Anpfiff
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Kiel ringt Linx nieder: Ein 2:1 mit Herz, Schweiß und jugendlicher Frechheit

Wenn man an einem kühlen Märzabend an der Förde ein Fußballspiel besucht, erwartet man eigentlich heißen Tee und kalte Füße. Stattdessen bekamen die 2711 Zuschauer im Holstein-Stadion ein hitziges Duell zwischen Holstein Kiel und dem SV Linx geboten - mit allem, was die Regionalliga A an Drama hergibt: junge Wilde, zittrige Abwehrreihen und ein Trainer, der nach Abpfiff lieber "Pils statt Pressekonferenz" wollte.

Das 2:1 für Kiel war am Ende ein kleiner Kraftakt mit großem Unterhaltungswert. Schon nach einer halben Stunde durfte das Publikum erstmals jubeln: Christoph Erdmann, 21 Jahre jung und mit der Ruhe eines Schachspielers gesegnet, schob nach Vorarbeit von Innenverteidiger Peter Peters die Kugel in der 29. Minute über die Linie. "Ich hab einfach draufgehalten, ehrlich gesagt. Ich dachte, der Ball sei schon weg", grinste Erdmann später und verschwand mit einem Schokoriegel in der Kabine.

Doch wer glaubte, Linx würde sich davon beeindrucken lassen, irrte gewaltig. Nur sieben Minuten später legte Wolfgang Seitz für die Gäste nach - ein trockener Schuss nach feiner Vorlage von Christian Stein, der zuvor zwei Kieler im Mittelfeld alt aussehen ließ. "Wir haben da kurz vergessen, dass man auch mal den Ball attackieren darf", knurrte Kiels Trainer Malte Gosch, der den Ausgleich mit zusammengepressten Lippen zur Kenntnis nahm.

Mit dem 1:1 ging es in die Pause, und die Statistik sprach zu diesem Zeitpunkt eine deutliche Sprache: 10 Kieler Torschüsse standen 13 Linxer Versuchen gegenüber, Ballbesitz nahezu ausgeglichen. Doch es war diese typische Holstein-Sturheit, die das Spiel nach dem Seitenwechsel drehen sollte.

In der 52. Minute kam der Moment eines Teenagers: Heinrich Haas, 18 Jahre jung, flitzte nach einem herrlichen Pass von Pedro Cabrera über die rechte Seite, nahm den Ball kurz mit der Brust an und jagte ihn unhaltbar in den Winkel. 2:1 - und auf der Tribüne wurde so laut gejubelt, dass selbst die Möwen über dem Stadion irritiert die Richtung wechselten. "Ich hab gar nicht gesehen, dass der drin war", sagte Haas bescheiden. "Pedro hat mir einfach gesagt: Lauf, und ich bin gelaufen."

Ab da war’s ein offener Schlagabtausch. Linx warf alles nach vorne, stellte laut Trainer Michal Dickschat "auf Volldampf und Hoffnung" um. Und tatsächlich: Mit 21 Torschüssen griffen die Gäste an wie eine Hornissenkolonie auf Zuckerentzug. Kiel dagegen verteidigte mit Herz und gelegentlichem Chaos. Torhüter Harald Lindner wurde zum Fels in der Brandung, während der 17-jährige Paul Frey auf rechts außen tapfer jeden Zweikampf suchte.

"Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft der Ball in unserem Strafraum war", gab Verteidiger Sascha Stock zu. "Aber irgendwie hat immer einer noch ein Bein dazwischengekriegt."

Die Schlussphase war nichts für schwache Nerven. Linx drückte, Kiel konterte, und irgendwo in dieser Mischung aus Nervosität und Adrenalin rief Trainer Gosch von der Seitenlinie: "Wenn einer den Ball einfach mal raushaut, spendier ich ’ne Runde!" - woraufhin sein Innenverteidiger Peters den Ball tatsächlich bis zur Eckfahne der Gäste drosch.

In der 85. Minute hatte Detlev Miller für Linx noch die große Chance zum Ausgleich, doch sein Schuss rauschte Zentimeter am Pfosten vorbei. Dickschat schlug die Hände vors Gesicht, während sein Gegenüber nur trocken meinte: "Manchmal hat man’s einfach verdient."

Nach Abpfiff war die Erleichterung greifbar. Kiel feierte den zweiten Saisonsieg, Linx verfluchte die eigene Chancenverwertung - und beide Teams wussten, dass sie an diesem Abend nicht viel trennten außer ein bisschen Glück und ein genialer Moment eines 18-Jährigen.

Die Statistiken untermauern das Drama: Linx mit leichtem Ballbesitzvorteil (50,3 Prozent), mehr Torschüssen (21:16) und besserer Zweikampfquote (52 Prozent). Doch Fußball bleibt eben kein Rechenexempel. "Wenn’s danach ginge, wären wir Tabellenführer", sagte Dickschat mit einem bitteren Lächeln.

Kiel-Coach Gosch fasste es pragmatisch zusammen: "Wir haben’s überlebt. Und das ist manchmal schon ein gutes Ergebnis."

Vielleicht war es kein Spiel für Feingeister, aber eines für Herzblut. Und so endete der Abend mit einem Satz, den man so wohl nur an der Förde hört: "War windig, aber hat sich gelohnt."

Und wer noch zweifelt, ob Regionalliga-Fußball unterhalten kann, dem sei gesagt: In Kiel gibt’s nicht nur Wind - manchmal auch Wirbel.

27.12.643993 17:55
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Man darf das Spiel doch nicht so schlecht reden wie es wirklich war.
Olaf Thon
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