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Ein kalter Februarmontag in Hafnarfjördur, Flutlicht, 11.000 dick eingepackte Zuschauer - und am Ende ein torloses Remis, das so gerecht war, dass selbst der Schiedsrichter wohl kaum anderer Meinung sein konnte. FH Hafnarfjördur und IA Akranes lieferten sich am 32. Spieltag der 1. Liga Island ein Duell, das weniger durch Tore als durch unermüdliche Laufarbeit, kräftiges Schneefegen im Mittelfeld und gelegentliche Schockmomente im Strafraum in Erinnerung bleiben wird. Schon nach zwei Minuten hatte Olafur Abramson die Fans des Heimteams auf der Tribüne aufspringen lassen. Sein Schuss zischte nur Zentimeter am linken Pfosten vorbei. "Ich schwöre, der Ball hat den Pfosten gestreift", behauptete Abramson später mit einem Grinsen. Sein Trainer - der Name blieb geheimnisvollerweise unter Verschluss, vielleicht um die Presse zu ärgern - klopfte ihm nur auf die Schulter und murmelte: "Beim nächsten Mal bitte ins Netz, nicht daneben." Akranes ließ sich davon nicht beeindrucken. In der 20. Minute prüfte Nebojsa Markovic den Hafnarfjördur-Keeper Adamantios Christopoulos mit einem satten Flachschuss. Der Keeper hielt glänzend, und von da an wurde klar: Wenn heute jemand die Null halten würde, dann beide. "Ich hatte das Gefühl, die beiden Torhüter spielen um einen Preis für das sauberste Trikot", scherzte ein Fan auf der Tribüne. Bis zur Pause ergab sich ein munteres Hin und Her. Frideborg Bloch auf der rechten Seite der Gastgeber wirbelte unermüdlich, bekam aber in der 30. Minute Gelb - ein eher symbolischer Wink des Schiedsrichters, dass man auch beim Fußball nicht alles mit den Ellenbogen regeln sollte. Kurz darauf kassierte auch Christopher Ackermann von Akranes eine Verwarnung, offenbar weil er fand, dass Trikotziehen im Mittelfeld zur isländischen Folklore gehöre. Das Pausenfazit? 0:0, aber keineswegs langweilig. Beide Teams mit je elf Schüssen aufs Tor, der Ballbesitz praktisch ausgeglichen: 50,07 Prozent für Hafnarfjördur, 49,93 Prozent für Akranes - wer wollte da noch von Ungerechtigkeit sprechen? Nach dem Wiederanpfiff ging’s munter weiter, allerdings mit dem gleichen Ergebnis: kein Treffer in Sicht. Mihaly Braun, der rechte Stürmer von Akranes, versuchte es zwischen der 49. und 84. Minute gleich viermal. Einmal kratzte Christopoulos den Ball akrobatisch aus dem Winkel, ein andermal flog das Leder in Richtung Parkplatz. "Ich hab die Latte gestreichelt", sagte Braun später - allerdings meinte er wohl eher die Querlatte als einen Fan. Auf der Gegenseite blieb Abramson der Aktivste. Seine Versuche in der 32., 34., 45. und 80. Minute waren ein Beweis seines Eifers, weniger seiner Zielgenauigkeit. "Ich hab’s versucht, aber der Ball hatte heute offenbar Heimweh", seufzte er nach Abpfiff. Trainer Benno Showmann von Akranes nahm es mit Humor: "Wenn das Tor so klein aussieht, sollte man vielleicht die Brille aufsetzen." In den Schlussminuten wurde es noch einmal hektisch. Eidur Johnsen, der Innenverteidiger der Gastgeber, holte sich kurz vor Schluss Gelb ab - vermutlich, weil er einfach nicht mitansehen konnte, wie Braun schon wieder zum Schuss ansetzte. Und als Eric Afzelius in der 88. Minute noch einmal draufhielt, hielt der 19-jährige Gästetorhüter Harald Lindblom überragend. "Ich hab einfach den Arm ausgestreckt - und gehofft, dass der Ball mich trifft", lachte der Youngster später. Die Taktik beider Teams blieb über 90 Minuten erstaunlich gleichmäßig: ausgewogen, sicherheitsorientiert, kein Risiko zu viel. Pressing? Fehlanzeige. Stattdessen viel Struktur, viel Ordnung - und, nun ja, wenig Spektakel. Am Ende stand also ein 0:0, das man in Island wohl als "ehrliches Ergebnis" bezeichnet. Zwei Mannschaften, die sich neutralisierten, zwei Trainer, die sich höflich zunickten, und Fans, die sich immerhin über warme Getränke und eine stabile Abwehrleistung freuen konnten. "Wir hätten noch drei Stunden spielen können", meinte Showmann trocken, "und es wäre wohl trotzdem 0:0 ausgegangen." So bleibt nach diesem Abend vor allem die Erkenntnis: Auch ein torloses Spiel kann unterhalten - wenn es mit solcher Intensität geführt wird. Und manchmal ist es ja auch ganz beruhigend zu wissen, dass Fußball nicht immer ein Torfestival sein muss. Manchmal reicht ein gepflegtes isländisches Unentschieden, um die Finger im Stadion zu wärmen und den Puls auf Normalmaß zu halten. 12.04.643990 18:00 |
Sprücheklopfer
Sex vor einem Spiel? Das können meine Jungs halten, wie sie wollen. Nur in der Halbzeit, da geht nichts.
Berti Vogts