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Ein Pokalabend, wie ihn sich Drehbuchautoren kaum besser ausdenken könnten: 27.000 Zuschauer im ausverkauften Wörthersee-Stadion, Flutlichtglanz, kalte Brise - und ein SC Kärnten, der sich mit einem frühen Treffer in die Herzen seiner Fans kämpft und das 1:0 über 86 nervenaufreibende Minuten verteidigt. Gegner FC Höchst rannte, kombinierte, verzweifelte - und fuhr schließlich mit hängenden Köpfen und 14 Torschüssen, aber null Toren, zurück ins Ländle. Das Spiel begann, bevor sich die meisten Zuschauer ihr erstes Bier geholt hatten, mit einem Paukenschlag. Kaum war die vierte Minute angebrochen, da schickte Karl Völker einen butterweichen Pass in die Schnittstelle. Yannik Ludwig, der Mittelfeldmotor und Mann mit der Ruhe eines Schachgroßmeisters, nahm den Ball an, blickte kurz hoch - und schob ihn lässig an FC-Torwart Jörg Pan vorbei. 1:0. Der Jubel war ohrenbetäubend, die Kärntner Mannschaft jubelte in einer Menschenknäuel-Orgie, und Trainer Mac Manager gestand später: "Ich dachte ehrlich, das war Abseits. Aber der Linienrichter hob keine Fahne - also hab ich einfach so getan, als wär’s geplant." Danach war der SC Kärnten mehr mit Verteidigen als mit Spielen beschäftigt. FC Höchst, angetrieben von einem unermüdlichen Robert Bossong auf links, fand immer wieder Wege in den Strafraum. Nur das Tor wollte nicht fallen. Bossong schoss in der 27., der 32., der 52., der 66., ja sogar in der 83. und 84. Minute - vermutlich träumt Phillip Kurz, Kärntens Keeper, heute noch von seinen Flugparaden gegen den jungen Stürmer. Kurz grinste nach Schlusspfiff: "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen. Der Ball kam einfach immer wieder." Taktisch war es ein Kampf zwischen zwei sehr ähnlichen Philosophien. Beide Teams spielten ausgewogen, ohne extremes Risiko, aber mit vollem Einsatz. Kärnten presste phasenweise leicht, vor allem, wenn FC Höchst hinten zu lange zögerte. Höchst dagegen blieb bei seiner ruhigen, fast stoischen Spielweise - kein Pressing, keine wilden Aktionen, nur geduldiges Aufbauen. "Wir wollten sie müde spielen", erklärte Gästecoach Franz Huber hinterher. Dann seufzte er und fügte hinzu: "Leider sind nur wir müde geworden." Auch die Statistik erzählte diese Geschichte: 51,7 Prozent Ballbesitz für die Gäste, 14 zu 9 Torschüsse - aber eben 0 zu 1 Tore. Der SC Kärnten konterte clever, blieb diszipliniert und vertraute auf seine Innenverteidiger Ebert und Fink, die gefühlt jeden hohen Ball aus der Luft holten. Besonders in der zweiten Halbzeit wurde es hitzig: In der 69. Minute prüfte Adam Malfoy den Kärntner Torwart mit einem strammen Schuss aus 20 Metern, kurz darauf zog Szamotulski von links ab - wieder war Kurz zur Stelle. Auf der anderen Seite blieb Kärnten gefährlich, wenn es mal schnell ging. Maik Michel und Joel Conrad sorgten für Entlastung, Ludwig dirigierte das Mittelfeld mit stoischer Ruhe. In der 76. Minute hatte der Torschütze selbst noch einmal eine Chance, doch diesmal flog der Ball über die Latte. "Ich wollte’s schön machen", grummelte Ludwig später, "aber manchmal ist einfach ein bisschen zu viel Kunst drin." Die Schlussphase war nichts für schwache Nerven. FC Höchst warf alles nach vorn, sogar Innenverteidiger Westergaard tauchte mehrfach im Strafraum auf. In der 90. Minute noch ein letzter Versuch: Hanns Schreiber zog ab - und wieder flog Kurz, als ginge es um den Weltmeistertitel. Der Ball klatschte an seine Handschuhe, die Fans brüllten, der Schlusspfiff kam - und Kärnten war weiter. "Ich bin stolz auf meine Jungs", sagte Mac Manager, diesmal ohne Ironie. "Wir haben nicht schön gespielt, aber effektiv. Und im Pokal zählt eben nur das." Sein Gegenüber Huber nahm’s mit Galgenhumor: "Wenn Schönheit Tore schießen würde, hätten wir 3:1 gewonnen. Aber leider zählt nur das Netz hinter dem Tor." So bleibt der SC Kärnten im Pokal, dank eines frühen Treffers und eines überragenden Torwarts. Die Fans sangen noch lange nach dem Abpfiff, während der Trainer den Ball unter den Arm klemmte. Und irgendwo in der Katakombe soll Yannik Ludwig gesagt haben: "Wenn’s sein muss, gewinn ich das nächste Spiel auch in der vierten Minute." Man darf gespannt sein. Doch eines steht fest: In Kärnten weiß man jetzt wieder, wie sich Pokalmagie anfühlt - laut, wild und ein bisschen unverdient. Genau so, wie sie sein muss. 30.01.643994 23:17 |
Sprücheklopfer
Wie immer, wenn man Koffer packt, ist das alles nicht so spaßig, Hemden zusammen legen oder Hosen. Vor allem, wenn die eigene Frau nicht dabei ist.
Rudi Völler