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Ein kalter Januarabend, Flutlichtglanz über Kottingbrunn und 34.383 Fans, die sich warm klatschten - zumindest in der ersten Halbzeit. Am Ende stand ein ernüchterndes 1:3 (1:1) aus Sicht der Heimmannschaft, und mancher Anhänger fragte sich, ob der Glühwein schuld war oder doch die zweite Halbzeit. Dabei begann alles nach Maß für die Hausherren: Schon in der 6. Minute traf der 19-jährige Curt Schwarz, der aussieht wie sein Schülerausweis noch feucht ist, zum 1:0. Ein schneller Angriff über rechts, ein Haken, ein Schuss - und plötzlich roch es nach Überraschung. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Schwarz nach dem Spiel. "Trainer Goldfinger meinte später, das sei die beste Entscheidung des Abends gewesen. Ich hoffe, er meinte das ernst." Doch Klingenbach, das Team von Markus Herrmann, zeigte sich unbeeindruckt. Die Gäste hatten von Beginn an Feuer im Spiel, schossen schon in der ersten Minute aufs Tor und suchten beharrlich die Lücke. Und die fanden sie in der 17. Minute: Der bullige Mittelstürmer Jesus Mann, dessen Name an diesem Abend Programm war, glich nach Vorarbeit von Eric Pienaar zum 1:1 aus. "Ich hab nur den Fuß hingehalten", sagte Mann später mit einem breiten Grinsen. "Das war so geplant. Also… fast." Zur Pause war das Spiel offen, die Statistik allerdings schon eindeutig: Klingenbach mit mehr Schüssen (8:1), Kottingbrunn mit etwas mehr Ballbesitz (53,8 Prozent). Trainer Michael Goldfinger hielt sich trotzdem optimistisch: "Wir wollten das kontrollieren, den Gegner laufen lassen. Leider hat der Gegner das anders gesehen." Nach dem Seitenwechsel wurde deutlich, dass Klingenbach nicht zum Sightseeing gekommen war. Die Gäste schalteten auf Pressing, spielten offensiv und zwangen Kottingbrunns Abwehr immer wieder in Fehler. Ion Zare, Innenverteidiger der Gäste, sah zwar gleich zu Beginn Gelb (46.), aber das schien Klingenbach nur wacher zu machen. In der 55. Minute brachte Herrmann frische Beine: Carsten Krämer kam für den müden Bernd Jürgens - und sollte später eine entscheidende Rolle spielen. Kottingbrunns einzige nennenswerte Szene der zweiten Halbzeit blieb ein Schuss von Manfred Sonntag in der 63. Minute, den Gästekeeper Volker Stoll mühelos parierte. Dann folgte die Schlussphase, in der Klingenbach förmlich explodierte. In der 81. Minute war es Jannis Hesse, der nach einer Vorlage von - natürlich - Jesus Mann das 1:2 erzielte. Der Jubel war so laut, dass man in Kottingbrunn vermutlich den Verkehr kurz anhalten musste. "Jesus hat mir den Ball perfekt serviert", sagte Hesse. "Da hätte selbst mein Opa getroffen - und der hat zwei künstliche Hüften." Nur fünf Minuten später (86.) machte Mattias Kraft endgültig den Deckel drauf. Nach Pass von Carsten Krämer zog er trocken ab - 1:3. Während die Klingenbacher jubelten, blickte Kottingbrunns Torwart Mika Vuorinen entnervt gen Himmel. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft die auf mich zugerannt sind", murmelte er später. Die Statistik sprach am Ende eine klare Sprache: 15 Torschüsse der Gäste zu nur 2 der Hausherren, 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Klingenbach. Trotz etwas weniger Ballbesitz (46 Prozent) kontrollierten die Gäste die Partie nach Belieben. "Wir haben in der zweiten Halbzeit einfach Gas gegeben", sagte Trainer Herrmann. "Ich hab den Jungs gesagt: ’Wenn ihr schon hier seid, dann nehmt wenigstens die Punkte mit.’ Sie haben mich beim Wort genommen." Kottingbrunns Coach Goldfinger versuchte, die Niederlage mit Galgenhumor zu nehmen: "Wir hatten mehr Ballbesitz, das ist ja auch was. Leider war der Ball meistens in unserer Hälfte." So bleibt Kottingbrunn nach dem 16. Spieltag tief im Mittelfeld stecken, während Klingenbach mit diesem Auswärtssieg wieder Richtung obere Tabellenhälfte schielt. Ein älterer Fan auf der Tribüne fasste es nach Abpfiff wohl am besten zusammen: "Wir haben wenigstens das erste Tor gemacht. Danach war’s halt Training für die anderen." Und so rollte der Mannschaftsbus aus Kottingbrunn in die dunkle Nacht, während die Klingenbacher Spieler im Innenraum tanzten. Vielleicht nicht himmlisch - aber verdammt effektiv. 12.07.643987 03:26 |
Sprücheklopfer
Die Meisterschaft ist viel mehr wert als dieses Scheiß-X.
Stefan Effenberg zur Verleihung des FuX des Jahres an Emerson