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Ein 0:0 kann langweilig sein - muss es aber nicht. Was sich am Mittwochabend im Varde Stadion zwischen Varde BK und Stenløse BK abspielte, war ein wilder Ritt zwischen Hoffnung und Verzweiflung, mit 21 Torschüssen, vier Gelben Karten und 39.162 frierenden, aber tapferen Zuschauern. Am Ende stand auf der Anzeigetafel: nichts. Null zu null. Und dennoch viel Gesprächsstoff. Varde-Trainer Franz Huber fasste es nach dem Abpfiff trocken zusammen: "Wir hätten hier heute drei Punkte verdient gehabt - oder wenigstens ein Tor. Aber das war wohl zu viel verlangt." Tatsächlich hatte seine Mannschaft mehr vom Spiel, leichtes Übergewicht im Ballbesitz (52,7 Prozent) und 12 Schüsse auf das Tor, während Stenløse neunmal gefährlich wurde. Doch was sich wie ein offenes Feuerwerk las, war in Wahrheit ein Abend des großen Verpassens. Schon in der 4. Minute prüfte Stenløses Rechtsaußen Matan Joffe den jungen Keeper Pascal Masse - ein erster Warnschuss, den der 20-Jährige bravourös parierte. Eine Minute später legte Alexander Chmyljow nach, und mancher Varde-Fan griff da schon nervös zur Stadionwurst. Aber dann drehte die Heimmannschaft auf: Der 17-jährige Peer Frandsen, kaum volljährig, dafür furchtlos, knallte in der 6. Minute den Ball knapp neben den Pfosten. "Ich dachte, der geht rein!", rief er später lachend in die Kameras - und bekam dafür von seinem Trainer einen väterlichen Klaps auf die Schulter. Die erste Halbzeit war ein Hin und Her, wie man es in der dänischen 1. Liga selten sieht. Petar Dotschew (15.) und Frederik Andersen (17.) setzten Akzente, aber Stenløses Abwehrchef Gustav Andreasen hielt mit rustikaler Konsequenz dagegen - und sah prompt Gelb in der 22. Minute. "Der Schiedsrichter wollte wohl auch mal pfeifen", murmelte er später und grinste. Varde blieb trotz seiner defensiven Grundordnung gefährlich über Konter, während Stenløse eher auf kontrollierten Aufbau setzte. Beide Teams spielten mit "SURE"-Schussverhalten - also lieber einmal zu viel abgebrochen als blind draufgehalten. Manchmal wirkte das allerdings wie übertriebene Vernunft. Nach der Pause änderte sich wenig am Drehbuch. Wieder Andersen, wieder knapp vorbei (49., 50., 63.). Der 27-jährige Mittelstürmer hatte an diesem Abend mehr Abschlüsse als ein durchschnittlicher Buchhalter Steuererklärungen. "Ich schwöre, ich hab alles versucht - sogar mit dem linken Fuß!", fluchte Andersen nach Abpfiff, ehe er sich mit einem müden Lächeln von den Fans beklatschen ließ. Stenløse hielt dagegen. Gull Johannesen, die 34-jährige Sturmlegende, prüfte Masse gleich zweimal (36., 45.), und kurz vor Schluss brachte Goran Drageljevic die Gastgeber mit einem krachenden Distanzschuss ins Schwitzen. Aber der Ball flog ebenso knapp vorbei wie zuvor Andersens Serienversuche. In der 90. Minute wurde es nochmal hitzig: Vardes Innenverteidiger Bjarke Frost sah Gelb, nachdem er einen Konter resolut - oder, wie Stenløses Trainer meinte, "mit der Grätsche des Jahrhunderts" - stoppte. Nur vier Minuten später revanchierte sich Vladimir Ivana auf der Gegenseite mit einer späten Verwarnung. Das Publikum quittierte es mit einem vielsagenden "Ohhh" - mehr Emotionen bekam man an diesem Abend nicht zu sehen. Am Ende blieb das Gefühl, dass hier zwei Welten aufeinandertrafen: Varde, diszipliniert defensiv und auf Konter lauernd, gegen Stenløse, kontrolliert, aber ohne echte Durchschlagskraft. "Wir haben das Spiel im Griff gehabt, aber vergessen zu gewinnen", sagte Stenløse-Keeper Vicente Morais, der kaum eingreifen musste, aber dennoch stolz auf seine weiße Weste war. Taktisch blieb alles beim Alten: Varde verteidigte, Stenløse kombinierte. Nur die Tore fehlten, als hätte jemand den Rasen mit Anti-Treffer-Lack bestrichen. Selbst in der Nachspielzeit (91.) hatte Andersen noch eine letzte Gelegenheit - doch wieder stand Morais im Weg. So endete ein Abend, an dem viel gearbeitet, viel gelaufen, aber wenig gejubelt wurde. Franz Huber nahm es mit Galgenhumor: "Wenn man 39.000 Menschen mit 0:0 unterhalten kann, dann hat man wohl etwas richtig gemacht." Vielleicht ist das das schönste Kompliment für ein torloses Spiel: Man ging nicht enttäuscht, sondern leicht schmunzelnd nach Hause - in der Hoffnung, dass beim nächsten Mal wenigstens einer den Ball über die Linie bringt. Bis dahin bleibt Varde BK das Team mit den schönsten Fast-Toren der Liga. 07.09.643987 15:55 |
Sprücheklopfer
Da sieht man die Kunst der Ärzte. Zu meiner Zeit wäre eine Amputation nötig gewesen.
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