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Klingenbach rettet sich spät - 3:3 gegen Rot-Weiß Graz nach wilder Achterbahnfahrt

Ein Flutlichtabend, wie ihn die 1. Liga Österreich liebt: 43.500 Zuschauer, ein paar frierende Ordner, ein Trainer, der sich am Spielfeldrand die Haare rauft - und sechs Tore, die keinem der beiden Teams so recht schmecken wollten. Am Ende stand ein 3:3 zwischen Klingenbach und Rot-Weiß Graz - ein Ergebnis, das beide Seiten wohl als "gefühlte Niederlage" verbuchen dürften.

Klingenbach begann, wie es sich für eine Heimmannschaft gehört: offensiv, angriffslustig, aber mit dem üblichen Hang zur Selbstzerstörung. Schon in der ersten Minute prüfte der junge Tomasz Schöne den Grazer Keeper Inigo Ibano mit einem strammen Schuss, doch der Spanier im Tor reagierte blitzschnell. Trainer Markus Herrmann hatte seinem Team offenbar Mut eingeflößt, denn die Offensive wirbelte früh und oft. In der 29. Minute war es dann soweit: Jannis Hesse vollendete nach feinem Zuspiel von Eric Pienaar zum 1:0. Ein Tor aus dem Lehrbuch - jedenfalls aus einem sehr alten Lehrbuch, wie man konstatieren musste, denn die Grazer Abwehr sah zu wie Statisten in einem Werbespot für Schlafmatratzen.

"Wir haben in der ersten Halbzeit alles unter Kontrolle gehabt - bis auf den Ball", witzelte Rot-Weiß-Coach Carsten Krause später mit sarkastischem Lächeln. Tatsächlich hatte Klingenbach leicht mehr Ballbesitz (52 Prozent), aber die Gäste machten gefährlichere Szenen. Fernando Dominguez schoss, als wollte er die Nordtribüne treffen, und David Kern prüfte Keeper Volker Stoll gleich mehrfach. Klingenbachs Defensive wirkte oft wie eine Studentengruppe, die erst im Seminar erfährt, dass heute Prüfung ist.

Nach der Pause kam Graz wie verwandelt zurück. Keine 120 Sekunden nach Wiederanpfiff traf David Kern nach Pass von Jonas Held - 1:1. Kaum hatten sich die Klingenbacher von dem Schock erholt, klingelte es erneut: Jay Thackeray drosch in der 55. Minute den Ball unter die Latte, Olaf Unger hatte den Angriff eingeleitet. 1:2, und plötzlich war Herrmanns Offensivkonzept nur noch auf dem Papier existent.

Doch dann kam Niels Blum, der Mann mit dem linken Fuß und dem rechten Gespür für Dramatik. Fünf Minuten nach dem Rückstand traf er zum 2:2 - ein Treffer, der das Stadion wieder zum Brodeln brachte. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Blum später, "und gehofft, dass der Ball Ibano nicht wieder anfliegt."

Das Spiel kippte ständig. Graz blieb gefährlicher, schoss insgesamt 17-mal aufs Tor, während Klingenbach sich mit elf Abschlüssen begnügte. Die Zweikampfquote sprach leicht für die Gäste, die nun aggressiver auftraten - zu aggressiv für den Geschmack des Schiedsrichters. Zwei Gelbe Karten für Dudka (41.) und Kern (57.) waren das logische Resultat eines Duells, das zunehmend an ein Ringen erinnerte.

Als die Uhr 87 Minuten zeigte, schien alles entschieden: Marko Manojlovic verwertete ein Zuspiel des eingewechselten Stanko Drulic zum 3:2 für Rot-Weiß Graz. Krause riss die Arme hoch, die Ersatzspieler sprangen sich in die Arme - zu früh.

Denn Klingenbach hatte noch ein Kapitel im Drehbuch. In der fünften Minute der Nachspielzeit setzte der eingewechselte Marko Tosic nach einer Flanke von Carsten Krämer zum Volleyschuss an und traf - 3:3! Der Jubel war ohrenbetäubend, Trainer Herrmann rannte fast bis zur Eckfahne. "Ich wollte Marko umarmen, bin aber zu langsam", lachte er später. "Mit 45 rennt man halt nicht mehr wie ein Flügelstürmer."

Rot-Weiß Graz wirkte konsterniert. Marc Merkel humpelte verletzt vom Platz, die Defensive stand nur noch symbolisch. "Das war bitter", seufzte Krause, "aber wenn du in der 95. Minute den Ball nicht klärst, musst du dich nicht wundern."

Statistisch gesehen war’s ein Duell auf Augenhöhe, emotional ein kleiner Thriller. Beide Teams spielten mit offenem Visier: Klingenbach offensiv eingestellt, mit viel Aufwand und Pressing in den letzten Minuten, Graz diszipliniert, aber manchmal zu selbstsicher. Das 3:3 passte am Ende perfekt zu einem Abend voller Wendungen, Fehlpässe, Glanzaktionen und Trainerzitaten, die man sich in der Kabine wohl noch einige Wochen vorhalten wird.

Oder, wie es Klingenbachs Kapitän Hesse trocken formulierte: "Wenn man dreimal führt, darf man nicht unentschieden spielen - ach Moment, das waren ja die anderen."

Ein versöhnliches Ende für die Zuschauer, ein nervenaufreibendes für beide Bänke - und ein Spiel, das in Erinnerung bleibt: nicht weil es perfekt war, sondern weil es so schön unperfekt war.

21.03.643990 12:12
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Klaus Allofs
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