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Klingenbach rettet spät - Horst köpft die Veilchen aus dem Siegtraum

Ein lauer Samstagabend, Flutlicht, 42.660 Zuschauer - und ein Spiel, das zunächst so aussah, als wollten die Gäste aus Wien einen gemütlichen Spaziergang in der Provinz unternehmen. Bereits in der 4. Minute nagelte Carl Pfeiffer den Ball nach Vorlage von Fernando Martins trocken ins rechte Eck. Klingenbachs Keeper Volker Stoll schaute der Kugel nur hinterher, als hätte sie ein Ticket in eine andere Liga gelöst. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", murmelte Stoll später mit einem gequälten Grinsen.

Damit war der Ton gesetzt: Die Veilchen aus Wien spielten ruhig, fast arrogant sicher, ließen den Ball laufen, als gehörte ihnen der Rasen. 55 Prozent Ballbesitz untermauern das. Klingenbach dagegen wirkte in den ersten 20 Minuten wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen. Trainer Markus Herrmann schrie sich an der Seitenlinie die Lunge aus dem Leib, während Jonas Hauser auf der rechten Seite wenigstens so tat, als könne er das Spiel allein drehen. Drei Torschüsse in fünf Minuten - doch Torwart Fabio Velasquez, 35 Jahre alt und offenbar mit Magneten in den Handschuhen, fischte alles raus.

"Wir wussten, dass Klingenbach über den Kampf kommt", sagte Wiens Trainerin Sonja Leder nach der Partie. "Aber wir haben es dann doch ein bisschen zu gemütlich angehen lassen." Das ist freundlich ausgedrückt. Nach dem frühen Tor schalteten die Wiener herunter, als stünde der Sieg schon in Stein gemeißelt. Statt entschlossenem Pressing: gepflegte Ballzirkulation. Statt Risiko: Rückpässe im Halbfeld.

Klingenbach nutzte das, um langsam den Mut zu finden, den man in der Bundesliga braucht. Florea, der linke Mittelfeldspieler mit der Sturmnatur eines Bulldozers, holte sich in der 65. Minute Gelb - sinnbildlich für den wachsenden Einsatzwillen. "Ich wollte einfach nur zeigen, dass wir noch leben", grinste er später. Gleichzeitig brachte Herrmann frische Beine: Blum für Yeates, später Erskine für Richter. Und tatsächlich - die Gastgeber drehten auf.

In der 82. Minute dann der Moment, der das Stadion explodieren ließ. Ausgerechnet Innenverteidiger Mathias Horst, der bis dahin eher durch rustikale Klärungsaktionen als durch Eleganz aufgefallen war, stieg nach einer butterweichen Flanke von Florea am höchsten und köpfte die Kugel unhaltbar zum 1:1 in die Maschen. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass er reingeht", lachte Horst nach dem Spiel. Hoffnung erfüllt, Punkt gerettet.

Die letzten Minuten waren ein reines Nervenbad. Wien wachte plötzlich wieder auf, als ginge es um die Meisterschaft. Der junge Jakob Haase, 20 Jahre alt, prüfte Stoll gleich dreimal in fünf Minuten (86.-88.), doch der Klingenbacher Keeper machte seine frühe Schlafmützigkeit mehr als wett. "Den letzten hab ich mit der Schulter gehalten - oder war’s das Glück? Egal, ich nehm beides", sagte Stoll, während die Fans sangen, als hätten sie gewonnen.

Statistisch betrachtet war das 1:1 fast schon gerecht: 15 Torschüsse Klingenbach, 9 Wien. Die Gäste hatten mehr Ballbesitz, die Hausherren mehr Wucht. Und wenn man ehrlich ist, hatte keiner genug Klasse, um das Spiel wirklich zu entscheiden. Doch was fehlte an technischer Finesse, wurde durch Drama ersetzt - und das lieben Fußballfans bekanntlich mehr als sterile Dominanz.

Trainer Herrmann wirkte nach Abpfiff wie ein Mann, der gerade einer Herzattacke entgangen war. "Wenn du 78 Minuten gegen die Wand läufst und dann so ein Ding machst, dann fühlt sich ein Punkt wie ein Sieg an", sagte er, bevor er in der Kabine verschwand. Seine Spieler jubelten, als hätten sie gerade den Pokal gewonnen - vielleicht, weil sie wussten, dass Moral manchmal mehr zählt als Tabellenpunkte.

Sonja Leder hingegen stapfte wortlos Richtung Bus. Nur ein Satz war ihr zu entlocken: "Wir haben das Spiel schon nach vier Minuten verloren - im Kopf."

So blieb es beim 1:1 zwischen Klingenbach und Veilchen Wien - ein Spiel, das keiner wirklich gewann, aber beide unvergesslich machten. Und als die Flutlichtlampen langsam erloschen, hörte man aus der Klingenbacher Kurve noch einen Fan rufen: "Horst for President!" - was der Held des Abends lachend mit einem Winken quittierte.

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Fußball ist manchmal gerecht, meistens verrückt - und in Klingenbach sowieso immer für eine späte Pointe gut.

09.08.643993 13:43
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