinkern zum Schluss: Vielleicht war’s kein fußballerischer Leckerbissen - eher ein rustikales Abendbrot mit viel Biss. Aber es hat satt gemacht. Und das reicht im Fußball manchmal völlig aus. 11.09.643990 03:45 |
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